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Husten

Ursache bestimmt Therapie

12.09.2016  11:28 Uhr

Von Kornelija Franzen / Husten ist ein Symptom mit vielen ­Gesichtern: Er kann akut oder chronisch, trocken oder verschleimt, manchmal schmerzhaft oder gar blutig sein. Ebenso zahlreich sind mögliche Ursachen. Sie reichen von einer banalen Erkältung bis zu ernsthaften Lungenerkrankungen. Auch ein gastroöso­phagealer Reflux oder bestimmte Medikamente können Triebfeder lästiger Hustenattacken sein.

Husten zählt zu den lebenswichtigen Schutzreflexen des Körpers. Verschlucken wir uns beim Essen oder atmen beim Schwimmen versehentlich Flüssigkeit ein, wird binnen Sekunden ein kräftiger Hustenstoß ausgelöst, der den Fremdkörper nach außen schleudert und die Atemfunktion sicherstellt.

Hustenrezeptoren stehen am Anfang dieser Reaktionskette. Sie fungieren als Sensoren, die chemische (etwa Rauch, Gase, Entzündungsmediatoren) und mechanische (Fremdkörper oder größere Schleimmengen) Reize wahrnehmen und an das Hustenzentrum weiterleiten. In großer Dichte befinden sie sich im Bereich des Kehlkopfes, der Luftröhre und der großen Bronchien. Vereinzelt kommen sie auch in der Speiseröhre, dem Magen und dem Herzen vor.

Normalerweise reicht die Selbstreinigungskraft des Bronchialepithels, auch als mukoziliäre Clearance bezeichnet, aus, um die Atemwege sauber zu halten. Drüsenzellen sondern Schleim ab, der kleinste Partikel wie Staub, Pollen und Mikroorga­nismen einhüllt. Durch die Tätigkeit der Flimmerhärchen werden sie dann, einem Rollband ähnlich, in Richtung Rachen transportiert, geschluckt und zu guter Letzt im Magen zersetzt. ­Bei Versagen der mukoziliären Clearance tritt das körpereigene Notfallprogramm in Kraft: Der Husten setzt ein.

Ist eine Selbstmedikation sinnvoll oder sollte dem Patienten ein Arztbesuch angeraten werden? Ein wichtiges Kriterium, das PTA und Apotheker bei der Entscheidungsfindung hilft, ist die Symptomdauer. Husten, der weniger als drei Wochen anhält, wird als akut eingestuft und kann – wenn es sich um Erkältungshusten handelt – im Rahmen der Selbstmedikation behandelt werden. Cave: Berichtet der Patient von verfärbtem Auswurf oder Schmerzen beim Husten, klagt er über Atemnot oder ein schlechtes Allgemeinbefinden mit hohem Fieber, ist umgehend ein Arzt aufzusuchen. Dahinter könnte beispielsweise eine Bronchitis oder eine Lungenentzündung stecken.

Husten, der ohne nennenswerte Besserung über mehr als drei Wochen anhält, bezeichnen Mediziner als subakut, während ein Fortbestehen über acht Wochen hinaus als chronisch eingestuft wird. Sowohl subakuter als auch chronischer Husten muss zwingend ärztlich untersucht werden. Ernsthafte Erkrankungen wie eine chronisch-obstruktive Atemwegserkrankung (COPD), Asthma, Keuchhusten, Tuberkulose oder ein Bronchialkarzinom kommen als Ursache infrage.

Husten muss immer ärztlich abgeklärt werden, wenn

  • er schmerzhaft ist.
  • Blutbeimengungen zu sehen sind.
  • der Auswurf grün-gelblich verfärbt ist.
  • der Patient Atemnot verspürt.
  • hohes Fieber >39° C hinzukommt und/oder der Allgemeinzustand schlecht ist.
  • er wenige Tage nach einer Medikamenten-Neueinstellung auftritt.
  • er sich ohne offensichtliche Ursache (Erkältung) einstellt.
  • er über einen Zeitraum von mehr als drei Wochen anhält.

