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Arnika

Die wilde Schönheit aus den Bergen

26.11.2014
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Von Monika Schulte-Löbbert / Die Geschichte der Echten Arnika als Heilpflanze ist noch vergleichsweise jung. Erst seit dem 18. Jahrhundert wird das Kraut aus dem Gebirge medizinisch verwendet. Jedoch erlangte die Pflanze in kürzester Zeit so hohes Ansehen und wurde so intensiv genutzt, dass ihre Bestände in Mitteleuropa fast ausgerottet waren.

Arnica montana L. ist in Europa heimisch. Ihr Verbreitungsgebiet erstreckt sich von den Pyrenäen über die Alpen bis zum Balkan und im Norden bis Südskandinavien und ins Baltikum. Obwohl sie in allen Höhenlagen bis 2800 m vorkommen kann, wächst sie vorwiegend in den Mittelgebirgen.

Die Echte Arnika bevorzugt Wiesen oder Waldlichtungen mit kalkarmen, sauren und zumindest zeitweise feuchten Böden. Ihr Bestand ist in den europäischen Ländern unterschiedlich bedroht. In Deutschland gilt sie als gefährdet. Daher führt die Bundes­artenschutzverordnung vom 16. Februar 2005 sie als besonders geschützte Art auf.

Die ausdauernde, aromatisch duftende Staudenpflanze gehört zur Familie der Korbblütler (Asteraceae) und erreicht je nach Standort Wuchshöhen von 20 bis 60 Zentimetern. Charak­teristisch ist die grundständige, am Boden anliegende Blattrosette mit hellgrünen, ganzrandigen, derben Blättern ohne Stiel. Aus der Rosette wächst ein kräftiger, behaarter Stängel mit wenigen, relativ kleinen und schmalen Laubblättern, die gegenständig sitzen. Die besonders auffälligen, leuchtend gelben Blüten am Ende der Stängel blühen zwischen Mai und August. Sie bestehen aus dottergelben Röhrenblüten und orangegelben Zungenblüten, ihr Durchmesser beträgt etwa sechs Zentimeter. Die oft gedrehten und gebogenen Zungenblüten lassen die Blüten leicht zerzaust erscheinen.

Die Droge besteht aus den getrockneten, meist zerfallenen Blütenkörbchen oder aus den einzelnen Zungen- und Röhrenblüten von Arnica montana L., denn die für die medizinische Wirkung verantwortlichen Inhaltsstoffe befinden sich vor allem in der Blüte. Da es nicht einfach war, die Droge von einer Pflanze zu beschaffen, die unter Artenschutz steht, war für einige Zeit auch die amerikanische Wiesenarnika (Arnica chamissonis) als Stammpflanze zugelassen.

Inzwischen ist es aber Pflanzenzüchtern gelungen, eine für den Feldanbau geeignete Sorte von Arnica montana zu entwickeln, sodass die Wildvorkommen bei der Sammlung für medizinische Zwecke geschont werden können. Die Ende 2004 in deutscher Sprache erschienene 7. Ausgabe des Europäischen Arzneibuchs nennt nur noch Arnica montana L. als Stammpflanze der Droge »Arnikablüten – Arnicae flos«.

Besondere Heilkräfte

Als Kult- und Zauberpflanze hat die Arnika eine lange Tradition. Darauf deuten einige volkstüm­liche Namen wie Donnerwurz, Johannisblume oder Wolfsblume hin. Die leuchtend gelben Blüten der Pflanze spielten früher im Kult der Sommersonnenwende eine Rolle. So galten die am Tag der Sonnenwende, dem Johannistag (24. Juni), gesammelten Blüten als besonders heilkräftig. Am Vorabend des Johannistags schützten die Bauern ihre Getreidefelder mit Arnikasträußen, um Dämonen und Unwetter abzuwehren.

Trotz ihrer Bekanntheit ist die Geschichte der Arnika als Heilpflanze relativ kurz. Überraschenderweise wird sie in den Schriften der antiken Medizin nicht erwähnt. Erst im 16. Jahrhundert taucht sie plötzlich überall in den Kräuterbüchern auf, allerdings oft unter dem Namen »Alisma«. Ob sich die Bezeichnung »Arnika« von Alisma ableitet, ist bis heute umstritten. Dagegen weist der Artname »montana« eindeutig auf ihren bevorzugten Standort im Gebirge hin, wie es auch in dem deutschen »Bergwohlverleih« zum Ausdruck kommt.

Wertvoller als Gold

Arnika wurde zur Behandlung verschiedenster Beschwerden eingesetzt. Sie sollte bei Gicht und Rheuma, Krampfadern und Venenentzündungen helfen. Außerdem fand sie Verwendung als Analeptikum und missbräuchlich als Abortivum. Pfarrer Sebastian Kneipp (1821–1897) begeisterte sich für die Pflanze mit folgenden Worten: »Arnika ist nicht mit Gold zu bezahlen. Sie verdient es, an erster Stelle der Heilmittel bei Verwundungen genannt zu werden, ich kann sie deshalb nicht genug empfehlen.« Auch Goethe (1749–1832) schätzte die heilkräftige Pflanze sehr, besonders als Tee.

