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Jungen um ihr Aussehen besorgt

25.11.2013
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Von Verena Arzbach / Nicht nur Mädchen und junge Frauen beschäftigen sich intensiv mit ihrem körper­lichen Erscheinungsbild. Laut einer aktuellen US-amerikanischen Studie machen sich knapp 18 Prozent der männlichen Jugendlichen große Gedanken über ihre Figur. Diese Gruppe werde in Bezug auf Essstörungen zu wenig beachtet, beklagen die Forscher.

Die Wissenschaftler um Dr. Alison Field vom Boston Children’s Hospital befragten im Zeiraum von 1999 bis 2010 insgesamt 5527 männliche Jugendliche zwischen 12 und 18 Jahren zu ihrem Essverhalten und der Beschäftigung mit ihrem eigenen Körper. 9,2 Prozent orientierten sich der Studie zufolge stark an einem sehr muskulösen Körperbau. 2,4 Prozent der Befragten nahmen Nahrungsergänzungsmittel, Wachstumshormone oder Steroide ein, um möglichst viele Muskeln aufzubauen. 2,5 Prozent der jungen Männer gaben bei der Befragung an, dass sie eher dünn statt muskulös aussehen wollen und 6,3 Prozent konzentrierten sich auf ein schlankes und gleichzeitig muskulöses Körperbild.

Daneben fanden die Mediziner interessante Zusammenhänge: Jungen, die unbedingt muskulös sein wollten und dafür auch muskelaufbauende Substanzen einnahmen, waren anfälliger für Drogenmissbrauch und gesteigerten Alkoholkonsum, sogenanntes Binge-Drinking. Jungen, die möglichst dünn sein wollten, zeigten hingegen ein erhöhtes Risiko, eine Depression zu entwickeln.

Die intensive und unverhältnismäßige Beschäftigung mit dem eigenen Körper ist also kein typisch weibliches Phänomen. Extreme Essstörungen wie Magersucht und Bulimie betreffen laut Ergebnissen der Kinder- und Jugend­gesundheitsstudie KiGGS des Robert Koch-Instituts (RKI) auch viele Jungen und junge Männer in Deutschland. In der Untersuchung, die rund 18?000 Studienteilnehmer einbezieht, zeigten fast 22 Prozent der 11- bis 17-Jährigen in Deutschland ein gestörtes Essverhalten. Mädchen sind – insbesondere in der Pubertät – mit 28,9 Prozent zwar deutlich häufiger betroffen, jedoch zeigten auch 15,2 Prozent der Jungen ein auffälliges Essverhalten. Drei Viertel der Mädchen und Jungen mit auffälligem Essverhalten schätzten sich als zu dick ein, obwohl sie objektiv normalgewichtig waren. Bei Kindern und Jugendlichen mit unauffälligem Essverhalten empfand sich nur weniger als ein Drittel als zu dick. /

Quellen: JAMA Pediatrics, Robert Koch-Institut