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Selbstmedikation

Dem Husten auf der Spur

25.11.2013
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Von Verena Arzbach / Nach einem Mittel gegen Husten fragen gerade im Winter viele Kunden in der Apotheke, denn das Symptom findet sich bei nahezu allen bronchopulmonalen Erkrankungen. Es kann aber auch auf zahlreiche andere Krankheiten hindeuten. Je nach Ursache unterscheidet sich auch die Therapie des Hustens.

Mediziner unterteilen Husten in produktiven Husten und trockenen Reizhusten. Die Grenzen zwischen den beiden Formen sind manchmal fließend. So fällt es vielen Patienten schwer, ihren Husten zu beschreiben und einzuordnen. Beim produktiven Husten produziert der Patient typischerweise pro Tag mindestens 30 Milliliter Sekret, das entspricht etwa zwei vollen Esslöffeln. Bei der Einschätzung der Menge tun sich viele Patienten jedoch schwer, heißt es in der Leitlinie zur Diagnostik und Therapie von erwachsenen Patienten mit akutem und chronischem Husten der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin (DGP). In vielen Fällen überschätze der Patient die Menge des abgehusteten Schleims. Auch fällt es vielen Menschen schwer, Bronchialsekret von Speichel zu unterscheiden.

Außerdem unterteilen Ärzte das Symptom Husten in akute und chronische Beschwerden. Akuter Husten dauert per Definition bis zu acht Wochen an, erst danach sprechen Experten von chronischem Husten. Hinter einem akuten Husten steckt meist ein viraler Infekt der oberen Atemwege, der eine akute Bronchitis auslöst. Diese heilt in der Regel innerhalb eines kurzen Zeitraums spontan aus. Viele Patienten möchten die lästigen Beschwerden allerdings mit Arzneimitteln lindern, vor allem wenn ihnen der Husten nachts den Schlaf raubt.

Beschreibt der Patient in der Apotheke jedoch Symptome, die nicht zu einem banalen Infekt passen – beispielsweise hohes Fieber, Atemnot, Schmerzen im Brustkorb oder blutiger Husten – sollten PTA oder Apotheker zum Arztbesuch raten. Das gilt ebenso für starke Raucher mit neu aufgetretenem Husten. Deutlich seltenere Ursachen eines akuten Hustens sind unter anderem Asthma, eine Lungenentzündung, Lungenembolie oder eine Linksherzinsuffizienz.

Chronischer Husten kann hingegen viele verschiedene Ursachen haben. Am häufigsten ist laut der Leitlinie eine chronische Bronchitis infolge eines Raucherhustens. Auch Asthma, COPD, Tuberkulose, Keuchhusten oder kardiale Erkrankungen sind möglicher Ursprung eines andauernden Hustens. In diesen Fällen bessert eine kausale Therapie meist auch den Husten. Auch der Hinweis, dass eine gastro-ösophageale Refluxerkrankung oder die Einnahme von ACE-Hemmern Husten auslösen kann, sollte im Beratungsgespräch nicht fehlen.

Abgestimmte Therapie

Produktiven Husten behandeln die Patienten in der Selbstmedikation häufig mit Expektoranzien. PTA oder Apotheker empfehlen in diesem Fall entweder ein Sekretolytikum oder ein Mukolytikum. Sekretolytika wie Ambroxol und Bromhexin erhöhen das Volumen des Sekrets, Mukolytika wie N-Acetyl­cystein setzen die Viskosität des Schleims herab. Eine genaue Trennung zwischen diesen beiden Wirkmechanismen ist jedoch schwierig, die Wirkstoffe zeigen häufig Eigenschaften beider Substanzklassen. Sekretolytika und Mukolytika reinigen die Bronchien und erleichtern das Abhusten des viskösen Schleims, sodass die Hustenrezeptoren weniger gereizt werden.

