PTA-Forum online
Narbenbehandlung

Von Honig bis Silikon

21.09.2015  10:29 Uhr

Von Ulrike Viegener / Um Narben abzumildern, werden die unterschiedlichsten Methoden ausprobiert – mit mehr oder weniger Erfolg. Honig zum Beispiel ist ein altes Hausmittel, das derzeit eine Renaissance erfährt. Eines erfordert die Narbenbehandlung aber in jedem Fall: Geduld.

Narben empfinden die meisten Betroffenen als störend beziehungsweise belastend. Dabei muss es sich nicht unbedingt um pathologische Narben handeln. Vor allem Frauen leiden häufig unter Narben, auch wenn diese keine Anomalien im Wundverschluss erkennen lassen. Die Frage »pathologisch oder nicht?« muss vor jeder Selbstmedikation geklärt sein.

Keloide sind die gravierendste Form patho­logischer Narben. Das sind gut­artige Tumoren, die durch überschießende Wucherung von Fibroplasten entstehen und unaufhörlich weiter wachsen. Jeder Mückenstich kann bereits ein Keloid provozieren, und eine moderne Variante sind Keloide nach Piercing. Keloide gehen fast immer mit Juckreiz und/oder Schmerzen einher und führen – vor allem äußerlich gut sichtbare – nicht selten zu psychosozialen Problemen.

Hypertrophe Narben sind ebenfalls über das umgebende Hautniveau erhaben und sehen nach Abschluss ihrer Entwicklung oft kordelartig aus, überschreiten das ursprüngliche Verletzungsgebiet jedoch nicht. Im Unterschied zum Keloid wächst das Narbengewebe meist nach einigen Monaten nicht weiter, und spontane Rückbildungen sind bei hypertrophen Narben keine Seltenheit. Quasi das Gegenteil sind atrophe Narben. wie sie durch Akne entstehen und unter das Hautniveau eingesunken sind.

Verbrennungen, Wundinfektionen sowie Zugspannung auf der Wunde erhöhen das Risiko der pathologischen Narbenbildung ebenso wie systemische Erkrankunge, beispielsweise Diabetes, Durchblutungsstörungen sowie ein geschwächtes Immunsystem. Beim Keloid spielen außerdem genetische Faktoren eine Rolle.

Mobilisation plus Topika

Die Narbenbehandlung stützt sich vor allem auf die physiotherapeutische Narbenmobilisation sowie die Anwendung von Narbentopika, wobei die Kombination beider Maßnahmen sinnvoll ist. Chirurgische beziehungsweise Laserverfahren sind wegen des Risikos der Rezidivbildung und neuer Narben keine Optionen der ersten Wahl. Bei Keloiden besteht sogar die Gefahr, dass ein chirurgischer Eingriff das Narbenwachstum steigert. Eine Ausnahme sind Narben, die stark unter Zug stehen: Diese sollte zeitnah chirurgisch entlastet werden.

Bei der Narbenmobilisation dienen spezielle Massagetechniken dem Ziel, Gewebeverklebungen zu lösen und den Umbau von Ersatzgewebe in funktionstüchtiges Gewebe anzuregen. Außerdem dringen durch die Massage vorher aufgebrachte topische Wirkstoffe schneller und tiefer in die Haut. Wendet der Patient ein Narbentopikum in eigener Regie an, sollte er wissen, dass er die Salbe beziehungsweise das Gel gut in die Narbe einmassieren und konsequent applizieren muss. Vor allem, wenn in der Vorgeschichte schon einmal eine ungewöhnliche Narbenbildung aufgetreten ist, sollte die Wundheilung von Anfang an optimiert und gegebenenfalls so früh wie möglich mit der Narbenbehandlung begonnen werden.

Eine Selbstmedikation kommt in erster Linie bei störenden, aber nicht pathologischen Narben in Frage. Die Behandlung pathologischer Narben gehört immer in die Hand eines Facharztes, bei Keloiden ist das ein Muss. Keloide, die sich eventuell erst Monate nach der ursprünglichen Verletzung entwickeln, erfordern eine spezielle Therapie. Und auch für atrophe Narben gibt es besondere Therapieoptionen. Welche der verschiedenen Möglichkeiten der Narbenbehandlung im individuellen Fall am besten wirkt, lässt sich nicht vorhersagen. Oft sind Therapieversuche mit unterschiedlichen Mitteln oder auch Kombinationsstrategien erforderlich.

Potenter Dreier

Eines der meistverwendeten Narbentopika ist Contractubex®. Das Gel enthält Zwiebelextrakt, Heparin und Allantoin – drei Wirkkomponenten, die sich ergänzen und synergistisch verstärken. Extractum cepae wirkt entzündungshemmend und antiproliferativ auf Fibroblasten. Dasselbe gilt für Heparin, das außerdem die Kollagenstruktur lockert und die Wasserbindung im Narbengewebe fördert. Ältere Narben sind oft extrem wasserarm und schlecht durchblutet – ein Zustand, der durch den hydratisierenden Effekt von Heparin gebessert wird. Außerdem trägt dieser Wirkstoff zu einer stärkeren Durchblutung des Narben­gewebes bei. Der natürliche Wirkstoff Allantoin fördert die Wundheilung, lindert Juckreiz und wirkt keratolytisch. Außerdem erleichtert Allantoin die Penetration anderer Wirkstoffe in die Haut – ein wichtiger Aspekt, denn bei der Narbenbehandlung gilt es, tiefere Hautschichten zu erreichen.