Viren-Attacke

In den Wintermonaten hat Husten Hochsaison. Grippale Infekte, ausgelöst durch eine Vielzahl unterschiedlicher Erkältungsviren, allen voran Rhinoviren, treten in dieser Jahreszeit gehäuft auf. Sind die pathogenen Mikroorganismen in die Zellen der Nasen- und Rachenschleimhaut eingedrungen, schlägt zunächst die unspezifische Immunabwehr Alarm – eine lokale Entzündungsreaktion ist die Folge. Typische Begleitsymptome dieser frühen Krankheitsphase sind Schluckbeschwerden, Halsschmerzen und trockener Reizhusten. Die Sekretproduktion gewinnt allerdings rasch an Fahrt. Das Ergebnis ist eine laufende Nase und ein zunehmend produktiver Husten. Mit auswurffördernden Arzneistoffen, Expektoranzien genannt, können Betroffene diesen natürlichen Heilungsprozess wirksam unterstützen.

Produktivität steigern

Expektoranzien fördern das Abhusten auf dreierlei Weise: Sie regen die Zilientätigkeit des Flimmerepithels an, kurbeln die Bildung dünnflüssigen Sekrets an und/oder unterstützen den Abbau zähflüssigen Schleims.

Die am häufigsten eingesetzten chemischen Expektoranzien sind N-Acetylcystein (wie ACC® akut, Fluimucil®) und Ambroxol (wie Mucosolvan®). Bromhexin sowie Guaifenesin spielen eine eher untergeordnete Rolle. Während ACC mukolytisch wirkt, indem es vermutlich Disulfidbrücken spaltet und so visköses Sekret verflüssigt, zeigt Ambroxol mehrfach expektorierendes Potenzial: Nicht nur die Zilientätigkeit, auch die Produktion dünnflüssigen Schleims wird angeregt. Daneben wirkt Ambroxol lokalanästhetisch, was seinen Einsatz in Form von Lutschtabletten bei Halsschmerzen plausibel macht.

Nicht zur Nacht

ACC und Ambroxol stehen in verschiedenen Darreichungsformen und Wirkstärken als OTC-Präparate zur Behandlung von produktivem Erkältungshusten bei Erwachsenen und Kindern ab zwei Jahren zur Verfügung. Die Anwendung erfolgt in der Regel zwei- bis dreimal täglich nach dem Essen. Um den Nachtschlaf nicht zu stören, sollte die letzte Arzneimittelgabe in den späten Nachmittagsstunden stattfinden. Cave: Husten bei Kindern unter zwei Jahren ist kein Fall für die Selbstmedikation.

Eine Reihe verschiedener Arzneipflanzen-Auszüge werden seit jeher zur Therapie festsitzenden Hustens eingesetzt. Ihre Wirksamkeit lässt sich heute durch zahlreiche Studien belegen. Von besonderer Bedeutung sind Extrakte aus Efeublättern, Thymiankraut und Primelwurzeln (wie Bronchipret® Saft und Filmtabletten, Prospan®), in Kombination oder als Monopräparat. Für die Indikation akute Bronchitis ist auch die südafrikanische Kapland-Pelargonie zugelassen (wie Umckaloabo®, Pelasya®). Das ätherische Öl der Efeublätter besitzt zudem bronchospasmolytisches Potenzial und hilft bei Krampfhusten.

Cineol und Myrtol

Ebenfalls bronchospasmolytisch, aber auch antiseptisch und vor allem auswurffördernd wirkt der Hauptbestandteil des Eukalyptusöls, 1,8-Cineol (wie Soledum®) Darüber hinaus hat sich ein standardisiertes pflanzliches Mischdestillat, bestehend aus Eukalyptus-, Myrten-, Süßorangen- und Zitronenöl (Myrtol in GeloMyrtol® forte), als gut wirksames Expektorans etabliert. Die magensaftresistenten Weichkapseln werden dreimal täglich vor dem Essen eingenommen. Bei Asthma, Entzündungen im Magen-Darm-Bereich und Leberfunktionsstörungen ist das Präparat kontraindiziert.

Zur äußeren Einreibung oder zur Inhalation eignen sich verschiedene Erkältungssalben auf Basis ätherischer Öle (wie Transpulmin®, Pinimenthol®). Für Kleinkinder sind entsprechend kampfer- und mentholfreie Präparate abzugeben (wie Transpulmin® Kinder, Babix®).

Reizstillend

Bevor der Erkältungshusten endgültig überstanden ist, durchläuft der Patient zumeist eine Phase trockenen Reizhustens. Die Schleimhäute sind durch die entstandenen Läsionen stark beansprucht und reizempfindlich. Wohl­tuend wirken deshalb sogenannte Mucilaginosa, also Zubereitungen, deren ­Inhaltsstoffe sich wie ein Pflaster auf die gereizten Epithelzellen legen und sensible Hustenrezeptoren beruhigen. Dazu gehören Pflanzenauszüge aus ­Eibischwurzeln, Malvenblättern und -blüten, Isländisch Moos sowie Spitzwegerichblättern.

