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Polyneuropathie

Wenn Nerven nerven

α-Liponsäure, auch Thioctsäure genannt (zum Beispiel in Alpan®, Alpha-Lipogamma®, Thiogamma®, Unilipon®), wirkt antioxidativ. Sie soll direkt in die pathophysiologischen Mechanismen der Polyneuropathie eingreifen. Da die Säure Komplexe mit Metallionen bildet, sollten die Patienten die Tabletten oder Kapseln 30 Minuten vor dem Frühstück auf nüchternen Magen ein­nehmen. Eisen-, Calcium oder Mag­nesiumpräparate sollten sie erst zum Mittagessen einnehmen und auf Milch­produkte zum Frühstück möglichst verzich­ten. Da insbesondere zu Therapiebeginn die blutzuckersenkende Wirk­ung von Insulin oder oralen Antidia­betika durch α-Liponsäure verstärkt werden kann, sollten PTA und Apotheker Kunden zu einer engmaschigen Blutzuckerkontrolle auffordern.

Wirkung umstritten

Experten betrachten die Wirksamkeit von α-Liponsäure bei Neuropathien kritisch. Zwar gibt es einzelne Studien, die durchaus Effekte belegen. So hat etwa eine Metaanalyse gezeigt, dass eine tägliche Infusion von 600 mg Thioctsäure über drei Wochen Schmerzen und Wahrnehmungsstörungen lindern­ kann. Auch Patienten, die über fünf Wochen α-Liponsäure in Tablettenform in Dosen von 600 bis 1800 mg eingenommen hatten, gaben an, weniger Beschwerden zu haben­. Trotzdem wird der Nutzen einer Therapie mit α-Liponsäure als gering ange­sehen. Laut der Leitlinie ist eine vorübergehende intravenöse Gabe und möglicherweise auch orale Einnahme von α-Liponsäure aufgrund des geringen Nebenwirkungsprofils in ausgewählten Fällen möglich.

Therapie mit B-Vitaminen

Vitamin B1, beziehungsweise das lipidlösliche Derivat Benfotiamin (wie in Milgamma® mono, protekt), kann bei Polyneuropathie, die durch einen Vitamin-B-Mangel ausgelöst wurde, helfen­. Patien­ten sollten entsprechende Präparate einmal täglich über einen Zeitraum von drei Wochen einnehmen und danach, je nach Erfolg, über eine Weiterbehandlung entscheiden. Besonders bei Alkoholikern, bei denen in der Regel ein solcher B-Vitamin­-Mangel vorliegt, ist eine Supple­mentierung der Vitamine B1 und B6 (Pyridoxin), zum Beispiel als Kombina­tion in Milgamma® 300 oder Neurobion® N forte, ratsam. Bei einem nachgewiesen Mangel sollten die Patien­ten in der Selbstmedikation einmal täglich eine Tablette einnehmen. Nach vierwöchiger Einnahme entscheidet der Arzt, ob die Behandlung fortgesetzt werden soll, da Vitamin B6 bei einer Einnahme über mehr als sechs Monaten selbst Polyneuropathien hervorrufen kann. Des Weiteren sollten PTA und Apotheker Patienten mit Parkinson da­rauf hinweisen, dass die Wirkung von L-Dopa durch die Einnahme von Vitamin B6 vermindert sein kann.

Keltican®forte, eine bilanzierte Diät aus Uridinmonophosphat, Vitamin B12 und Folsäure, wird ebenfalls bei Schmerzen, Taubheitsgefühlen oder Missem­pfindungen durch Nerven­schäden eingesetzt. Die Nährstoff-Kombination soll die Reparatur geschädigter Nerven unterstützen. Patienten nehmen eine Kapsel täglich mit etwas Flüssigkeit über einen längeren Zeitraum ein.

Gute Fußhygiene

Ein sehr wichtiger Hinweis: Patienten mit einem diabetischem Fußsyndrom sollten unbedingt auf eine umfassende Fußhygiene achten. Neben bequemem Schuhwerk und der täglichen Kontrolle der Füße auf Druckstellen und kleine Verletzungen ist auch ein regelmäßiger Besuch bei einem Podologen ratsam. Durch die nachlassende Empfindlichkeit könnten ansonsten Druckstellen und Entzünd­ungen zu spät bemerkt werden. Physio­- und Ergotherapie sind ebenfalls möglich. Die Durchblutung wird ge­fördert, Muskeln werden aktiviert und gestärkt. Dadurch kann die Mobilität der Patienten verbessert werden. /

Aus der Forschung

Ein Forscherteam des Universitätsklinikums Düsseldorf untersucht die Wirkung der Heilpflanze Mutterkraut (Tanacetum parthenium) bei Polyneuropathie. Im Zellkulturexperiment konnten sie zeigen, dass die enthaltene Substanz Parthenolide das Nachwachsen von Axonen beschleunigt. Im Versuch mit Mäusen mit geschädigtem Ischiasnerv beobachteten die Forscher, dass mit Parthenolide behandelte Mäuse schneller regenerierten als unbehandelte. Weitere Untersuchungen müssen zeigen, ob der Wirkstoff dazu geeignet ist, auch Nervenschäden beim Menschen zu behandeln.