Laut Herstellerangaben verbesserte die zweimal tägliche Applikation von Contractubex in einer Anwendungsbeobachtung mit fast 1300 Patienten die Beschaffenheit sowohl frischer, aber auch älterer Narben nach wenigen Monaten deutlich, und Rötungen als Entzündungszeichen gingen zurück. Eine kleine Studie weist darauf hin, dass sich der Erfolg durch Kombination des Narbengels mit einer Ultraschallbehandlung noch steigern lässt.

Zwiebelextrakt wird bereits seit Jahrhunderten als Hausmittel zur Wundheilung und zur Narbenbehandlung eingesetzt. Die moderne Wissenschaft hat dieses Erfahrungswissen inzwischen solide untermauert, und erstmals empfiehlt jetzt auch die Deutsche Dermatologische Gesellschaft in ihren Leitlinien Zwiebelextrakt-haltige Präparate zur Behandlung pathologischer Narben.

Medihoney im Einsatz

Und ein weiteres Hausmittel zur Wundbehandlung erfährt aktuell eine Renaissance: Honig. Inzwischen setzen auch Schulmediziner Honig als Wundauflage ein. Die Pionierarbeit dazu leisteten Wissenschaftler in der Universitätskinderklinik Bonn. Honig besitzt ausgeprägte heilungsfördernde und bakterizide Eigenschaften. Selbst infizierte Problemwunden heilen unter Honig ab, und zwar zum Teil besser als unter Antibiotika, wie in Studien gezeigt werden konnte.

Auch scheinen sich bei der kombinierten Anwendung von Honig mit Antibiotika deutlich weniger Resistenzen zu entwickeln. Honig enthält verschiedene bakterizide Wirkstoffe, wobei Methylglyoxal hauptverantwortlich zu sein scheint. Besonders reich an Methylglyoxal ist der für medizinische Zwecke verwendete Manuka-Honig, auch Medihoney genannt, der aus dem Blütennektar des in Neuseeland beheimateten Manuka-Baums gewonnen wird.

Durch den hohen Zuckergehalt des Honigs wird Wasser aus dem Gewebe gezogen, und so entsteht ein feuchtes Milieu, in dem Wunden optimal heilen. Das ist auch der Grund, warum Honigauflagen erstaunlicherweise nicht mit der Wunde verkleben, sondern sich leicht ablösen lassen. Für Menschen, die bekanntermaßen zu ungewöhn­licher Narbenbildung neigen, ist Honig einen Versuch wert, auch dann noch, wenn sich bereits unschöne Narben gebildet haben. Unter anderem für Aknenarben ist beschrieben, dass Honig das Hautbild deutlich verbesserte.

Ein gutes Klima

Ebenso schaffen Silikongele ein güns­tiges Mikroklima auf Wunden und stabilisieren die Feuchtigkeitsbalance der Haut. Hierbei kommen Okklusions­effekte zum Tragen. Nach abgeschlossenem Wundverschluss sollten Silikongele mehrere Monate konsequent aufgetragen werden. Bepanthen® Narbengel enthält zusätzlich Dexpanthenol, das Wasser in der Haut bindet. Dieses Narbengel wird mit einem Massageroller für die Behandlung älterer Narben angeboten.

Auch bei hypertrophen Narben lohnt sich der Versuch mit einem Silikongel. Weder für hypertrophe Narben noch für Keloide gibt es aber bislang eine wirklich zufrieden stellende Therapie. Das hängt sicher auch damit zusammen, dass die – unterschiedliche – Pathogenese dieser beiden Narben­typen noch nicht geklärt ist.

Corticoide injiziert

Glucocorticosteroide helfen in der Keloidbehandlung nur dann, wenn sie streng unter die Läsion (intraläsional) gespritzt werden. Die topische Anwendung von Glucocorticosteroiden ist nicht erfolgversprechend. Laut einer Studie mit Triamcinolon scheint die Kombination eines intraläsional injizierten Corticosteroids mit topisch appliziertem Zwiebelextrakt die Wirkung zu steigern.

Gesichert ist die synergistische Wirkung von intraläsionaler Corticoidinjektion und Kryotherapie. Glucocorticosteroide reduzieren nicht nur die Entzündung, sondern auch die Kollagensynthese. Die Kryotherapie führt zum Absterben der Keloidzellen. Während die Vereisung herkömmlich von außen erfolgt, wird bei einer neuen Methode der flüssige Stickstoff intraläsional appliziert mit dem Ziel, das Keloid von seinem Zentrum her zu zerstören. /