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Kommunikation

Mentaltraining zum Dranbleiben

11.09.2018
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Von Britta Odenthal / Wer Verhaltensweisen, zum Beispiel seine Essgewohnheiten, ändern will, kennt es: Der Anfang fällt leicht, von Dauer sind die Veränderungen aber oft nicht. In der Beratung können PTA Kunden unterstützen, um die Chance auf einen langfristigen Erfolg zu verbessern.

Bei allen Verhaltensänderungen ist es wichtig, dass der erste Schritt leicht umzusetzen ist. Aus einem Erfolgsgefühl wachsen Selbstbewusstsein und Zuversicht, auch das Weitere zu schaffen. Dieses positiv besetzte Erlebnis ist der Trigger für das zarte Erwachen der intrinsischen Motivation. Dieses Pflänzchen der Motivation gilt es, weiterhin vorsichtig zu gießen. Eine zu große Aufgabe wäre wie eine Schaufel frischer Erde, die die Pflanze sofort im Keim erstickt und das Wachstum verhindert. Halten Sie sich bei der Beratung Ihrer Kunden dieses Bild vor Augen. Sie werden spüren, wann Sie – im übertragenen Sinn – die Pflanze vorsichtig gießen und düngen müssen und wann es des Guten zu viel ist.

Motivation zum Abnehmen

Ein Beispiel aus der Praxis: Die PTA hat einem Kunden, der sein Über­gewicht nach einem Rat seines Arztes reduzieren soll, den Tipp gegeben, ­jeden Morgen ein Glas heißes Wasser zu trinken. Das soll den Stoffwechsel ankurbeln. Dieser erste Schritt ist wichtig für den Erfolg einer Veränderung, es muss nichts Großartiges oder Schwieriges sein. Ein paar Tage später erscheint der Kunde wieder in der Apotheke. Er wirkt etwas nieder­geschlagen.

Die PTA fragt ihn: »Wie oft haben Sie es denn geschafft, das heiße Wasser am Morgen zu trinken?« Der Kunde antwortet: »Dreimal habe ich es geschafft.« »Das ist doch ein guter Anfang«, lobt die PTA. »Bekommt es Ihnen denn und passt es in Ihren morgendlichen Ablauf?« Der Kunde: »Ja schon, aber ich habe es nach drei Tagen wieder vergessen.«

Die PTA fragt: »Was könnte es ­Ihnen denn erleichtern, morgens da­ran zu denken? Vielleicht können Sie das Glas abends schon bereitstellen, damit Sie es morgens gleich sehen? Oder wie wäre es denn, wenn Sie das heiße Wasser aus einer BVB-Fantasse trinken? Das ist doch Ihr Lieblings­verein.« Der Kunde entgegnet freudig: »Ja, das ist eine tolle Idee! Die Tasse will ich schon lange haben!« Der Kunde lacht und ist sichtlich vergnügt. Von diesem guten Gefühl ausgehend kann die ­Beratung weitergehen.

Beratung zu Verhaltensänderungen

  • Fragen nach Vorlieben stellen und diese in den Plan integrieren
  • Kunden in Aktion bringen
  • Der erste Schritt muss leicht umsetzbar sein
  • Kleine Schritte zur großen Veränderung: erst eine Maßnahme sicher umsetzen, dann die nächste
  • Im Gespräch nächste Schritte auf Alltagstauglichkeit prüfen
  • Fokus auf das bisher Erreichte lenken und Erfolge lobend herausstellen
  • Bei Rückschlägen Mitgefühl zeigen und mit bisherigen Erfolgen in Kontakt bringen
  • Ehrliche Anerkennung für Erreichtes aussprechen
  • Gemeinsame Freude an Erreichtem erleben

Kleine Schritte

Jetzt kann die PTA auf der Stufe 3, der Vorbereitung, einen weiteren alltagstauglichen Schritt besprechen. Es sollte wieder ein möglichst kleiner Schritt sein, der in den Alltag inte­griert wird. Braucht der Kunde einen Plan mit Ausblick auf den nächsten Schritt? Oder sollte die Konzentration auf die derzeit umzusetzende Aufgabe im Fokus stehen, weil er sonst überfordert ist und unter Druck gerät? Das ist individuell unterschiedlich. Die PTA kann den Kunden auch direkt fragen, ob ein Plan ihn motiviert oder überfordert. In jedem Fall sollten die Veränderungen langsam erfolgen, jeder neue Schritt sollte eine Woche lang sicher verankert sein. Hakt es bei der Umsetzung, wird nachjustiert und auf dem Erfolg vom Beginn weiter aufgebaut.

