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Hypothyreose der Mutter kann IQ des Kindes senken

26.11.2014  10:00 Uhr

Von Annette Immel-Sehr / Bis zu 3500 Kinder pro Jahr sind in Deutschland in ihrer kognitiven Entwicklung gefährdet, weil ihre Mütter während der Schwangerschaft an einer Unterfunktion der Schilddrüse litten. Daher sollten Frauen möglichst zu Beginn der Schwangerschaft ihre Schilddrüsenfunktion testen lassen.

In der Schwangerschaft bildet die Schilddrüse bis zu 50 Prozent mehr Schilddrüsenhormone – vorausgesetzt, ihr steht dafür genug Iod zur Verfügung. Um das sicherzustellen, empfehlen Experten, während der Schwangerschaft täglich Iodtabletten einzunehmen. 

Die Gefahren einer Unterversorgung unterstreicht auch eine in der Fachzeitschrift »The Lancet« veröffentlichte Studie aus Großbritannien: Bei Kindern von Müttern mit Iodmangel in der Schwangerschaft stellten die Wissenschaftler im Alter von acht Jahren einen niedrigeren IQ fest als bei Gleichaltrigen. In Deutschland haben Screening-Studien gezeigt, dass auch hierzulande bei rund 0,5 Prozent der Schwangeren der Thyroxin-Spiegel zu niedrig liegt. Somit gefährdet die Hypothyreose ihrer Mütter pro Jahr circa 3500 Kinder. Noch höher ist der Anteil der Schwangeren mit einer latenten Unterfunktion der Schilddrüse. Experten schließen nicht aus, dass auch eine latente Hypothyreose die Gehirnentwicklung des Ungeborenen behindern kann.

Iodmangel ist allerdings nicht der einzige Grund für eine Unterfunktion. Bei bis zu 10 Prozent aller Frauen im gebärfähigen Alter lassen sich im Blut Antikörper gegen das Enzym Thyreo­peroxidase (TPO) nachweisen. Die TPO steuert unter anderem die Hormon­produktion in der Schilddrüse. Um mögliche Schäden zu verhindern, sollten daher alle Frauen, sobald sie wissen, dass sie schwanger sind, nicht nur ihre Schilddrüsenfunktion testen, sondern möglichst auch die TPO-Antikörper bestimmen lassen. Welche Therapie im Einzelfall erforderlich ist, entscheidet der Arzt. /

Quelle: Deutsche Medizinische Wochenschrift