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Orales Diclofenac

Experten fordern Verschreibungspflicht

26.09.2018  11:26 Uhr

Diclofenac gehört zu den am häufigsten eingesetzten NSAR, und zwar auf der ganzen Welt. Dass das angesichts des kardiovaskulären Risikos eigentlich nicht zu recht­fertigen ist, zeigt nun eine Studie im aktuellen »British Medical Journal«.

Dr. Morten Schmidt vom Universitätsklinikum Aarhus und Kollegen nutzten den Datenschatz ihres Heimatlandes, um das kardiovaskuläre Risiko von Diclofenac im Verhältnis zu dem anderer nicht steroidaler Antirheumatika (NSAR) zu quantifizieren – wie schon fünf Jahre zuvor. Sie konnten 1,37 Millionen Patienten berücksichtigen, die zwischen 1996 und 2016 in Dänemark eine orale Therapie mit Diclofenac begonnen hatten­. Ihr Risiko, innerhalb von 30 Tagen Herzrhythmus­störungen oder Herzinsuffizienz zu entwickeln oder einen ischämischen Schlaganfall oder Herzinfarkt zu erleiden, wurde mit dem von insgesamt 4,93 Millionen Patienten mit neu gestarteter Ibuprofen-, Naproxen- oder Paracetamol-Einnahme und 1,30 Millionen Kontrollpersonen ohne Schmerz­mitteleinnahme verglichen.

Diclofenac führte gegenüber der Kontrollgruppe zu einem­ 50-prozentigen Risikoanstieg. Gegenüber Paracet­amol oder Ibuprofen betrug die Risikoerhöhung jeweils 20 Prozent, gegenüber Naproxen 30 Prozent. Das Risiko bezog sich auf alle genannten Endpunkte sowie den Herztod, beide Geschlechter und alle Altersgruppen und war auch bei niedrigen Diclofenac-Dosen vorhanden. Absolut betrachtet war der Risikoanstieg bei den Patienten am größten, die etwa aufgrund eines bereits durch­gemachten Herzinfarkts oder einer Herzinsuffizienz sowieso­ schon ein hohes kardiovaskuläres Risiko hatten. Der relative Anstieg war dagegen in der Gruppe der Patienten­ mit niedrigem bis moderatem vorbestehendem Risiko am größten, beispielsweise bei Diabetikern ohne weitere Risikofaktoren. Die Autoren begründen den Effekt mit einer COX-2-Präferenz von Diclofenac.

Es sei Zeit, die Risiken von Diclofenac ernst zu nehmen­ und den Gebrauch einzuschränken, schließen die Autoren. (am/iw)