Individuelle Vorlieben

Die PTA führt aus: »Es gibt mittlerweile so viele unterschiedliche Ernährungsformen, da ist für jeden Typ und Geschmack etwas dabei. Was ist ­Ihnen denn wichtig bei Ihrer derzeit­igen Ernährung?« Der Kunde überlegt: »Ich muss morgens meinen Kaffee trinken und abends etwas Warmes gemütlich zusammen mit meiner Frau essen.« Die PTA hakt nach: »Was heißt denn für Sie gemütlich?« »Warmes Essen und ein Bier. Und jetzt kommen Sie mir bloß nicht mit Kräutertee, Fräulein!« Sein Gesichtsausdruck ist skeptisch, das Gespräch ist nun in einer heiklen Phase. Zwar hat die PTA gar nicht von Kräutertee gesprochen, der Kunde will sein Verhalten aber schon vorsorglich verteidigen. Die PTA kann das ruhig überhören, um eine unnötige Diskussion zu vermeiden. Sie erklärt: »Es gibt zum Beispiel die Ernährungsform »Schlank im Schlaf«, da essen Sie abends durchaus warm, aber keine Kohlenhydrate. Sie müssen dabei nicht auf Fleisch verzichten. Das wird mit unterschiedlichen Gemüsearten kombiniert. Sie können sich auch satt essen, Sie dürfen abends nur keine Kohlenhydrate mit hohem glykämischen Index essen oder trinken, damit die Fettverbrennung über Nacht erfolgreich stattfinden kann. Da gibt es gute Übersichtstabellen und Rezepte, welche Kohlenhydrate Sie wann zu sich nehmen dürfen. Das macht die Orientierung leicht. Statt Bier könnten Sie zum Beispiel abends ein halbes Glas trockenen Wein trinken.«

Der Kunde schaut interessiert. Die PTA weiter: »Wollen Sie das mal eine Woche lang ausprobieren?« Der Kunde nickt: »Ja, das mache ich! Meine Frau wird auch begeistert sein, sie will auch ein paar Pfund abnehmen«. Die PTA sagt abschließend: »Es wäre sicher auch gut, wenn Sie sich ein Buch dazu durchlesen. Berichten Sie mir nächste Woche gerne wieder, wie es läuft.«

Brücke bauen

Eine Ernährungsberatung kann man unterschiedlich beginnen. Klassisch ist es beispielsweise, zu Beginn zu erfragen, wie regelmäßig der Kunde isst, wie viel Fast Food er zu sich nimmt und wie oft Gemüse und Obst. Diese Fragen kennt der Kunde aber wahrscheinlich schon. Das kann die Wertigkeit und das gute Gefühl einer individuellen Beratung verringern, da es schnell nach Standard klingt. Die Frage: »Was ist Ihnen denn an Ihrer derzeitigen Ernährung wichtig?« kann eine Brücke zum Kunden bauen. Und ab da heißt es, vorsichtig das zarte Pflänzchen der Veränderung zu gießen­ und zu päppeln. Es wird Früchte­ tragen! /

Die sechs Stufen der Veränderung

1. Sorglosigkeit, auch Absichts­losigkeit (Pre-Contemplation)

  • Kein Problembewusstsein, keine Intention, das Verhalten zu ver­ändern.
  • Wichtig für die Beratung: Sensibilisierung, Reflexion und Problem­bewusstsein schaffen durch Fragen. Informationsflyer anbieten und Unterstützung, wenig drängen.

2. Bewusstwerdung (Contemplation)

  • Das problematische Verhalten und dessen Auswirkungen werden wahrgenommen und es wird erwogen, es irgendwann zu ver­ändern. Phase der Ambivalenz: »Soll ich, soll ich nicht«, noch keine konkreten Pläne zur Veränderung.
  • In der Beratung: Bewusstsein für Auswirkungen des Ver­hal­tens verstärken. Zuerst mit negativen Konsequenzen des der­zeitigen Verhaltens in Kontakt bringen, dann positive Kon­sequenzen einer Verhaltens­änderung heraus­­arbeiten. Hilfe bei Absichts­bildung: lohnenswertes Ziel finden.

3. Vorbereitung (Preparation)

  • Ernsthafte Reflexion des Problemverhaltens. Erste Schritte zur Veränderung eingeleitet, Maß­nahmen zur Erreichung des Ziels finden statt. Ziel­­verhalten wird in naher Zukunft ange­strebt.
  • Beratung: Konkrete Pläne ent­wickeln. Realistische Ziele erarbeiten.

4. Handlung (Action)

  • Konkrete Veränderung des kritischen Verhaltens hat begonnen.
  • Beratung: Einübung der Ver­haltens­änderung mit konkreten Schritten.

5. Aufrechterhaltung (Maintenance)

  • Zielverhalten wird seit mehr als sechs Monaten beibehalten.
  • Beratung: Das Erreichte sichern und helfen, Rückschläge zu über­winden. Festigen des Ziel­verhaltens.

6. Stabilisierung (Termination)

  • Aufrechterhaltung und Mani­­festation. Zielverhalten ist ver­innerlicht, Ver­such­ungen werden erfolgreich umschifft.
  • Beratung: Kleine, seltene Aus­rutscher als normal darstellen. Aufmerksamkeit beibehalten.

Quelle: nach dem transtheoretischen Modell (TTM) nach Prochaska und DiClemente