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Cellulite

Rundum-Programm für das Bindegewebe

08.09.2017
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Von Elke Wolf / Die schlechte Nachricht: Sind die unliebsamen Dellen an Po und Oberschenkeln erst einmal da, wird man sie nicht mehr los. Die gute Nachricht: Mit einem straffen Maß­nahmen-Programm, das die gesamte Lebens­­führung betrifft, lässt sich das Bindegewebe aber stärken und die Cellulite damit in ihrer Ausprägung mildern. Kosmetische Maßnahmen allein sind nur bedingt effektiv, sie lassen aber zumindest die Haut praller ­erscheinen.

Geschätzte 80 Prozent der Frauen haben Cellulite an Po, Bauch und Oberschenkeln. Dass die Betroffenen meist weiblich sind, hat zum einen hormonelle Gründe: Estrogene lassen vermehrt Fettzellen, sogenannte Adipozyten, in der Unterhaut entstehen. Die Fettpolster sollen der Frau als Energiereserve für Schwangerschaft und Stillzeit dienen. Wenn sich die Adipozytentrauben aufblähen, schieben sie sich durch Binde­gewebsfasern, Septen genannt, hindurch nach außen und erzeugen die kleinen Dellen, auch Orangenhaut oder Hagelschaden genannt.

Die Neigung zu einer Bindegewebsschwäche wird in die Wiege gelegt und betrifft daher auch schlanke Frauen. Dennoch begünstigen vor allem Übergewicht und Bewegungsmangel, aber auch orale Kontrazeptiva, Nikotin- und Alkoholkonsum das Geschehen in der Unterhaut. Rauchen ist besonders schädlich, da Nikotin die Durchblutung und damit den Stoffwechsel der Haut unmittelbar stört.

Bindegewebe schwächelt

Dass Männer fast immer von Cellulite verschont bleiben, liegt auch daran, dass ihr Bindegewebe anders aufgebaut ist: Bei Männern sind die Septen fester, die Fasern darin verlaufen parallel zur oberen Haut, sodass sich alles in allem eine netzartige Struktur ergibt. Das verleiht größere Stabilität. Das weibliche Bindegewebe ist dagegen auf Dehnung für eine eventuelle Schwangerschaft eingestellt. Bei Frauen sind die eher dünnen Bindegewebssepten senkrecht zur Hautoberfläche angeordnet. Die Adipozyten können deshalb leicht aus den Bindegewebssträngen herausquellen, was sich durch die Haut hubbelartig nach außen abzeichnet. Sind die Fettzellen zudem vergrößert, können sie die kleinsten Blutgefäße in der Unterhaut abdrücken, sodass im Unterhautgewebe Durchblutung, Stoffwechsel und Lymph­fluss behindert sind.

 

Die lockere Struktur der elastischen Fasern des Bindegewebes ist also der Grund der Cellulite. Mit zunehmendem Alter nimmt der Anteil an stützenden Fasern im Gewebe ab. Das betrifft gleichermaßen das feste Kollagen wie auch das flexible Elastin. Das Gleich­gewicht zwischen Auf- und Abbau der Fasern wird zugunsten des Abbaus verschoben, wodurch Stabilität und Geschmeidigkeit des Gewebes nachlassen. Neben der Cellulite gibt es noch andere sichtbare Zeichen einer Bindegewebsschwäche: So gehört die Erschlaffung der Haut mit Faltenbildung im Gesicht, an Hals, Dekolleté und Oberarmen genauso dazu wie Gefäßerweiterungen mit Besenreisern und Dehnungsstreifen am Bauch. Die nachlassende Stützfunktion führt auch dazu, dass sich Organe senken oder verlagern (wie Gebärmuttersenkung, Leistenbruch).

Hilfe von außen

Mit den Problemzonen der Frau kann man gute Geschäfte machen. Zahlreiche Präparate stehen im Apothekenregal, die der Cellulite den Kampf ansagen. Ihre Angriffspunkte sind der Fettstoffwechsel, die Kollagensynthese und der Blutfluss im geschwächten Bindegewebe. Erfolg ist jedoch selbst bei konsequenter Anwendung über Monate hinweg nicht garantiert. Es ist eher das komplette Paket an Rundum-Maßnahmen, das eine Cellulite in ihrem­ Erscheinungsgrad zu vermindern mag (siehe Kasten).

 

Von den zahlreichen Wirkstoffen, die in Cellulite-Produkten zum Einsatz kommen, sind nur die wenigsten auf ihre Wirksamkeit geprüft. Die meisten Präparate enthalten Methylxanthine, in erster Linie Koffein. Ist es in mindestens 2- bis 3-prozentiger Konzentration enthalten, führt es im subkutanen Fettgewebe zur lokalen Lipolyse. Das verkleinert Fettzellen, große Fett­zellanhäufungen werden aufgebrochen. Daneben verfügt Koffein über eine durchblutungsfördernde Komponente. Häufig wird es mit L-Carnithin kombiniert, da dieses als Schlepper von Koffein durch die Haut dient.

