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Louis Pasteur

Vater der modernen Medizin

26.11.2014
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Von Ralf Daute / Im Dezember 2014 wäre Louis Pasteur 192 Jahre alt geworden. Der berühmte Chemiker und Bakteriologe wurde am 27. Dezember 1822 in Dole (Frankreich) geboren. Mit seinen Experimen­ten schuf er die Grundlagen für Antisepsis und Immunolo­gie und machte sich nebenbei noch um die Konservierung von Lebensmitteln verdient.

»Pasteurisiert« – dieser kleine Zusatz auf jeder Milchpackung weist auf Louis Pasteur hin, einen der größten Wissenschaftler Frankreichs und einer der Väter der modernen Medizin. Paradoxerweise geht jedoch ausgerechnet das kurzzeitige Erhitzen von Milch, um sie haltbar zu machen, nicht auf Pasteur zurück, sondern auf den deutschen Agri­kulturchemiker Franz von Soxhlet. Die Grundlagen des Verfahrens stammen allerdings von dem französischen Chemiker. Dieser entwickelte und nutzte die Methode jedoch ursprünglich, um Wein und Essig haltbar zu machen.

Pasteurs Name und sein Bild, ein vollbärtiger, ernst und manchmal auch grimmig dreinschauender Mann, sind in Frankreich und insbesondere in Paris allgegenwärtig. Im Institut Pasteur wurden die Räume, die der Forscher zuletzt bewohnte, zu einem Museum umgebaut. Weitere Museen existieren in seinen ehemaligen Wohnhäusern in Dole und Arbois. In Paris erhielt eine Metrostation seinen Namen, und verteilt über ganz Frankreich wurden mehr als 2000 Straßen nach Pasteur benannt. Bevor der Euro kam, zierte das Porträt des Wissenschaftlers die 5-Franc-Banknote.

 

Seinen Ruhm hat sich Pasteur hart erarbeitet. Er wurde als drittes von fünf Kindern einer Familie von Gerbern im Jura, an der französisch-schweizerischen Grenze geboren und wuchs auch dort auf. In der Schule wurden seine Lehrer zunächst durch sein künstlerisches Talent auf ihn aufmerksam. Im Alter von 15 Jahren hatte er jedoch bereits so viele Schulpreise errungen, dass dies den Weg für seine weitere Laufbahn ebnete.

Nach dem Chemiestudium in Paris erlangte Pasteur den Doktor in Physik und Chemie. Im Jahr 1849 erhielt er in Straßburg seine erste Anstellung als Assistenzprofessor. Diese Station wäre im Lebenslauf des Mannes nicht weiter wichtig, wenn er sich dort nicht in die Tochter des Rektors verliebt und sie bereits vier Monate nach seiner Ankunft in der Stadt geheiratet hätte. Marie Pasteur brachte fünf Kinder zur Welt, von denen allerdings drei bereits in frühen Jahren starben.

 

Zurück in der Hauptstadt

Im Jahr 1857, gerade mal 34 Jahre alt, gelang Pasteur der Weg zurück in diefranzösische Hauptstadt: An der Hochschule École Normale in Paris wurde er Direktor für wissenschaftliche Studien. Obwohl er selbst keinen Forschungsauftrag hatte, richtete er sich sofort zwei Dachräume als Labor ein. Dort wollte er seine zuvor begonnenen Versuche zum Thema Gärung fortsetzen.

 

In diesem Labor gelang ihm dann der Nachweis, dass die Gärung durch Mikroorganismen vollzogen wird. Diese Erkenntnis stand im totalen Gegensatz zur damals vorherrschenden Lehrmeinung, die unter anderem auch der berühmte deutsche Chemiker Justus Liebig vertrat, dass dieser Prozess ohne Mikroorganismen abläuft.

 

»Alle Experimente, die ich seit 23 Jahren dieser Akademie mitgeteilt habe, dienten direkt oder indirekt dazu, die Ungenauigkeit der Ansichten Liebigs aufzuzeigen«, sagte daher Pasteur im Jahr 1880 in einem Vortrag und offenbarte damit auch eine Charaktereigenschaft: Er konnte polemisch und mit beißendem Spott reagieren, wenn es darum ging, seine Ansichten durchzusetzen.

