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Hilfsmittel zur Mund- und Zahnpflege

Gesund beginnt im Mund

26.09.2018
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Von Edith Schettler / Die tägliche Pflege von Zähnen, Zahnfleisch und Zunge dient nicht nur einem ästhetischen Zweck, sondern vor allem der Gesunderhaltung sowohl des Mundes als auch des ganzen Körpers. Nicht jedem ist bewusst, dass sich Zahn- und Zahnfleischerkrankungen systemisch auswirken können. Neben der Auswahl der geeigneten Hilfsmittel kann die Beratung in der Apotheke einen wichtigen Beitrag zur gesundheitlichen ­Aufklärung leisten.

Die Mundschleimhaut ist nur der obere und sichtbare Teil der Schleimhaut, die den gesamten Verdauungstrakt auskleidet. Schon aus diesem ana­tomischen Aspekt heraus leuchtet es ein, dass Erkrankungen im Mund den ganzen Körper beeinflussen können. Außerdem ist der Übergang zwischen dem Zahnfleisch und der Zahn­­hartsubstanz die einzige Stelle im Körper­, an der die Integrität des Epithels durchbrochen ist.

Damit bietet diese Schwachstelle eine ideale Eintrittsp­forte für Mikroben in die Blutbahn und für deren Ausbreitung im gesamten Organismus. Verletzungen des Zahnfleisches durch harte Nahrung oder unge­eignete Pflegehilfsmittel schaffen zusätzliche Brücken für den Eintritt von Erregern ins Blut, ebenso Zahnextraktionen und Zahnfleischentzündungen mit Blutungen.

Im Normalfall sorgt eine ausbalancierte Besiedlung der Mundschleimhaut durch verschiedene Mikro­organismen dafür, dass – ähnlich wie im Darm – ein gesundes Gleichgewicht zwischen Körper und Mundflora herrscht. Zu diesem Spektrum von Keimen zählen hunderte anaerobe Bakterienarten und Hefepilze, beispielsweise Aktinomyzeten, Neisserien, Laktobazillen und Streptokokken in einer Konzentration von mehreren Hundert­ Millionen pro Milliliter Speichel­. Gleichgewichtsverschiebungen in der Besiedlung und Abweichungen von der Normalflora können sich durch Er­kran­­­­kungen manifestieren.

Streptococcus salivarius und Streptococcus sanguis beispielsweise, beide Bestandteile der Mundflora, nisten sich in die Plaque ein und bereiten sie für die Besiedelung durch weitere Kokkenarten vor. Sie schaffen einen Biofilm mit einem anaeroben Klima, das eine Belagerung durch aerobe Bakterien abwehrt. Ein Biofilm ist eine dünne Schleimschicht, in der Populationen von Mikroorganismen organisiert vorliegen. Die Keime des Biofilms bilden eine Symbiose und stehen miteinander in Kontakt. Auf diese Weise schützen sie sich nicht nur vor Konkurrenten, sondern auch vor dem menschlichen Immunsystem und, durch den Austausch von Resistenzinformationen, vor Antibiotika.

Karies durch Keime

Der anaerobe Streptococcus mutans nutzt das Kleinklima des Biofilms und lagert sich an die Primärflora aus Streptokokken an. Er ist an der Zersetzung der Nahrung im Mund während des Kauens beteiligt und eigentlich ein wichtiger Teil unserer Verdauung. Er fermentiert Kohlenhydrate im Speichel zu Milchsäure, die den pH-Wert in der Mundhöhle in den sauren Bereich verschiebt. Entsteht zu viel oder zu häufig Laktat, löst es aus dem Apatitgitter des Zahnschmelzes Fluor, Carbonate und Phosphate heraus. Es entstehen Mikro­läsionen, die so genannte Initialkaries, die zu einer manifesten Karies fortschreitet. Streptococcus mutans ist im Gegensatz zu anderen Mikroorganismen säuretolerant. Ist häufig Zucker in der Mundhöhle vorhanden, verdrängt er säureempfindliche Keime.

Unter anderen pathologischen Bedingungen kann die Besiedlung der Mundhöhle zu Gunsten anderer Er­reger verschoben sein. Diese Veränderungen in der Keimbesiedlung können im Fall von Streptococcus mutans zu einer Karies führen, aber auch zu Mundgeruch (Halitosis), Gingivitis und Parodontitis.