Neben der Steigerung der Lipolyse ist die Hemmung der Lipogenese, also des Fettaufbaus, eine weitere Strategie, gegen die Orangenhaut vorzugehen. Wirkstoffe versuchen, ein weiteres Anwachsen der Adipozyten zu verhindern, indem sie in der Unterhaut der Problemzonen Glucose abfangen. Ein Überangebot an Glucose würde anderenfalls zu Reservefett umgewandelt und abgelagert. Als Glucosefänger tätig­ werden das synthetisch her­gestellte Diglucosyn und die Pflanzen­inhaltsstoffe Phloridzin und Rutin, aus Extrakten junger Apfelbaumrinden das eine, aus rotem Weinlaub das andere. Ebenfalls das Ungleichgewicht von Lipo­lyse und Lipogenese ausgleichen sollen die Pflanzenextrakte von Birke, Ginkgo biloba und Rosskastanie. Wobei alle drei da­rüber hinaus die Mikrozirkulation verbessern, da sie venöse und lymphatische Kapillaren abdichten.

 

Die Fähigkeit, die Kollagensynthese in den Fibroblasten des Bindegewebes anzukurbeln, schreibt man dem Vitamin­-A-Abkömmling Retinol zu. Bei regelmäßiger Anwendung zweimal täglich sollen die schwach ausgeprägten Bindegewebssepten gestärkt werden, sodass sich die subkutane Fettschicht nur erschwert in die Dermis vorwölben kann. Die oberste Hautschicht wird widerstandsfähiger. Da­rüber hinaus fördert Retinol die Synthe­se von stark wasserbindenden Glyko­samino­gly­kanen, was die Lederhaut straffer erscheinen lässt.

Angriff von innen

Auch ein »Kollagen zum Trinken« (in Form von kurzkettigen Kollagen-Pep­tiden) ist auf dem Markt. Daneben sind Extrakte des indischen Wassernabels, die oral eingenommen werden, in vitro in der Lage, Fibroblasten zu aktivieren und damit die Kollagensynthese hochzufahren. Das verschlankt nachweislich den Adipozyten-Durchmesser.

 

Unterstützend kann auch die langfristige kurmäßige Einnahme der Schüßler Salze Nr. 1, Calcium fluoratum, und Nr. 11, Silicea, wirken. Der Effekt lässt sich mit der äußeren Anwendung von Nr. 1 und Nr. 11 als Lotionen unterstützen. Von besonderer Bedeutung ist dabei die Kieselsäure, da sie zum Aufbau von festen und dennoch elastischen Bindegewebsfasern benötigt wird. Kieselsäure hilft der Haut, Spannkraft zu bewahren.

 

Generell ist für einen positiven Effekt­ die Galenik des Präparates nicht unerheblich. So sind etwa Liposomen- oder Nanokapselzubereitungen sinnvoll, weil sie das Eindringen der Wirkstoffe in tiefere Hautschichten ermöglichen. Die enthaltene Wirksubstanz sollte in möglichst hoher Konzentra­tion vorliegen, also möglichst weit vorne­ in der Inhaltsstoff-Liste stehen. Der Effekt eines jeden Präparates lässt sich in Kombination mit Anwendungen wie Ultraschall im Kosmetikstudio intensivieren. /

Pelle ohne Delle

Eine ausgewogene Ernährung und ein gesunder Lebensstil tragen dazu bei, dass das Bindegewebe lange straff und elastisch bleibt. Sämtliche Maßnahmen erfordern Konsequenz und müssen über einen langen Zeitraum durchgehalten werden.

 

  • Ausgewogene fettarme Ernährung: Für ein gesundes Bindegewebe sollte die Ernährung reich an basischen Substanzen (viel frisches Obst und Gemüse) und Ballaststoffen sein. Fettlastiges Essen kann dagegen die Fettzellen anwachsen lassen. Stark zucker- oder salzhaltige Ernährung wiederum führt zu Wasserablagerungen im Gewebe.
  • Gezieltes Muskeltraining: Sport und jede Form von Bewegung tun auch dem Bindegewebe gut. Die Aktivierung des Stoffwechsels fördert die Fettverbrennung und sorgt für straffes Muskelgewebe. Das Bindegewebe wird entlastet. Am besten ist eine Kombination von Ausdauersport wie Walking oder Schwimmen mit gezieltem muskelkräftigendem Training der betroffenen Körperpartien.
  • Abreibung im Badezimmer: Wechselduschen, Schenkelgüsse nach Kneipp oder Trockenbürsten-Massagen fördern die Zirkulation und den Lymphabfluss und kräftigen das Bindegewebe.
  • Packung von außen: Ein konsequentes Pflegeprogramm mit konzentrierten Wirkstoffen wie Kof­fein, Retinol oder verschiedene Pflanzenextrakte vermag den Fettstoffwechsel und den Blutfluss im geschwächten Bindegewebe anzuregen. Die Oberhaut erscheint straffer und praller.