Das Prinzip der Befeuchtung trockener Schleimhäute verfolgen auch Präparate mit hygroskopisch wirkenden Substanzen wie Hyaluronsäure, Xanthan und Carbomer (wie Isla med hydro+, GeloRevoice®).

Neben diesen peripher wirksamen Hustenstillern kommen in der Selbstmedikation des unproduktiven Reizhustens auch Antitussiva mit zentraler Wirkung zum Einsatz. Hierzu zählen Präparate mit den Arzneistoffen Dex­trometorphan (wie Silomat® DMP Pastillen, Kapseln, Wick® Husten-Sirup) und Pentoxyverin (wie Silomat® Saft, Tropfen, Sedotussin® Hustenstiller). Die Einnahme ohne ärztliche Anweisung ist auf einen Zeitraum von zwei bis längstens drei Wochen beschränkt. Tipp: Obwohl bei produktivem Husten kontraindiziert (Gefahr des Sekretstaus durch zentrale Hemmung des Hustenreflexes), kann die Einnahme zentral wirksamer Antitussiva zur Nacht durchaus sinnvoll sein, denn sie beschert dem Hustengeplagten einen erholsamen Schlaf. Die Einnahme des Sekretolytikums sollte dann morgens erfolgen.

Fernab der Lunge

Nicht immer ist die Ursache des quälenden Hustens in den Bronchien selbst zu suchen. Besteht etwa zusätzlich ein Räusperzwang, verbirgt sich hinter den Beschwerden unter Umständen eine chronisch entzündete und damit überaktive Nasen- oder Nasennebenhöhlenschleimhaut. Fortwährend läuft dabei überschüssiges Sekret den Rachen hinunter und verursacht Reizungen, die sich als Räuspern und Husten bemerkbar machen. Die Entzündung der Nasenschleimhaut – in Fachkreisen als sinubronchiales oder post-nasal-drip-Syndrom bezeichnet – geht häufig auf eine Allergie zurück, kann aber auch infektbedingt sein. Die Therapie erfolgt demnach mit antiinflammatorischen, antiallergischen und zuweilen antibiotischen Präparaten.

ACE-Hemmer und Reflux

Hustenattacken, die vor allem nachts und in Verbindung mit Sodbrennen auftreten, weisen auf eine gastroösophagale Refluxkrankheit hin. Dabei fließt Magensäure – begünstigt durch die liegende Position beim Schlafen – in die Speise- oder Luftröhre und löst Husten aus. In diesem Fall ist die Refluxkrankheit ursächlich zu behandeln.

Abschließend muss noch auf eine typische Arzneimittelnebenwirkung hingewiesen werden: Reizhusten durch die Einnahme von ACE (Angiotensin-Converting-Enzyme)-Hemmern. Dahinter steckt das Gewebshormon Bradykinin, welches normalerweise durch das Enzym abgebaut wird, sich nun allerdings anreichert und als Trigger fungiert. Typischerweise setzt der Husten wenige Wochen nach Therapiebeginn ein. /

Phytopharmaka mit expektorierender Wirkung

Droge Fertigpräparate
Efeublätter Prospan® Saft , Tropfen, Hustenliquid, BTA, LUT Sinuc® Saft , Tabletten, BTA
Eukalyptusöl Aspecton® Eukaps, Exeu®
Thymiankraut + Efeublätter + Primelwurzel Aspecton® Saft, Tropfen, Soledum® Hustensaft, Tropfen Tussamag® Hustensaft N Bronchipret® Saft, Tropfen Bronchicum® Elixir, Saft, Kapseln, Bronchipret® FTA
1,8-Cineol Soledum® Kapseln
Myrtol GeloMyrtol® forte (ab 12 Jahren!)
Pelargonium-sidoides-/­reniforme-Wurzeln Umckaloabo® Saft, Tropfen für Kinder, FTA

Phytopharmaka mit antitussiver Wirkung|

Droge Fertigpräparate
Eibischwurzel Phytohustil® Sirup, Pastillen
Isländisch Moos + Malvenblüten Aspecton® Hustenstiller, Isla® Pastillen Neo angin® junior Halsschmerzsaft
Spitzwegerichblätter Broncho-Sern® Sirup

Die Übersicht erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit.