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Interview

Kompetenzen im Team nutzen

07.09.2015
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Von Verena Arzbach / PTA Martin Seipt arbeitet in einer Krankenhaus­apotheke. Der junge Dresdner engagiert sich daneben ehrenamtlich für verschiedene Berufsgruppen in der Apotheke: Er ist Mitglied im Berufsbildungs- und Prüfungs­ausschuss für PKA und war bis vor Kurzem auch Vorstandsmitglied des Berufsverbands PTA (BVpta). Mit PTA-Forum sprach er unter anderem darüber, welche Themen ihm bei seinem nebenberuflichen Engagement besonders am Herzen liegen.

PTA-Forum: Wie sieht Ihr Arbeitsalltag in der Krankenhausapotheke aus?

Seipt: Die Krankenhauspharmazie bietet Einblicke in alle Bereiche der Pharmazie, wie Innovation, Forschung und Lehre. Genau das macht die Arbeit für mich so spannend.

Im Bereich Arzneimittelherstellung, in dem ich tätig bin, stellen wir in Reinräumen unter GMP-Bedingungen nahezu alle klassischen Arzneiformen her. Die patientenindividuelle Arzneimitteltherapie und damit auch die Herstellung individueller Arzneiformen hat in den letzten Jahren einen immer höheren Stellenwert eingenommen. Zum Beispiel individuell dosierte Infusionslösungen für die Ernährung von Früh- und Neugeborenen und auch maßgeschneiderte Zytostatikatherapien werden in unserer Klinik-Apotheke hergestellt. Mehr als je zuvor brauchen die Patienten heute eine hoch qualifizierte pharmazeutische Betreuung. Im Klinikalltag bezieht sich diese Betreuung auch auf die Beratung von Ärzten, Pflegekräften und weiterem medizinischen Fachpersonal bei der Pharmakotherapie der Patienten.

Ein weiterer persönlicher Arbeitsschwerpunkt ist die Implementierung eines Qualitätsmanagementsystems, das stetig ausgebaut werden muss. Hier ergibt sich, auch für die öffentliche Apotheke, großes Potenzial, beispielsweise um Fehler zu vermeiden oder für eine effiziente und effektive Arbeitsgestaltung.

An all diese Dinge war vor einigen Jahren, als der Schwerpunkt unserer Tätigkeit noch bei der Herstellung von Defekturen und bei der pharmazeutischen Logistik lag, noch nicht zu denken. Erst recht nicht vor 47 Jahren, als das PTA-Berufsgesetz entstand, das seither nicht angepasst wurde. Das Berufsbild von PTA hat sich aber im Allgemeinen, und auch speziell in der Krankenhausapotheke, in den letzten Jahren stark verändert. Auch dies unterstreicht, wie wichtig eine Novellierung des Gesetzes ist. Nach fast 50 Jahren muss für den PTA-Beruf neben Kompetenzbeschreibungen endlich ein Ausbildungsziel formuliert werden.

PTA-Forum: Neben Ihrem Job in der Krankenhausapotheke engagieren Sie sich auch in der Berufspolitik und für die Ausbildung von PKA. Was ist Ihnen dabei wichtig?

Seipt: Ich denke, es ist wichtig, die Zukunft mitzugestalten, und das kann und sollte jeder tun. Besonders die Zusammenarbeit im Apotheken-Team liegt mir sehr am Herzen. Daher engagiere ich mich seit einigen Jahren für die Ausbildung von pharmazeutisch-kaufmännischen Angestellten. Ich bin Mitglied im Berufsbildungs- und Prüfungsausschuss für PKA der sächsischen Landesapothekerkammer. Die Arbeit in diesen wichtigen Gremien bietet einen Blick über den Tellerrand. Betriebswirtschaftliche Kenntnisse sind bei der Erstellung von Prüfungsaufgaben ebenso wichtig wie der Input aus der Apothekenpraxis.

Alle drei Berufe in der Apotheke haben spezielle Kompetenzen, die entsprechend eingesetzt und auch anerkannt werden müssen. Nur so können wir eine bestmögliche Arzneimittelversorgung gewährleisten.

PTA-Forum: Sie setzen sich auch für den Austausch von PTA in verschiedenen Betrieben ein. Welche Vorteile bringt die Kommunikation untereinander?

