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Atemmaske bei Schlafapnoe

Kein Effekt auf das Herzrisiko

12.09.2016  11:28 Uhr

Von Elke Wolf / Eine Maske kann die Atmung beim Schlafen verbessern und die Beschwerden einer obstruktiven Schlafapnoe deutlich lindern. Dass die Atemmaske allerdings auch kardio- vaskuläre Ereignisse reduziert, ist nach der Auswertung einer aktuellen Studie eher unwahrscheinlich.

Bei einer obstruktiven Schlafapnoe erschlafft die Rachenmuskulatur während des Schlafs. Die oberen Luftwege verschließen sich daraufhin. Diese kurz dauernden Atemstillstände und die daraus resultierende Hypoxie lassen über eine Aktivierung des sympathischen Nervensystems den Blutdruck und die Herzfrequenz ansteigen, verengen die Gefäße und begünstigen eine Endotheldysfunktion. Eine CPAP-Therapie (continuous positive airway pressure) führt kontinuierlich Atemluft mit einem leichten Überdruck zu, wodurch das Gewebe im Nasen- und Rachenraum stabilisiert und die Atemwege offen gehalten werden.

Studien belegen, dass eine Atemmaske bei Patienten mit nächtlichen schlafbezogenen Atemstörungen die Herzkammerleistung verbessern, die sympathische Nervenaktivität und den Blutdruck senken kann. Unklar war bislang, ob sich diese positiven Effekte auch konkret in einer Reduktion kardiovaskulärer Ereignisse niederschlagen.

Eine neue Analyse, die auf dem ­Europäischen Kardiologiekongress Ende August in Rom vorgestellt wurde, bringt diesbezüglich Ernüchterung. Bei Patienten mit einer Herz-Kreislauf-­Erkrankung und einer obstruktiven Schlafapnoe erzielte eine mehr als dreijährige nächtliche Behandlung mit ­einem CPAP-Apparat keinen Nutzen, was Herz-Kreislauf-Zwischenfälle betrifft. »Angesichts des hohen Risikos, das in früheren Studien der obstruktiven Schlafapnoe zugeschrieben wurde, hat es uns überrascht, dass eine CPAP-Behandlung keinen größeren Benefit zeigte«, wird der Schlafforscher Dr. Doug McEvoy aus Adelaide/Australien, Erstautor der Studie, in einer Pressemitteilung der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie zitiert.

In die Studie wurden 2717 Patienten einbezogen, die bereits eine kardio- oder cerebrovaskuläre Erkrankung hatten und bei denen eine mittelschwere bis schwere Schlafapnoe auszumachen war. Aufgeteilt auf zwei Gruppen erhielten sie entweder die übliche Standardtherapie (Risikomanagement für kardiovaskuläre Erkrankungen, Empfehlungen für einen gesunden Schlaf und für Lebensstiländerungen zur Minimierung der Schlafapnoe) oder ergänzend einen CPAP-Apparat.

Risiko bleibt

Die wichtigste Frage der Untersuchung war, ob die Maskentherapie in der Beobachtungsphase von 3,7 Jahren bei den Patienten das Risiko für etwa Herzinfarkte, Schlaganfälle, instabile Angina pectoris, Transitorische Ischämische Attacken oder Herzinsuffizienz zu senken vermag. Das war nicht der Fall. 17 Prozent der CPAP-Patienten und 15,4 Prozent in der nur herkömmlich behandelten Gruppe erlitten einen ernsten kardiovaskulären Zwischenfall.

Ganz ohne Effekt blieb die Maskentherapie allerdings nicht: Schnarchen, Tagesschläfrigkeit und Depressivität wurden verringert, die subjektive Stimmungslage, Produktivität und die Lebensqualität verbesserten sich. Mit der CPAP-Apparatur verringerte sich die Zahl der nächtlichen Atemaussetzer pro Stunde von 29 auf 3,7 Atempausen.

Warum sich dennoch durch die Maske das kardiovaskuläre Risiko nicht verbesserte, sei für ihn unklar, zitiert die Pressemitteilung McEvoy. Er bemängelte die CPAP-Therapietreue in der Studie. Sie war auch mit nur rund 3,3 Stunden pro Nacht, in denen die Maske tatsächlich getragen wurde, eher schlecht. Nicht auszuschließen sei, dass bei konsequenterem Tragen der Maske auch die Ergebnisse besser gewesen wären.

Derzeit sind endgültige Aussagen zur kardiovaskulären Wirksamkeit der CPAP-Therapie nicht möglich, heißt es in der Pressemitteilung. Asymptomatischen Patienten mit Herzproblemen und Schlafapnoe allein aus Gründen der Prävention eine CPAP-Therapie zukommen zu lassen, ist derzeit nicht indiziert. /