An der Entstehung einer Parodon­titis sind ebenfalls Mikroorganismen beteiligt, und zwar anaerobe, gramnegative Bakterien, auch sie an sich Bestand­teil der normalen Mundflora. Gelingt es ihnen, sich in einem Biofilm anzusiedeln, wie er auf der Plaque entsteht, werden aus harmlosen Be­gleitkeimen pathologische Erreger. Die Abwehrreaktion des Körpers führt zu einem Entzündungsgeschehen mit Rötungen­, Schwellungen und Blutung bei Berührung. Diese entzündliche Erkrankung­ des Zahnfleisches wird als Gingivitis bezeichnet. Siedeln sich die Erreger unterhalb des Zahnfleisch­saumes in Taschen an, liegt eine Parodontitis vor. Sobald der Zahnhalteapparat betroffen ist, werden im weiteren Verlauf Bindegewebe und Knochen abge­baut, bis hin zum Zahnverlust.

Folgenschwere Entzündung

Doch der Zahnverlust ist nicht die eigentlich gefährliche Folge einer Parodontitis. Viel tückischer wirkt sich die Entzündung auf den Stoffwechsel, das Herz-Kreislauf-System und auf eine Schwangerschaft aus.

Bei einer Gingivitis oder einer Parodontitis nimmt die Durchblutung des Zahnfleisches infolge des Entzün­dungsgeschehens zu. Bereits auf leichten Druck werden kleinste Blutgefäße verletzt, und Blut tritt aus. Pathogene Keime können auf diesem Weg leicht in die Blutbahn gelangen und sich im gesamten Organismus ausbreiten.

Für das Herz-Kreislauf-System kann Streptococcus mitis, ein fakultativ anaero­bes Bakterium und sonst harmloser Bestandteil der Mundflora, gefährlich werden. Dieser Erreger kann, wenn er in die Herzinnenhaut gelangt, eine Endokarditis auslösen, die die Herzklappen, die Papillarmuskeln und das Endokard zerstören kann. Ohne Therapie verläuft diese Entzündung meist tödlich. Doch auch bereits in den Blutgefäßen können die Erreger Entzündungen verursachen, ohne bis zu den Organen vorzudringen. Diese Mikro­entzündungen sind mit Gewebsdefekten verbunden, die das Immunsystem mit körpereigenen Substanzen zu verschließen versucht, unter anderem unter Zuhilfenahme von Choles­terin, Calcium und Thrombozyten. So entstehen Plaques, die die Gefäße einengen und zu Verwirbelungen im Blutstrom führen. Dieser kann nun Teile der Plaques herauslösen und mit sich fortspülen, bis das Lumen der Blutgefäße soweit verengt ist, dass die Plaques stecken­ bleiben und das Gefäß verschließen. Je nach Lokalisation re­sultiert aus diesem Verschluss ein Herzinfarkt, Schlaganfall oder eine Lungenembolie. Statistisch gesehen verdoppelt eine Parodontitis das Risiko für einen Infarkt.

Eine ständige Entzündung in der Mundhöhle wirkt sich auch auf einen bestehenden Diabetes mellitus aus. Schlecht eingestellte Blutzuckerwerte begünstigen in Folge von Mikroangiopathien das Auftreten einer Parodon­titis. Bakterielle Infektionen wiederum vermindern die insulinvermittelte Aufnahme von Glucose in die Muskelzelle und lassen den ­Blutzuckerspiegel ansteigen. Eine schlecht einstellbare und häufig zu hohe Glucosekonzentration im Blut führt zu diabetischen Kom­plikationen und Organschäden.

Auch für eine Schwangerschaft können Parodontalerkrankungen schwerwiegende Folgen haben. So haben statis­tische Untersuchungen gezeigt, dass eine nicht behandelte Parodon­titis der Mutter für 18 Prozent aller Frühgeburten verantwortlich ist und das Risiko für ein geringes Geburts­gewicht des Kindes um das Sieben­fache ansteigen lässt. Ursachen dafür sehen Wissenschaftler in einem vermehrten Auftreten von Entzün­dungsmediatoren wie Zytokinen, Prostaglandinen und Tumornekrosefaktor, die auch im Fruchtwasser nachweisbar sind und Wehen auslösen, aber auch in der vermehrten Zirkulation von plazentagängigen Erregern und ihren Toxinen im Blut. Sie vermuten, dass auch ein Schwangerschaftsdiabetes durch eine Parodontitis entstehen kann.

