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Prognos-Studie

Familie 2030

26.09.2016  11:28 Uhr

Von Sigrid Joachimsthaler / Würde die Familienpolitik gezielt zukunftsgerichtet weiterentwickelt, profitieren davon nicht nur die Familien selbst, sondern auch die Gesamtwirtschaft. Zu diesem Ergebnis kommt der aktuelle »Zukunftsreport Familie 2030« der Prognos AG.

Mit ihrem Zukunftsreport beschreiben die Autoren zunächst die Trends in den vier zentralen Bereichen Familienleben, Partnerschaftlichkeit, Beschäftigung und Arbeitswelt. Auf dieser Basis werden zwei Szenarien für das Jahr 2030 entwickelt: das Trend-Szenario, das eine bloße Fortschreibung der aktu­ellen Entwicklung ist, sowie das Chancen-Szenario, das neben diesen Trends weitere Impulse der Familienpolitik mit berücksichtigt, die in dem Gutachten vorgeschlagen werden, im Internet aufzurufen unter www.prognos.com, Kurz-URL: http://bit.ly/2cBW4pu.

Wunsch und Wirklichkeit

60 Prozent der jungen Eltern mit ­Kindern zwischen ein und drei Jahren wünschen sich eine gleichberechtigte Aufteilung von beruflicher Arbeit und familiären Aufgaben. In der Realität nimmt zwar der Anteil von berufs­tätigen Müttern mit minderjährigen Kindern zu, die Zahl der Wochenarbeitsstunden klafft aber noch weit auseinander: Bei den Müttern sind es im Schnitt 25,9 Stunden, bei den Vätern 41,5 Stunden (Stand 2014).

Mit gezielten familienpolitischen Maßnahmen könnte der Abstand bis 2030 deutlich verringert werden auf 31,1 beziehungsweise 38,9 Stunden. Dies würde sowohl den Wünschen der Eltern als auch denen der Kinder entgegenkommen. Die Erwerbstätigenquote würde dann bei den Müttern von 66,6 Prozent auf 78,2 Prozent steigen. Dadurch könnte sich das durchschnitt­liche Haushaltseinkommen – trotz reduzierter Arbeitsstunden der Väter – um 1400 Euro erhöhen.

Die Zahl sozialversicherungs­pflich­tig beschäftigter Mütter würde im Chancen-Szenario bis 2030 um rund 790 000 steigen. Auch der Anteil von Müttern, deren ein Einkommen dann oberhalb der Grundsicherungsschwelle läge, würde sich um 13 Prozentpunkte auf 55,2 Prozent erhöhen.

Armutsrisiko sinkt

Diese Entwicklung hätte natürlich auch Auswirkungen auf die Kinder: Etwa 210 000 weniger könnten armutsgefährdet sein, 360 000 weniger würden in Hartz-IV-Haushalten leben. Der Anteil der von Armut bedrohten Mütter, Väter und Kinder würde von 15,3 auf 13,7 Prozent sinken, rechnet die Prognos. Außerdem prognostizieren die Autoren eine Steigerung des Bruttoinlandsprodukts um 69 Milliarden Euro, denn das Arbeitsvolumen erhöht sich um 3,2 Prozent – entsprechend um 1,14 Millionen Vollzeitstellen. Last but not least würden die bessere wirtschaftliche Situa­tion der Familien zu einer höheren Geburtenziffer führen.

Was müsste getan werden?

Hier einige Maßnahmen, die die Prognos-Autoren vorschlagen, um die beschriebenen Verbesserungen zu erreichen:

  • Flächendeckender Ausbau der Kleinkindbetreuung sowie Ausbau in Randzeiten und Ferien für Kinder über drei Jahren und Schulkinder,
  • Rechtsanspruch auf Schulkindbetreuung inklusive qualifizierter Hausaufgabenhilfe,
  • Stärkere finanzielle Unterstützung für Alleinerziehende,
  • Gezielte Förderung haushaltsnaher Dienstleistungen für erwerbstätige Eltern,
  • Abbau von Erwerbshemmnissen für Zweitverdiener im Steuersystem (zum Beispiel Ehegattensplitting)
  • Einführung einer Familienarbeitszeit in existenzsicherndem, vollzeit­nahem Umfang beziehungsweise eines ­Familiengeldes,
  • Verstärkte Maßnahmen der Arbeit­geber zur Förderung der Vereinbarkeit von Beruf und Familie (auch Pflege­aufgaben!),
  • Verstärktes Engagement von Gewerkschaften und Betriebsräten zur Umsetzung familienbewusster, flexibler Arbeitszeiten,
  • Weiterentwicklung des Elternzeitrechts und des Teilzeit- und Befristungsgesetzes.

 

Dazu Adexas Erste Vorsitzende Barbara Stücken-Neusetzer: »Wichtig an der Prognos-Studie ist die Aussage, dass Familienförderung nicht nur eine ­moralische Verpflichtung und ein ­Kostenfaktor ist, sondern auch der Gesellschaft und der Gesamtwirtschaft zugute kommt. Von einer Familien­arbeitszeit profitieren Mütter, Väter und Kinder. Und mit Blick auf den wachsenden Fachkräftemangel profitieren auch familienfreund­liche ­Arbeit­geber durch eine höhere Attraktivität – nicht nur für die Mütter und Väter in der Belegschaft, sondern auch für ­kinderlose jüngere Beschäftigte.« /