Zwar verspürten viele Patienten nach der Einnahme von Expektoranzien eine Wirkung, heißt es in der Leitlinie der DGP. Momentan lägen jedoch wenig methodisch einwandfreie Studien vor, die die Wirksamkeit freiverkäuflicher Expektoranzien belegen, speziell im Hinblick auf die Linderung des akuten Hustens. Empfehlenswert bei akutem Husten ist laut Leitlinie der DGP hingegen die Kombination aus Thymian und Efeu (zum Beispiel Bronchipret® Saft TE/Tropfen) beziehungsweise aus Thymian und Primel (beispielsweise in Bronchicum® Elixir, Kapseln, Saft und Tropfen, Bronchipret® TP Filmtabletten).

Sogenannte Demulzenzien hüllen Hustenrezeptoren im Rachen ein und lindern so deren Reizung. Gemeinsamer Bestandteil von hustenreizstillenden Hustensäften, Gurgellösungen, Lutschtabletten, Honig und Hustenbonbons ist Zuckersirup. Die Wirkungsdauer beschränkt sich auf die Verweildauer des Zuckers am Rezeptor, meist 20 bis 30 Minuten. Oft enthalten die Präparate als wirksame Bestandteile zusätzlich Lokalanästhetika, Expektoranzien oder zentral wirksame Antitussiva.

Trockener Reizhusten tritt häufig zu Beginn und in der Endphase eines Infekts auf. Im Gegensatz zum produktiven Husten hat er keine physiologische Funktion. Ziel der Therapie ist daher, den Hustenreiz zu unterbinden, damit der Patient zum Beispiel in der Nacht durchschlafen kann und sich die Entzündung der Schleimhäute bessert. Behandelt wird der Reizhusten mit zentralen Antitussiva. Diese binden an Opioid-(µ)-Rezeptoren im Hustenzentrum im Stammhirn. So heben sie die Reizschwelle an und vermindern die Hustenfrequenz. Für die Selbstmedikation eignen sich die Arzneistoffe Dextromethorphan und Pentoxyverin. Zugelassen sind die Wirkstoffe generell auch für Kinder ab dem Alter von zwei Jahren. Lutschtabletten mit Dextromethorphan (zum Beispiel Silomat® DMP Pastillen, Wick® Hustenpastillen) eignen sich jedoch erst für ältere Kinder ab sechs Jahren. Das Antitussivum Guaifenesin (Wick® Husten-Löser, Fagusan® Lösung sowie in Wick® DayMed Erkältungs-Getränk) wirkt nicht zentral, sondern nur rein peripher.

Husten nach dem Piepton

Das »Silometer«, eine kostenlose Husten-Hotline, analysiert den Husten von Patienten am Telefon. Dazu hustet der Anrufer nach einem Signalton einige Male in den Hörer. Der Computer entscheidet anschließend, ob es sich eher um produktiven Husten oder trockenen Reizhusten handelt. Entwickelt wurde das Angebot von einer Projektgruppe des Fraunhofer-Instituts in Oldenburg im Auftrag der Firma Boehringer Ingelheim. Die Hotline ist unter der Telefonnummer 0800 0007178 erreichbar. Den Besuch beim Arzt oder in der Apotheke ersetzt das Computerprogramm jedoch nicht, das Angebot dient nur zur Ergänzung beziehungsweise als grober Hinweis.

Obwohl es zunächst wenig plausibel erscheint: Die gleichzeitige Anwendung von Expektoranzien und Antitussiva kann durchaus sinnvoll sein. Wichtig ist jedoch ein zeitlicher Abstand. So kann der Patient den produktiven Husten tagsüber mit einem Expektorans fördern und ein Antitussivum etwa eine Stunde vor dem Zubettgehen einnehmen, um den Hustenreiz in der Nacht zu unterdrücken.

Sanft husten

Bei quälendem trockenen Reizhusten kann die richtige »Hustentechnik« die Heilung fördern. Das heißt, der Patient sollte nur ganz leicht husten. Dazu bildet er mit der Hand eine Faust, in die er sanft hineinhustet. Dabei blähen sich die Backen auf und bilden eine Luftbarriere. Die Schleimhäute der Bronchien prallen dann beim Husten nicht so stark aufeinander. Kleine Wunden, die sich durch den viralen Infekt in der Schleimhaut gebildet haben, reißen so nicht ständig wieder auf. /

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