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Hopfen

Bitter im Bier und beruhigend

25.11.2013
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Von Ursula Sellerberg / Wasser, Malz, Hefe und Hopfen – nur diese Zutaten darf Bier nach dem deutschen Reinheitsgebot enthalten. Hopfen ist aber nicht nur wichtig für den typischen Bier­geschmack. Die Pflanze hat auch beruhigende Wirkungen und kommt daher als Schlafmittel zum Einsatz.

Hopfen (Humulus lupulus L.) gehört zur Familie der Hanfgewächse (Cannabaceae). Ursprünglich wurde er als Kräftigungs- und Bittermittel eingesetzt. Die Heimat der Pflanze ist Osteuropa. Doch bereits seit dem 8. Jahrhundert wird sie in Mitteleuropa kultiviert, in Deutschland überwiegend in Bayern. Im Mittelalter hatten Mönche beobachtet, dass Hopfenzapfen gegen Fäulnis resistent sind. Daraus schlossen sie folgerichtig, Hopfen könnte sich auch zur Konservierung von Bier eignen. Damit legten sie einen der Grundsteine für das deutsche Reinheitsgebot von 1516.

In der frühen Neuzeit machten Winzer auch Wein durch Hopfenzusatz haltbar, diese Methode hat sich aber nicht durchgesetzt. Die beruhigende Wirkung des Hopfens soll der Legende nach entdeckt worden sein, als Hopfenpflückerinnen ihre mit Harz verklebten Hände an den Mund brachten, das Harz schluckten und davon müde wurden. Vermutlich wirkt aber auch das eingeatmete ätherische Öl beruhigend.

Auffällige Pflanze

Der Hopfen ist nicht zu übersehen: Die einjährigen Triebe werden 6 bis 12 Meter lang und winden sich an Gestellen oder Bäumen wie Weiden der Sonne entgegen. Die Stängel sind so dick wie Bleistifte und verholzen trotz der enormen Länge nicht. Die großen Blätter sind dicht behaart. Männliche und weibliche Pflanzen unterscheiden sich auch äußerlich: Die männlichen Blüten sind unscheinbar, etwa 0,5 Zentimeter breit und bilden als Frucht ein kleines Nüsschen. Kultiviert werden nur die weiblichen Pflanzen, die sich vegetativ über Setzlinge vermehren. Die weiblichen Blüten bilden stark verzweigte, dicht blühende Blütenstände, die von schuppenartigen Deckblättern geschützt werden. Pharmazeutische Anwendung finden nur die weiblichen Blütenstände, die sogenannten Hopfenzapfen (Lupuli strobulus). Kleine glänzende Drüsenhaare (Hopfendrüsen) übersähen die Innenseiten der grünlichen Deckblätter. Die Drüsenhaare enthalten das Harz mit den Bitterstoffen.

Geerntet werden die Hopfenzapfen im Spätsommer, Ende August bis Mitte September, kurz bevor die Hopfen­drüsen voll ausgereift sind. Bei reifen Hopfenzapfen fallen die Drüsen leicht ab und bilden ein grüngelbes, klebriges Pulver.

Hopfentee

Zur Teezubereitung lässt man ein bis zwei Teelöffel Hopfenzapfen mit 150 ml heißem Wasser übergossen und 10 bis 15 Minuten ziehen. Gegen Einschlafstörungen können Betroffene vor dem Schlafen­gehen eine Tasse frisch zubereiteten Tee trinken.

Die Hopfenzapfen sind sehr leicht: Getrocknet wiegt ein Kubikmeter zwischen 100 und 150 Kilogramm. Zum Vergleich: Ein Kubikmeter Wasser wiegt eine Tonne, also etwa das Zehnfache. Das große Volumen erschwert den Transport und die Lagerung der zu Ballen gepressten Hopfenzapfen. Für die Bier- und Extraktherstellung werden deshalb heute vor allem Zwischenprodukte verwendet, beispielsweise zu zylinderförmigen Pellets gepresste, pulverisierte Hopfenzapfen.

Bei der Lagerung verlieren Hopfenzapfen ihre Drüsenhaare, die sich dann im Vorratsgefäß absetzen. Ein Tipp für das Beratungsgespräch: Lose Tee­mischungen mit Hopfenzapfen sollten Patienten vor der Entnahme durchschütteln und so erneut durchmischen. Die Droge sollte außerdem schnell verbraucht werden, denn bei der Lagerung zersetzen sich die Bitterstoffe rasch.