 

Nach der Gärung wandte Pasteur sich auf Bitten der französischen Regierung den Krankheiten der Seidenraupen zu. Ab 1870 studierte er in seiner Heimat im Jura das Bierbrauen. Denn er sah Deutschland auf diesem Sektor, wohl nicht ganz zu Unrecht, als überlegen an und wollte dies ändern. In den folgenden Jahren schloss er seine Forschungsarbeiten zur Gärung, über Bier und über die Krankheiten der Seidenraupen in Paris ab.

 

Neues Forschungsgebiet

Im Alter von mittlerweile 54 Jahren wechselte Pasteur sein Arbeitsgebiet und begann damit, Infektionskrankheiten von Tieren und Menschen zu erforschen. Dazu trieb ihn die Erkenntnis an, dass verschiedene Krankheiten, zum Beispiel das Kindbettfieber, auf das Wirken von Mikroorganismen zurückzuführen sind. Pasteur war Verfechter einer antiseptischen Arbeitsweise und entwickelte privat eine solche Angst vor Infektionen, dass er nur ungern Hände schüttelte und vor dem Essen sein Geschirr putzte.

 

Ohnehin war der renommierte Forscher nicht unbedingt ein angenehmer Zeitgenosse. Er verhielt sich gegenüber seinen Schülern autoritär und galt als absolut humorlos. Er hatte keine Hobbys und verließ nur selten das Pariser Quartier Latin, in dem er wohnte. Auch befanden sich dort alle für ihn wichtigen Forschungseinrichtungen.

 

Erster Impfstoff für Tiere

Die erste Krankheit, die Pasteur anging, war der Milzbrand – eine Berufskrankheit der Gerber und dem Forscher daher vermutlich schon aus dem Umfeld seiner Familie bekannt. Wegen ihrer Auswirkungen auf die Viehbestände hatte die Krankheit zudem eine besondere volkswirtschaftliche Bedeutung. Am 28. Februar 1881 vermeldete Pasteur vor der Pariser Akademie der Medizin, er habe einen Impfstoff für Tiere entwickelt – und als dieser Erfolg angezweifelt wurde, kam es zu einem in der Wissenschaftsgeschichte denkwürdigen Showdown.

In einem öffentlichen Versuch wurden 25 Schafe geimpft, 25 weitere dienten als Kontrollgruppe. Anschließend wurden alle Tiere mit dem Milzbrand-Erreger infiziert. Zwei Tage nach dem Start des Versuchs lebten aus der geimpften Gruppe noch 24 Schafe, aus der anderen waren 23 verstorben – also ein Sieg auf der ganzen Linie für den streitbaren und von seiner Arbeit überzeugten Wissenschaftler. Nach diesem Erfolg begann ein neues Kapitel in der Medizin: die industrielle Produktion von Impfstoffen.

 

Endgültig zu Ruhm gelangte Pasteur, als er in den Folgejahren einen Impfstoff gegen die Tollwut entwickelte und diesen 1885 mit viel Sinn für Publicity der Öffentlichkeit vorstellte, indem er ihr einen angeblich infizierten und durch sein Serum geheilten Jungen präsentierte. Danach pilgerten Menschen aus aller Herren Länder, die von vermeintlich tollwütigen Tieren gebissen worden waren, in die französische Hauptstadt, um sich bei Pasteur behandeln zu lassen. Dabei durfte dieser selbst die Behandlung gar nicht vornehmen, weil er kein Mediziner war. Allerdings gehörten zu seinen Mitarbeitern etliche Ärzte.

 

Mit den Spenden, die bei Pasteur eingingen, wurde der Grundstein zum »Institut Pasteur« gelegt. Dieses wurde im Jahr 1888 eingeweiht und sein erster Direktor war natürlich niemand anderes als Louis Pasteur selbst. Allerdings konnte der damals 65-jährige Wissenschaftler in seinen letzten Lebensjahren keine wichtigen Forschungsarbeiten mehr durchführen, zumal ihm seine Gesundheit schwer zu schaffen machte. Pasteur erlitt mehrere Schlaganfälle und war vollkommen gelähmt, als er am 28. September 1895 in Villeneuve-l’Etang bei Paris starb. Seine letzte Ruhestätte erhielt er in einer Krypta unter seinem Institut Pasteur. /