Gründliche Reinigung

Um die Balance der Mundflora zu erhalten, ist es wichtig, die Entstehung des Biofilms auf der Plaque zu ver­hindern. Die effektivste vorbeugende Maßnahme besteht darin, die Zahn­beläge zu entfernen, die den Nähr­boden für den Biofilm bilden. Zahnbeläge bestehen hauptsächlich aus Speichel­eiweißen und Abschilferungen von Zellen­ der Mundschleimhaut. Solange noch keine Mineralien in den Zahn­belag eingelagert sind, ist er weich und lässt sich mechanisch gut ent­fernen. An schlecht zugänglichen Stellen mineralisiert der Belag jedoch, die Plaque verhärtet und lässt sich durch Zähneputzen nicht mehr ohne wei­teres abtragen. Deshalb ist die pro­fessionelle Zahnreinigung mit Hilfe von Ultraschall und zahnärztlichen Instrumenten etwa alle sechs Monate empfehlens­wert als Ergänzung der täglichen Mundhygiene. Diese sollte idealerweise nach jeder Mahlzeit stattfinden, mindestens aber morgens und abends.

Das gebräuchlichste Instrument zur häuslichen Zahnpflege ist die Handzahnbürste. Sie hat eine lange Tradi­tion. Schon die Urvölker nutzten aus­gefaserte Stücke von Zweigen bestimmter Hölzer zur Reinigung der Zähne. Heute besteht eine moderne Zahnbürste aus einem rutschfesten, ergonomisch abgewinkelten Kunststoffgriff, einem kompakten Bürstenkopf und weichen, an der Spitze ab­gerundeten Borsten. Naturborsten haben gegenüber Kunststoffborsten den Nachteil, dass sie schneller von Bak­terien besiedelt werden und eignen sich deshalb aus hygienischen Gründen nicht. Aber auch auf Kunststoffborsten können sich Mikroorganismen an­siedeln, deshalb sollte die Zahnbürste immer mit dem Kopf nach oben im Mundspülglas trocknen und alle zwei bis drei Monate sowie nach jedem grippalen­ Infekt ausgetauscht werden. Die Apotheke sollte hochwertige Handzahnbürsten anbieten, bei denen die Gefahr einer Verletzung der Gingiva durch billige Borsten ausgeschlossen ist. Gute Borsten sind weich, verjüngen sich zum Ende hin und haben eine abgerundete Spitze. Zylindrische Borsten mit einem offenen, gerade abgeschnittenen Ende verletzen durch Grate am Rand der Spitze das Zahnfleisch, ebenso harte und mittelharte Borsten. Diese­ dienen eher der Reinigung von Prothesen. Für Kinder ab vier Monaten gibt es kindgerechte Zahnbürsten mit extra weichen Borsten (beispielsweise Oral-B Stages® 1 Disney® Kinder-Handzahnbürste). Einige Zahnbürsten sind im Borstenfeld mit Polierkelchen aus Kunststoff versehen, die die Putzwirkung verstärken, so zum Beispiel elmex®Intensivreinigung Zahnbürste. Manche Hersteller kombinieren ein mittelhartes Borstenfeld mit höher stehenden weichen Borsten in der Randzone, die die Gingiva schützen, wie Meridol® Zahnbürste mittel. Zur Optimierung der Handhabung bietet beispielsweise die Firma TePe Zahnbürsten an, deren Hals sich individuell biegen und abwinkeln lässt (TePe Supreme® Compact).

