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Arzneipflanzenporträt

Melisse

11.09.2018
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Melissa officinalis
Familie der Lippenblütengewächse (Lamiaceae)

Weitere Namen: Zitronenmelisse,
Zitronenkraut, Immenblatt, Honigblum

Merkmale

  • bis zu 80 cm hohe Staude
  • verästelter, vierkantiger Stängel
  • gestielte, breit eiförmige Blätter, gegenständig stehend
  • kerbig-gesägter Blattrand, stark hervortretende Nervatur auf der Unterseite
  • blass-weiße Blüten mit zweilippigem Kelch, große Unterlippe
  • Blütezeit Juni bis August, Blüte im zweiten Jahr
  • Früchte mit vier kastanienbraunen Teilfrüchten von 2 mm Länge

Heimat

  • Kleinasien bis nach Südwestsibirien
  • Droge stammt aus Kulturen in Mittel-, West- und Osteuropa

Arzneilich verwendete Pflanzenteile

  • getrocknete Blätter (Melissae folium)

Inhaltsstoffe

  • ätherisches Öl, enthält vor allem Citral und Citronellal
  • Flavonoide
  • Lamiaceen-Gerbstoffe (vor allem Rosmarinsäure)

Medizinische Anwendung

  • äußerlich bei Lippenbläschen durch Herpes- simplex-Infektionen (Zulassung, klinische Daten)
  • innerlich bei funktionellen Magen-Darm- Beschwerden und bei nervös bedingten Einschlafbeschwerden (Kommission E)
  • innerlich bei Angespanntheit, Unruhe und Reiz­barkeit sowie zur symptomatischen Behandlung von Verdauungsbeschwerden wie leichte Bauchkrämpfe (ESCOP)

Empfohlene Dosierung

  • mehrmals täglich eine Tasse frisch bereiteten Melissentee warm trinken
  • Fertigarzneimittel: siehe Packungsbeilage

Nebenwirkungen

Keine bekannt

Wechselwirkungen

Keine bekannt

Kontraindikation

Bekannte Allergie gegen Lippenblütengewächse

Zubereitung

1,5 bis 4,5 g fein geschnittene Melissenblätter mit 150 ml heißem, nicht kochendem Wasser übergießen, 5 bis 15 Minuten ziehen lassen und abseihen.

Abgabehinweise

Zur Anwendung des Tees während der Schwanger­schaft und Stillzeit sowie bei Kindern unter 12 Jahren liegen keine Untersuchungen zur Unbedenklichkeit vor.

Präparate

Beispiele Monopräparate:

  • äußerlich bei Lippenbläschen: Lomaherpan®
  • innerlich bei Magen-Darm-Beschwerden: Gastrovegetalin®, Schoenenberger® Melisse Heilpflanzensaft, Sidroga® Melissenblätter Tee

Beispiele Kombinationspräparate:

bei Magen-Darm-Beschwerden: Iberogast®

bei Unruhe und Einschlafstörungen: Euvegal® 320/160 mg Tabletten, Klosterfrau Melissengeist, H&S Schlaf- und Nerventee Nr. 11, Kneipp Nerven- & Schlaftee, Sedacur® forte, Vivinox® Day Beruhigungsdragees

Tüchtige Nonne

Das bekannteste Arzneimittel mit Melisse ist seit rund 200 Jahren Klosterfrau Melissengeist. Die Rezeptur stammt von der Belgierin Maria Clementine Martin, die als 17-Jährige in ein Kloster im westfälischen Coesfeld eintrat und sich dort von Beginn an für Heilkunde interessierte. Sie lernte Karmelitergeist aus Frankreich kennen, einen alkoholhaltigen Extrakt aus Melisse, Angelika­wurzel, Muskatnuss, Koriander und anderen Pflanzen. Daran anlehnend entwickelte Martin ihre eigene Rezeptur mit 13 Heilpflanzen.

Für ihren Einsatz als Krankenschwester in der Pflege verletzter Soldaten, unter anderem bei der Schlacht von Waterloo, erhielt die engagierte Nonne vom preußischen König eine jährliche Leibrente. Diese ermöglichte ihr die Gründung eines Unternehmens zur Herstellung ihres Melissen­wassers. Daraus ist mittlerweile die »Klosterfrau Healthcare Group« geworden. Nach Angaben der Firma ist Klosterfrau Melissengeist noch immer ihr bedeutendstes Produkt. Es wird bei vielfältigen Beschwerden eingesetzt: innere Unruhe, Nervosität, Wetterfühligkeit, Schlaf­störungen, Magen-Darm-Beschwerden und Erkältung.