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Stimme

Heiserkeit ernst nehmen

08.09.2017  11:54 Uhr

Von Daniela Hüttemann, Hamburg / Heiserkeit tritt oft als Symptom eines Infekts der oberen Atemwege auf. Ursache ist aber auch häufig eine zu starke oder falsche Belastung der Stimm­bänder. Nur in seltenen Fällen steckt eine ernste Erkrankung hinter einer rauen Stimme. Trotzdem sollte man Heiserkeit ernst nehmen und behandeln.

Die Erkältungssaison beginnt und schlägt so manchem auf die Stimme. Wer sie jetzt nicht schont, kann sich eine ungünstige Sprechweise angewöhnen, die der Stimme dauerhaft schaden kann. Davor warnte Beatrice Rathey-Pötzke, leitende Lehrlogopädin und Schulleiterin der IBAF-Schule für Logopädie in Kiel, bei einer Pressekonferenz von Pohl-Boskamp in Hamburg. »Am besten sollte man einige Tage nicht sprechen«, empfahl sie. »Wenn das nicht geht, sollte man die 1:1-Situation suchen und leise sprechen, aber nicht flüstern.« Denn beim Flüstern verengt sich die Stimmritze zu sehr, die Reizung wird verstärkt. Räuspern hilft zwar kurzfristig, schadet aber langfristig.

Besonders Vielsprecher leiden häufig unter Heiserkeit, nicht nur bei Atemwegsinfekten. Erzieher und Lehrer sprechen täglich gegen eine laute Umgebung an, Callcenter-Mitarbeiter müssen den ganzen Tag reden. Für Sänger und Schauspieler ist die Stimme ihre Existenzgrundlage, sodass diese Berufe meist mehr auf eine gute Pflege achten und entlastende Stimm- und Entspannungstechniken kennen. Das empfiehlt Rathey-Pötzke auch Personen, die häufiger Probleme mit ihrer Stimme haben. Mit Training, Technik und einigen Tricks lässt sich die Belastung senken. »Die Stimme wird über ein hochsensibles Ventilsystem erzeugt, das anfällig ist für Fremdkörper und Krankheitserreger, aber auch Stress und Druck«, so die Logopädin. Oft helfen schon eine aufrechte und entspannte Haltung, Stimm- und Lockerungsübungen, generell mehr Bewegung – und die Grundsätze einer gesunden Lebensführung.

Rauchen und Alkohol sollten bei Heiserkeit tabu sein. Bei Nahrungsmitteln gibt es keine besonderen Einschränkungen. »Doch viele Patienten, die mit Stimmproblemen kommen, trinken zu wenig«, berichtete Hals-Nasen-Ohrenarzt Dr. Robin Banerjee, der neben seiner Praxistätigkeit die Sänger der International Opera Academy in Unna betreut. »Sängern und Musikern empfehle ich bei Heiserkeit, keine Musik zu hören, da die meisten unbewusst mitsummen.«

Vorbeugend befeuchten

Beliebt bei Amateuren und Profis sei die Befeuchtung des Mund- und Rachenraums mit Lutschtabletten, Bonbons und Sprays. Das sei auch prophylaktisch möglich, wenn ein Auftritt bevorsteht, sagte Maximilian Traut, Apotheker aus Fulda und selbst Sänger. Produkte, die einen Schutzfilm auf den Schleimhäuten bilden, führten zu einem Glättegefühl, was entspannt und damit auch der Stimme gut tut, ergänzte die Logopädin Rathey-Pötzke.

Zum Beispiel habe GeloRevoice® von Veranstalter Pohl-Boskamp den Vorteil, einen länger anhaltenden Schutzfilm zu bilden als andere Präparate wie Salztabletten, Salbeibonbons oder Isländisch Moos, so Apotheker Traut. Einer Anwendungsbeobachtung zufolge halte die Wirkung bei knapp 60 Prozent der Teilnehmer eine Stunde oder länger an, hieß es bei der Pressekonferenz. Gewöhnungsbedürftig sei das anfängliche Schäumen im Mund, auf das man Patienten bei der Beratung in der Apotheke hinweisen sollte.

Bessert sich die Heiserkeit nicht, sollte der Patient spätestens nach drei bis vier Wochen den Kehlkopf untersuchen lassen, riet HNO-Arzt Banerjee. Auch Stimmknoten, Infekte mit humanen Papillomaviren (HPV) oder bösartige Tumoren führen mitunter zu Heiserkeit. Je früher solche Gewebewucherungen entdeckt und behandelt werden, desto besser stehen die Chancen, dass die Stimmbänder keinen Schaden nehmen oder es zu Stimmverlust oder Atem- und Schluckproblemen kommt. Meist kann der Arzt Entwarnung geben: Eine ernste Erkrankung stecke schätzungsweise nur bei 5 Prozent der Patienten, die wegen Heiserkeit in seine Praxis kommen, dahinter. /