Aber schon früh wurde erkannt, dass die innerliche Anwendung von Arnika heftige Nebenwirkungen wie Erbrechen und Atembeschwerden hervorrufen kann. Deshalb wird heute die Einnahme arnikahaltiger Zubereitungen – die Homöopathie ausgenommen – nicht mehr empfohlen. Ganz im Unterschied zur äußerlichen Anwendung: Viele wissenschaftliche und klinische Studien belegen die äußerliche Wirkung von Arnica montana. Arnika hat sich äußerlich bei Verletzungs- und Unfallfolgen, zum Beispiel bei Hämatomen, Distorsionen, Prellungen, Quetschungen, Fraktur­ödemen, bei rheumatischen Muskel- und Gelenkbeschwerden bewährt. Die Kommission E bewertete den Einsatz von Arnika im Jahr 1984 ebenfalls positiv bei Entzündungen der Schleimhäute von Mund- und Rachenraum, bei Furunkulose und Entzündungen als Folge von Insektenstichen sowie bei Oberflächenphlebitis. Der europäische Dachverband der nationalen Gesellschaften für Phytotherapie (ESCOP) übernahm im Juli 1997 diese Empfehlung und ergänzte die Anwendung durch den Zusatz »zur symptomatischen Behandlung von Rheumabeschwerden«.

Die Arzneibuchdroge stammt zum Teil aus Wildvorkommen in Spanien und einigen Balkanländern, jedoch zunehmend aus dem Feldanbau in Deutschland. Die neu gezüchtete Sorte von Arnica montana mit dem Namen »Arbo« eignet sich für den Anbau.

Die Blüten enthalten ätherisches Öl, Flavonoide und Phenolkarbonsäuren. Als Hauptwirkstoffe gelten die bitter schmeckenden Sesquiterpenlactone, die entzündungshemmend und antiseptisch wirken. Ihre Hauptkomponenten Helenalin und Dihydrohelenalin liegen in veresterter Form vor. Jüngste Studien haben gezeigt, dass beide Inhaltsstoffe maßgeblich den Entzündungsprozess hemmen. Sie verhindern die Aktivierung bestimmter Faktoren, wodurch sie das Entzündungsgeschehen an zentraler Stelle beeinflussen. Infolgedessen werden weniger lyso­somale Enzyme sowie Histamin aus Mastzellen und Serotonin aus Thrombozyten freigesetzt.

Bei oraler Gabe toxisch

Die Sesquiterpenlactone sind aber auch für die unerwünschten Wirkungen der Arnika verantwortlich. Bei innerlicher Anwendung kann es zu Schweißausbrüchen, Gastro-Enteritis, Tachykardie, Dyspnoe bis zum Kollaps kommen. Schon größere Mengen Arnikatees können diese toxischen Effekte verursachen. Wegen ihrer Toxizität sollten Tinkturen und Auszüge aus Arnika nicht oral verabreicht werden.

Tinktur immer verdünnen

Die unverdünnte Tinktur kann auf der Haut dazu führen, dass sie sich rötet oder Ekzeme mit Bläschen entstehen. Bei längerer Anwendung kann Arnikatinktur an geschädigter Haut, zum Beispiel bei Verletzungen oder Ulcus cruris, eine ödematöse Dermatitis mit Bläschenbildung auslösen.

Zur äußerlichen Anwendung sollte Arnikatinktur daher immer verdünnt werden. Für die Herstellung von Umschlägen wird die Tinktur 3- bis 10-fach verdünnt, für Mundspülungen 10-fach, Salben enthalten maximal 25 Prozent Tinktur. Außerdem ist Arnika-Öl im Handel, ein Auszug aus 1 Teil Droge und 5 Teilen fettem Pflanzenöl. Dieses Arnika-Öl ist auch Bestandteil von Salben mit einem Anteil von maximal 15 Prozent.

Die Rote Liste führt zahlreiche Fertigarzneimittel mit Arnika zur äußeren Anwendung auf. Sie dienen in flüssiger oder halbfester Form zur Einreibung oder zu Umschlägen als Analgetika, Antirheumatika oder Antiphlogistika, zum Beispiel Arnikatinktur »Hetterich«, doc® Arnika Creme oder Kneipp® Arnika Salbe sowie Kneipp® Arnika Kühl- & SchmerzGel oder Weleda Arnika-Gelee.

Da die innere Anwendung von Arnika nicht zugelassen ist, wurden viele Teemischungen, die Arnika enthielten, im Rahmen der Nachzulassung vom Markt genommen. Die Standardzulassung führt zwar die Darreichungsform »Tee« auf, die Anwendung ist jedoch auf die Bereitung von Umschlägen begrenzt.

Menschen mit einer Überempfindlichkeit gegenüber Korbblütlern sollten kein Arnika-Präparat anwenden. Auch dürfen Zubereitungen nicht auf geschädigter Haut appliziert werden.

In der Homöopathie beliebt

In der Homöopathie zählt Arnika zu den wichtigsten Heilpflanzen. Das Homöopathikum wird aus den getrockneten, unterirdischen Teilen von Arnica montana L. hergestellt und eignet sich für große und kleine Patienten. Innerlich werden die Potenzen erst ab D4 eingesetzt. Die klassischen Anwendungsgebiete von Arnika in der Homöopathie sind stumpfe Verletzungen wie Prellungen und Quetschungen mit Blutergüssen, Hexenschuss, Ischiasbeschwerden und Muskelkater. Traditionell verordnen Homöopathen Arnika auch bei Erkrankungen des arteriellen und venösen Systems sowie als Analeptikum.

Nach einer Verletzung sollte Arnika innerhalb der ersten 24 Stunden eingenommen werden. Auch Beschwerden nach einer Zahnbehandlung können Arnikaglobuli lindern. /