Hauptinhaltsstoffe der Droge sind die bitteren Phloroglucin-Derivate (10 Prozent). Die weiblichen Blüten enthalten außerdem ätherisches Öl, Harze, Flavonoide und Gerbstoffe. Aus den Bitterstoffen Humulon und Lupulon bildet sich in geringen Mengen bei der Lagerung und im Körper der beruhigende Wirkstoff Methylbutenol. Diese Substanz ist sogar bei niedrigen Temperaturen flüchtig. Das in der Droge enthaltene ätherische Öl geht bei der üblichen Extraktion verloren und ist daher in Fertigarzneimitteln meist nicht mehr enthalten.

Bewertung der Experten

Die Experten der Kommission E des ehemaligen Bundesgesundheitsamtes bescheinigten Hopfenzapfen im Jahr 1990 eine positive Wirkung bei Befindlichkeitsstörungen wie Unruhe und Angstzuständen sowie bei Einschlafstörungen. Auch die europäische Fachgesellschaft ESCOP (European Scientific Cooperative on Phytotherapie) bewertete im Jahr 1997 die Anwendungsgebiete Nervosität, Unruhe und Einschlafstörungen positiv. Nach §109a des Arzneimittelgesetzes traditionell zugelassene Arzneimittel werden eingesetzt »zur Besserung des Befindens bei nervöser Belastung beziehungsweise zur Unterstützung der Herz-Kreislauffunktion bei nervlicher Belastung.«

Eingesetzt wird die geschnittene oder pulverisierte Droge oder Extrakte. Die Gerb- und Bitterstoffe regen den Appetit an, fördern den Speichelfluss, die Magensaftsekretion und wirken antibakteriell. Menschen mit Einschlafstörungen können vor dem Schlafengehen eine Tasse frisch zubereiteten Tee trinken (Teezubereitung siehe Kasten auf Seite 30). Ein Teelöffel Hopfenzapfen wiegt etwa 0,4 Gramm. Die Einzeldosis liegt bei 0,5 Gramm, die Tagesdosis bei 1 bis 2 Gramm Droge. Präparate mit Hopfenextrakt müssen nach Angaben des Herstellers dosiert werden. Da reiner Hopfentee bitter schmeckt, wird Hopfen oft mit anderen Arzneipflanzen kombiniert, beispielsweise mit Baldrianwurzel, Melissenblättern oder Passionsblumenkraut.

Vorsicht bei Kombinationen

Hopfen hemmt die Cytochromsysteme CYP1A2 und CYP2C9. Klinisch bedeutsam wird diese leichte Blockade jedoch nur, wenn ein Patient das Hopfenpräparat mit einem Arzneimittel geringer therapeutischer Breite kombiniert. Bei bestimmungsgemäßem Gebrauch sind jedoch keine Nebenwirkungen zu erwarten. Allerdings sollten Hopfenpräparate nicht mit Alkohol oder anderen sedierenden Arzneimitteln wie Tranquil­lanzien, Antiepileptika, Antidepressiva und Antipsychotika eingenommen werden. Die Kombination kann zu Müdig­keit und Benommenheit führen und das Reaktionsvermögen herabsetzen, was für Autofahrer und beim Bedienen von Maschinen riskant ist. Der Phytoestrogengehalt kann bei Frauen theoretisch zu Zyklusstörungen führen. Experten gehen jedoch davon aus, dass die phytoestrogene Wirkung des Hopfens zu vernachlässigen ist. Die frische Pflanze wirkt allerdings sensibilisierend und kann bei intensivem Kontakt zur sogenannten »Hopfenpflückerkrankheit« führen mit den Symptomen Kopfschmerzen, Bindehautentzündung und Hautausschlag.

In der Volksmedizin wird Hopfen eingesetzt bei Blasen- und Nierenleiden, Reizblase, Nervenschmerzen, schmerzhafter Dauererektion (Priapismus), Entzündungen der Darmschleimhaut oder Spannungskopfschmerz. Äußerlich soll Hopfen gegen Geschwüre und schlecht heilende Wunden helfen. Eine Besonderheit ist die Verwendung als Füllmaterial für Kräuterkissen: Vor allem in Bayern gilt ein mit Hopfen gefülltes Kräuterkissen als bewährtes Mittel zur Beruhigung und bei Einschlafstörungen. Da das ätherische Öl und das sedierende Methylbutenol schnell verfliegen, muss die Füllung aber schon nach etwa einer Woche ersetzt werden. /

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ursula.sellerberg(at)yahoo.de