PTA-Forum online
Kariesprophylaxe bei Kindern

Keine Chance für Karius und Baktus

07.09.2015
Datenschutz

Von Kornelija Franzen / Bereits die Kleinsten wissen: Gesundes Essen, wenig Süßes und vor allem regelmäßiges Zähneputzen hält die Zähne gesund und kariesfrei. Junge Eltern haben aber auch viele Fragen: Wie lernt das Kind die richtige Putztechnik, welche Zahnpasta ist die richtige und ist die Einnahme von Fluorid­tabletten sinnvoll? Mit dem nötigen Fachwissen können PTA und Apotheker Eltern helfen.

Die Zahlen sprechen für sich: Laut einer kürzlich veröffentlichten Studie mit Vorschulkindern in Gambia senkt der Verzehr von fluoridiertem Speisesalz den Karieszuwachs um etwa 66 Prozent. Das Ergebnis dieser Untersuchung bestätigt einmal mehr den karies­vorbeugenden Effekt von Fluoriden. Seit Jahren raten Kinder- und Zahnärzte zu einem konsequenten Fluorid­einsatz bei Kindern und Jugendlichen – mit Erfolg. Die Zahl der Kariesfälle in dieser Altersgruppe ist stark gesunken.

Strittig ist dagegen die Frage, wie die Fluoride zugeführt werden sollen. Bis vor einigen Jahren wurden Kindern generell Fluoridtabletten zur Kariesvorsorge gegeben. Die Deutsche Gesellschaft für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde bevorzugt heute allerdings den lokalen Einsatz von Fluoriden und plädiert für die ausschließliche Anwendung von fluoridhaltiger Zahnpasta ab dem Durchbruch des ersten Milchzahns. Die Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin und die Deutsche Akademie für Kinder- und Jugend­medizin empfehlen allerdings weiter in den ersten zwei Lebensjahren die Einnahme von Fluoridtabletten.

Mikroorganismen als Übeltäter

Karies, auch Zahnfäule genannt, wird durch Mikroorganismen, allen voran Streptococcus mutans, ausgelöst. Besonders gefährdet sind Kinderzähne, da der Zahnschmelz noch nicht vollständig ausgereift und daher anfällig ist. Zucker und Stärke dienen den karies­fördernden Keimen als bevorzugte Nahrungsquellen. Die Mikro­organismen verstoffwechseln die Kohlen­hydrate unter anderem zu organischen Säuren und klebrigen Polysacchariden, Glucane genannt. Glucane ermöglichen den Erregern das Anheften an der Zahnoberfläche, was zur Entstehung von Zahnbelag, dem Plaque, führt. Organische Säuren lassen den pH-Wert absinken, woraufhin sich Mineralien wie Calcium und Phosphor aus dem Zahnschmelz lösen. Dieser als Demineralisierung bezeichnete Vorgang schädigt den Zahnschmelz direkt.

Tipps zur Kariesprävention bei Kindern

  • Kariesprophylaxe durch Fluoridierung (topisch oder systemisch)
  • Zahnbeläge durch regelmäßiges Zähneputzen entfernen
  • Fluoridtabletten nicht zusammen mit Milch geben (Bildung von schwerlöslichem Calciumfluorid)
  • Dauernuckeln an Fläschchen mit süßen oder sauren Getränken vermeiden
  • Süßes am besten direkt nach den Hauptmahlzeiten reichen
  • Zahncreme ausspucken und nicht mit Wasser ausspülen
  • Ab dem Durchbruch des ersten Milchzahnes regelmäßig zum Zahnarzt gehen
  • Zur Anregung des Speichelflusses zuckerfreie Kaugummis mit Xylitol anbieten. Der Zuckeralkohol Xylitol hemmt nachweislich das Bakterienwachstum. Achtung: Kaugummikauen ersetzt keinesfalls das Zähneputzen.

Fluoride wirken vielfach

Fluoride wirken auf vielfältige Weise der Zahnfäule entgegen und bieten daher einen wirksamen Kariesschutz. Sie überziehen die Zähne beim Putzen mit einer dünnen Schicht, einer Art Schutzschild gegenüber mikrobiellen Säure­attacken. Darüber hinaus beschleunigen sie die Remineralisierung der durch Säureangriff entstandenen Lücken im Zahnschmelz. Als Füllsubstanz dient dabei das im Speichel vorhandene Calciumphosphat. Während der Zahnentwicklung im Kindesalter zugeführte Fluoride werden stabil in den sich neu bildenden Zahnschmelz eingebaut. Dieser wird dadurch weniger säureempfindlich und kariesresistenter. Nicht zuletzt beeinträchtigen Fluoride mikrobielle Stoffwechselvorgänge und schädigen auf diese Weise kariesverursachende Keime.

Topisch oder systemisch

Den besten vorbeugenden Effekt erzielen Fluoride, wenn sie direkt mit dem Zahnschmelz in Berührung kommen. Zahnärzte raten daher zu einer topischen Fluoridanwendung, die mit dem Durchbruch des ersten Milchzahns beginnt. Bei den meisten Säuglingen ist das im Alter von etwa sechs Monaten der Fall. Geputzt werden sollte dann einmal täglich mit einem dünnen Film Kinderzahnpasta mit einem Fluoridgehalt von 500 ppm (zum Beispiel Elmex® Kinderzahnpasta, Nenedent® Kinderzahncreme, Oral-B® Stages Kinderzahncreme) und vorzugsweise mit einem Zahnputz-Fingerling (wie nenedent® Baby Erstes Zähnchen Zahncreme + Fingerling).

