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Zahnpflege bei Kindern

Gesund geputzt

08.09.2017
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Von Sandra Westermair / Bereits in den ersten Lebensjahren sollten Eltern auf die gründliche Zahnpflege ihrer Kinder achten. Neben zuckerarmer Ernährung zählen vor allem die alters­gerechte Versorgung mit Fluorid und die richtige Putztechnik zu den wichtigsten Präventionsmaßnahmen von Karies.

Das sogenannte Nursing Bottle Syndrom (zu Deutsch: Nuckelflaschenkaries) bezeichnet eine frühkindliche, schmerzhafte und folgenschwere Form der Milchzahnkaries. Sie entsteht bei Kleinkindern durch stetiges Ansaugen zuckerhaltiger Getränke aus Babytrinkflaschen und betraf laut Gesundheitsberichterstattung des Bundes (GBE) im Jahr 2015 7 bis 20 Prozent aller ein- bis sechsjährigen Kinder in Deutschland.

Starker und wiederholter Zuckerkonsum führt dazu, dass im Mundraum ansässige Bakterien Glucose zu Milchsäure vergären. Säuren entkalken die Zahnhartsubstanz (Zahnschmelz, Zahnbein und Wurzelzement), wodurch sie porös wird. Dann können sich Bakterien in den entstandenen Läsionen vermehren und Schäden bis hin zum Zahnverlust hervorrufen.

Eltern sollten daher von Beginn an auf eine zahngesunde Ernährung ihres Kindes achten. Stark säure- und zuckerhaltige Speisen sowie Getränke wie Limonaden und Fruchtsäfte sollten nicht ständig über den Tag verteilt, sondern bewusst zu einem bestimmten Zeitpunkt verzehrt werden. Auf diese Weise wird dem Speichel genug Zeit eingeräumt, die Säuren zu verdünnen und zu neutralisieren.

Abweichende Empfehlung

Die Deutsche Zahnärztekammer rät dazu, bereits Säuglingen mit einer Babyzahnbürste sanft das Zahnfleisch zu massieren, um sie an den Putzvorgang zu gewöhnen. Sobald der erste Milchzahn durchgebrochen ist – etwa zwischen dem sechsten und achten Lebensmonat –, sollte einmal täglich ein dünner Film Kinderzahncreme mit einem Fluoridgehalt von 500 ppm aufgetragen werden. Fluorid fördert die Einlagerung von Calciumphosphat in den Zahnschmelz, verfestigt die Zahnsubstanz und hält Entkalkungsvorgänge auf. Laut den Zahnärzten wirkt das Mineral direkt am Zahn besser, als wenn es über Tabletten aufgenommen wird. Um zu verhindern, dass das Kind Zahnpasta verschluckt, sollte diese weder besonders bunt noch stark aromatisiert sein. Ab dem zweiten Geburtstag empfehlen zahnärztliche Fachgesellschaften, die Milchzähne morgens und vor dem Schlafengehen mit einer erbsengroßen Menge Kinderzahnpasta zu reinigen.

Kinderärzte vertreten einen anderen Standpunkt. Die Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin (DGKJ) rät dazu, frühestens ab dem vierten Geburtstag fluoridhaltige Zahncreme zu verwenden, etwa weil die Anwendung das Risiko birgt, Zusatzstoffe zu verschlucken. Kinderzahnpasta habe außerdem in Studien keine ausreichende Wirksamkeit gezeigt.

Gesund beginnt im Mund

Am Tag der Zahngesundheit am 25. September steht in diesem Jahr die richtige­ Pflege von Kinderzähnen im Mittelpunkt. Denn die Milchzähne sind wichtig für die Kiefer-und Sprachentwicklung. Fehlende oder zerstörte Milchzähne können die richtige Zuordnung der bleibenden Zähne im Gebiss erschweren und die weitere Entwicklung des Kindes stören.

Bei zahlreichen Veranstaltungen soll bundesweit darüber aufgeklärt werden, wie Kinderzähne von Anfang an gesund bleiben. Weitere Informationen unter www.tagderzahngesundheit.de.

Stattdessen soll über Fluoridtabletten für die Zahngesundheit der Kinder gesorgt werden. Sie empfehlen zur Kariesprophylaxe, während der ersten 12 bis 18 Lebensmonate Fluorid und Vitamin D über Tabletten zuzuführen und auf Fluorid in der Zahnpasta zu verzichten. Sobald die Milchzähne erschienen sind, können Fluoridtabletten gelutscht werden, um ihre lokale Wirkung zu fördern. Die von der DGKJ empfohlene Dosis beträgt 0,25 mg Fluorid pro Tag für unter Zweijährige. Dann steigt sie alle zwei Jahre um 0,25 mg an, bis sie im Schulkind­alter 1 mg Fluorid täglich erreicht.