Seipt: Wie wichtig der Austausch ist, zeigt der Alltag. Der Kontakt zu anderen Apotheken in der eigenen Stadt oder sogar im Bundesgebiet ist immer förderlich, um neue Ideen zu bekommen. Die im Krankenhaus tätigen PTA haben in den letzten Jahren erfolgreich ein Netzwerk aufgebaut, das ihnen erlaubt, kurzfristig Fragestellungen auszutauschen und Probleme zu lösen. Der Arbeitskreis Krankenhaus des BVpta hat dazu eine digitale Möglichkeit geschaffen, die sehr gut angenommen wird. Informationen gibt es auf www.KH-PTA.de. Außerdem hilft gegenseitiges Hospitieren, Arbeitsabläufe in anderen Apotheken kennenzulernen, Anregungen zu erhalten und Meinungen dazu auszutauschen.

Ich kann mir auch gut vorstellen, dass in Zukunft interprofessionelle Fortbildungen einen immer höheren Stellenwert einnehmen werden. Gemeinsame Veranstaltungen mit dem medizinischen Fachpersonal fördern den Wissenstransfer und kommen letztendlich unseren gemeinsamen Patienten zugute.

PTA-Forum: Warum liegt es Ihnen so am Herzen, den PTA-Beruf weiterzuentwickeln?

Seipt: Der PTA-Beruf verbindet die Naturwissenschaften mit dem Gesundheitswesen und ist damit Teil des Gesundheitssystems, in dem jeder Patient anders ist – gerade dies ist so spannend. Diese Interdisziplinarität hat mich dazu bewogen, die Ausbildung zu beginnen. Seither habe ich viele Chancen konsequent genutzt, stoße aber immer wieder auf Punkte, an denen man nicht weiterkommt. So sehe ich es beispielsweise kritisch, dass es für PTA mit einer gewissen Berufserfahrung nicht möglich ist, Abschlussprüfungen von PTA-Schülern abzunehmen oder unterstützend an Apothekenrevisionen der Aufsichtsbehörden mitzuwirken.

PTA-Forum: Denken Sie, männliche PTA haben es allgemein schwerer im Berufsleben?

Seipt: Ich persönlich sehe keine Einschränkungen als männlicher PTA. Ein gutes Arbeitsklima lebt von einer Mischung aus Frauen und Männern unterschiedlichen Alters. Dies kombiniert mit ausreichend Motivation und Wertschätzung bringt sicher den größten Erfolg.

PTA-Forum: Warum ergreifen dann so wenige Männer den Beruf?

Seipt: Ein generelles Problem ist, dass der Beruf in der breiten Öffentlichkeit nahezu unbekannt ist. Unser Ziel muss es daher sein, die Leistungen der PTA in der Öffentlichkeit darzustellen. Wenn der Beruf ein positives Image hat, ergreifen diesen auch mehr Schulab­gänger.

Ich beobachte auch Nachteile gegenüber anderen Berufen im Gesundheitswesen. Dort unternimmt die Bundesregierung den Versuch, die Qualität der Ausbildung zu steigern, indem sie die Akademisierung vorantreibt und beispielsweise Bachelorstudiengänge als Modellvorhaben angeboten werden. Bei den PTA gibt es bislang keine Bestrebungen, die Ausbildung aufzuwerten. Ein guter Staat sollte die Qualität der Ausbildung fördern. Gerade beim PTA-Beruf, der ein bundesrechtlich geregelter Gesundheitsfachberuf ist, muss der Gesetzgeber in die Pflicht genommen werden. Alle anderen Bestrebungen sind nicht zielführend.

PTA-Forum: Welchen Rat haben Sie für PTA-Schüler und Berufsan­fänger?

Seipt: Beginnen Sie Ihr Berufsleben mit genügend Ehrgeiz und Motivation. Im pharmazeutischen Team, und da spreche ich von PTA, Apothekern, Ärzten und Pflegekräften, brauchen wir gegenseitige Sympathie, Anerkennung und Akzeptanz. Lassen Sie sich nicht entmutigen, wenn es einmal nicht so funktioniert, wie Sie es sich vorstellen. Entdecken Sie Tätigkeitsfelder außerhalb der öffentlichen Apotheke. Ich kann aus eigener Erfahrung sagen, dass es sich lohnt. /