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Schon ein Bier verschlechtert die Nachtsicht

26.11.2014  10:00 Uhr

Von Annette Immel-Sehr / Bereits geringe Mengen Alkohol können den Sehsinn vernebeln – so das Ergebnis einer aktuellen wissenschaftlichen Untersuchung. 

Ethanol löst offenbar die äußere, leicht fettige Schicht des Tränenfilms, sodass die wässrigen Bestandteile der Tränenflüssigkeit verdunsten. Dies verschlechtert das Sehvermögen bei Nacht und erhöht die Licht- und Blendempfindlichkeit. Die Effekte treten schon nach Trinken geringer Mengen Alkohol auf und schränken die Fahrtüchtigkeit ein. Deshalb raten die Experten der Deutschen Ophthalmologischen Gesellschaft (DOG) Autofahrern, insbesondere vor nächtlichen Fahrten ganz auf alkoholische Getränke zu verzichten.

Die DOG leitet ihre Empfehlung aus den Daten spanischer Forscher ab: Experten der Universität Granada testeten Kontrastsehen und Blendempfindlichkeit von 67 Probanden vor und nach dem Verzehr unterschiedlicher Mengen Rotwein. Alle Teilnehmer schnitten nach Alkoholkonsum im Sehtest deutlich schlechter ab als im nüchternen Zustand. Dieser Effekt zeigt sich verstärkt ab einer Blutalkoholkonzentration von 0,5 Promille. Aber auch Probanden, deren Werte unterhalb der gesetzlichen Höchstgrenze lagen, sahen Kontraste schlechter und nahmen vermehrt Lichtschleier wahr. Dies sei gefährlich, sagt Professor Dr. Bernhard Lachenmayr, Vorsitzender der Verkehrskommission der DOG aus München. »Viele Kneipenbe­sucher halten sich noch für fahrtüchtig, wenn sie ein bis zwei Gläser Bier getrunken haben«, so Lachenmayr. Allerdings könnten schon geringe Mengen Alkohol dazu führen, dass der Fahrer Fußgänger und Straßenschilder zu spät erkenne oder sehr viel mehr als sonst durch die Scheinwerfer entgegenkommender Autos geblendet würde. »Entscheidend ist, dass Alkohol generell unser Reaktionsvermögen beeinträchtigt«, so Lachenmayr. »Dass Ethanol darüber hinaus das Sehvermögen einschränkt, stützt nur einmal mehr die Empfehlung, sich alkoholisiert gar nicht erst hinters Steuer zu setzen.« /

Quelle: Deutsche Ophthalmologische Gesellschaft (DOG)