Eltern sollten keinesfalls Fluorid-haltige Tabletten und eine Zahncreme mit Fluorid einsetzen, sondern sich für Zahnpasta oder Tabletten entscheiden. Ansonsten besteht die Gefahr einer Fluorid-Überdosierung, einer Fluorose. Ab einer täglichen Aufnahme von 100 µg/kg Körpergewicht können weiße Flecken auf den Zähnen erscheinen. Diese stellen allerdings ein rein kosmetisches und kein gesundheitliches Problem dar.

Zahncreme und Fluoridgel

Meist bricht im Alter von etwa sechs Jahren der erste bleibende, große Backen­zahn durch. Ab diesem Zeitpunkt gelten wieder einheitliche Empfehlungen der Fachgesellschaften: Nun sollte zweimal täglich Erwachsenenzahnpasta mit einem Fluoridgehalt von 1000 bis 1500 ppm angewandt werden. Zusätzlich werden Karies-gefährdete Zähne leitliniengerecht einmal wöchentlich mit einem Fluoridgel (1,25 Prozent Fluorid) behandelt und/oder täglich mit niedrig dosierten Spül- und Gurgellösungen (0,05 Prozent Natriumfluorid) gereinigt. Letzteres empfiehlt sich vor allem bei Kindern und Jugendlichen, welche eine feste Zahnspange tragen.

Die Zähne richtig zu putzen, beginnt schon bei der Wahl der Bürste. Eltern sollten beim Kauf darauf achten, dass sie für das jeweilige Alter als geeignet ausgewiesen ist und einen kleinen Kopf, weiche Borsten sowie einen angepassten Griff besitzt. Sobald die Borsten seitlich abstehen, aber spätestens alle drei Monate, sollte die Bürste ausgetauscht werden. Wichtig für die Eltern ist zudem, den Putzvorgang mit dem Kind gemeinsam einzuüben und bis zum Alter von etwa acht Jahren zu beaufsichtigen. Am Anfang müssen die Erwachsenen meist auch noch einmal nachputzen.

Zahnärzte empfehlen zum Putzen die Kauflächen-Außenflächen-Innenflächen-Methode, kurz KAI-Technik. Kleine Kinder ab zwei Jahren beginnen zunächst mit den Kauflächen. Diese werden mit einfachen, horizontalen Hin- und Her-Bewegungen geputzt. Anschließend werden die Zähne leicht zusammengebissen und die Außenflächen erst vorne, dann an den Seiten in kreisenden Bewegungen gereinigt. Zuletzt sollten alle Innenflächen von »Rot« nach »Weiß«, also weg vom Zahnfleisch, ausgestrichen werden. Bei den vorderen Schneidezähnen ist die Zahnbürste dabei senkrecht statt waagrecht zu halten, da die Innenseiten sonst schwer zugänglich sind.

Vorsorge beim Zahnarzt

Der regelmäßige Besuch beim Zahnarzt ist wichtig, um die Zähne gesundzuhalten. Bereits vor der Geburt sollten werdende Mütter auf die Mundhygiene achten und Vorsorgeuntersuchungen wahr­neh­men­. Parodontitis- und Karies-auslösende Bakterien können sonst auf den Säugling übertragen werden.

Zahnärzte empfehlen Eltern, nach Durchbruch des ersten Zahns mit dem Kind einen Zahnarzt aufzusuchen. Durch halbjährliche Untersuchungen werden kariöse Veränderungen frühzeitig behandelt, sodass das für Sprachentwicklung und Kauvorgang wichtige Milchzahngebiss erhalten werden kann. /

Karies vorbeugen

Die Milchzähne sind wichtige Platzhalter für die späteren bleibenden Zähne. Sie müssen sorgsam gepflegt werden. Folgende Hinweise sollten Eltern beachten:

  • Das Kind sollte die Flasche oder Schnabeltasse nicht zum Dauernuckeln bekommen.
  • Es sollte über den Tag nur unge­süßten Tee oder Wasser bekommen.
  • Saugerflaschen oder Schnabel­tassen sollten nicht zum ­Einschlafen oder zur Beruhigung gegeben werden.
  • Ab dem Alter von zwei Jahren sollen die Milchzähne laut Zahnärzte­kammer morgens und abends mit fluoridhaltiger ­Kinderzahnpasta für je zwei ­Minuten geputzt werden. ­Alternative: Fluorid­tabletten.
  • Eltern sollten das Putzen bis zum ­Alter von acht Jahren ­beauf­sichtigen und nachputzen.
  • Nach dem Zähneputzen sollte das Kind weder Milch noch Tee oder Fruchtsaft trinken.