Ab einem Alter von zwei Jahren empfehlen Experten, die Milchzähne zweimal pro Tag mit einer erbsengroßen Menge Zahnpasta zu säubern. Der Verlust des ersten Milchzahns mit etwa sechs Jahren markiert den Beginn des Zahnwechsels. Von diesem Zeitpunkt an sollte Zahnpasta für Erwachsene mit einem deutlich höheren Fluoridgehalt von etwa 1000 bis 1500 ppm verwendet werden.

Kinderärzte bevorzugen weiter den systemischen Einsatz von Fluoridtabletten bei kleinen Kindern. Die Pädiater sehen einen Vorteil gegenüber fluoridierter Zahnpasta in der genaueren Dosierbarkeit der Tabletten. In den ersten zwei Lebensjahren werden 0,25 mg Fluorid täglich in Kombination mit Vitamin D empfohlen (wie in D-Fluoretten®, Fluor-Vigantoletten®, Zymafluor® D). Sind die Milchzähne durchgebrochen, sollten die Tabletten zwecks besserer Fluoridwirkung gelutscht werden. Um eine Fluoridüberdosierung zu vermeiden, sollten PTA und Apotheker Eltern darauf hinweisen, nur fluoridfreie Kinderzahncreme (wie nenedent® Kinderzahncreme ohne Fluorid, Weleda® Kinderzahngel) zu verwenden und auf fluoridiertes Speisesalz zu verzichten. Eine überhöhte Fluoridaufnahme über einen längeren Zeitraum hinweg führt zu weiß­lichen Flecken oder feinen Linien auf der Zahnoberfläche. Diese Form der Fluorose ist ein rein kosmetisches Problem ohne pathophysiologische Relevanz. Aus Schutz vor solchen Fluorid­über­dosierungen sollten PTA und Apotheker verschreibungsfreie, höher konzentrierte Fluoridgele (wie Elmex® Gelèe, Sensodyne® Proschmelz Fluorid Gelèe), aber auch Fluoridspülungen (Elmex® Kariesschutz Zahnspülung) nur auf ärztliche Empfehlung hin für Kinder abgeben. Mit dem dritten Geburts­tag endet in der Regel die Gabe von Fluoridtabletten. Von nun an wird fluoridhaltige Kinderzahnpasta (500 ppm) verwendet.

Putzen nach KAI-Plus

Etwa im Alter von drei Jahren können Kinder auch damit beginnen, sich selbst die Zähne zu putzen. Etabliert hat sich dabei die KAI-Plus Methode. KAI steht für Kauflächen, Außenseiten und Innenseiten der Zähne, die es nacheinander mit kreisenden Bewegungen zu putzen gilt. Der Zusatz Plus weist darauf hin, dass Eltern unbedingt nachputzen sollten. Erst wenn Kinder die Schreibschrift flüssig beherrschen, also mit etwa sieben bis acht Jahren, ist ihre Feinmotorik so weit ausgereift, dass sie ihre Zähne komplett selbstständig reinigen können und – zumindest in diesem Punkt – auf die Hilfe der Eltern verzichten können.

Damit das Putzen den Kleinen gut gelingt, sollte die Kinderzahnbürste stabil in der Hand liegen. Wichtig ist daher ein breiter und rutschfester Griff. Der Bürstenkopf ist idealerweise klein und hat weiche, abgerundete Borsten. In der Regel besitzen Kinderzahnbürsten ein farbiges Zahncremedosierfeld. So fällt es leichter, die richtige Menge Zahnpasta festzulegen. Kleinkinder neigen dazu, auf ihrer Zahnbürste herumzukauen. Ein regelmäßiger Bürstenwechsel – etwa alle zwei Monate – ist ratsam. Auch elektrische Zahnbürsten haben sich bewährt. Dennoch raten viele Zahnärzte anfangs zu einer klassischen Handzahnbürste, um auf diese Weise zunächst die richtige Putztechnik zu erlernen. /

Tag der Zahngesundheit

Zum Tag der Zahngesundheit am 25. September organisieren unter anderem Gesundheitsämter, Zahnärzte oder auch Apotheken in vielen Städten eigene Veranstaltungen. Ziel des Aktionstages ist es, über Prophy­laxe, Mundhygiene und -gesundheit aufzuklären. Die Organisatoren wollen zum Beispiel darauf aufmerksam machen, wie wichtig es ist, dass Mundhygiene schon von klein an Bestandteil des Alltags ist.

In diesem Jahr feiert der Tag der Zahngesundheit sein 25-jähriges Jubiläum. Er steht diesmal unter dem Motto »Gesund beginnt in Mund – 25 Jahre Tag der Zahn­gesundheit«. Interessierte finden auf der Homepage www.tag-der-zahngesundheit.de weitere Informationen. Hier können sich auch alle Ausrichter entsprechender Events mit Angaben zur Aktion in ein Verzeichnis eintragen und so auf ihr Angebot aufmerksam machen.