Eine gründlichere Reinigungsleistung haben elektrische Zahnbürsten. Rotierende Bürstenköpfe drehen sich mit 3000 Umdrehungen pro Minute um ihre eigene Achse und oszillierende Bürstenköpfe bewegen sich mit 30 000 Schwingungen pro Minute von einer Seite auf die andere. Einige Arten von Zahnbürsten können auch pulsieren und den Kopf in die Zahnzwischen­räume hinein- und herausbewegen während sie rotieren. Weiche, be­sonders dünne Borsten und Polier­kelche entfernen Plaque gründlicher als es mit der Handzahnbürste möglich ist. Ein Timer sorgt für die Einhaltung der idealen Putzzeit von 30 Sekunden pro Quadrant, eine Anpressdruck­kontrolle verhindert Schäden durch zu starken Druck mit der Bürste auf Zähne und Zahnfleischrand. Lithium-Ionen-Akkus halten­ mehr als zwei Wochen durch, bevor sie wieder aufgeladen werden müssen und machen die Zahnbürsten reisetauglich. Technikfreaks können eine App auf ihrem Handy per Bluetooth mit der Zahnbürste koppeln und so ihr Putzverhalten dokumen­tieren und optimieren. Marktführer im Segment der elektrischen Zahnbürsten ist die Firma Procter & Gamble mit ihrer Marke Oral-B® (zum Beispiel Oral-B® Genius 10 000, Oral-B® Stages Power für Kinder ab dem zweiten Lebensjahr).

Nützliche Ergänzung

Hand- oder elektrische Zahnbürsten reinigen die Zahnzwischenräume nur unzureichend. Zur Pflege der Inter­dentalräume gibt es spezielle Bürsten. Vor allem wenn Zahnkronen und -implantate­ vorhanden sind, ist die Anwendung­ von Interdentalbürsten unumgänglich. Entsprechend der Größe­ der Zahnzwischenräume gibt es sie in unterschiedlichen Formen und Stärken. Idealerweise empfiehlt der Zahnarzt die richtige Größe, an­dernfalls sollte der Anwender eher eine kleinere­ Größe wählen, um Ver­letzungen des Zahnfleischsaumes zu vermeiden. Eine gute Auswahl an Bürstchen, mit oder ohne Handgriff, bieten zum Beispiel die Firmen TePe und Sunstar GmbH (GUM®). Die Firma TePe hat zusätzlich eine Weiterentwicklung des Zahnstochers im Programm. Der reddot-award-Gewinner TePe EasyPick® erinnert noch in seiner Form an ein Zahnholz, besteht jedoch aus biegsamem Kunststoff und ist mit ringförmig angeordneten Lamellen versehen, die die Interdentalräume gründlich reinigen.

Zur Pflege der Zähne während der Behandlung mit festsitzenden kieferorthopädischen Apparaturen (Brackets)­ eignet sich am besten eine Kombi­nation aus Handzahnbürste und Einbüschelbürste (beispielsweise GUM®Büschel­bürste). Elektrische Zahnbürsten und Interdentalbürsten sind weniger ge­eignet, weil sie die Apparaturen be­schädigen können.

Zur Reinigung schmalerer Zahn­zwischenräume empfiehlt sich die tägliche­ Anwendung von Zahnseide. Gewachste Zahnseide (wie elmex® Zahnseide gewachst mit Aminfluorid) ist für Anfänger leichter zu handhaben, ungewachste (wie elmex® Zahnseide ungewachst mit Aminfluorid) bietet eine bessere Reinigungsleistung. Floss-Zahnseiden mit flauschigem Mittelteil (beispielsweise Oral-B® Superfloss) sind vor allem für die Reinigung von festsitzendem Zahnersatz und kieferorthopädischen Apparaturen gedacht. Die verstärkten Enden der Einzelfäden lassen sich gut zwischen die Brücken und Brackets einfädeln. Tapes (wie Oral-B® Satin Tape) sind breitere Zahnseidenbänder und reinigen durch ihre große Oberfläche besonders intensiv.

Eine Munddusche, zum Beispiel Braun Oral-B® Waterjet, kann das Pflege­programm ergänzen, keinesfalls jedoch ersetzen. Sie spült lediglich lose anhängende Speisereste und bereits mit der Bürste von der Zahnoberfläche gelösten Zahnbelag weg. Allerdings sind mit ihr auch schwer zugängliche Stellen erreichbar, an die eine Zahnbürste nicht herankommt, zum Beispiel unter Zahnersatz, Zahnspangen und Brücken. Unbestritten ist ihr Nutzen für die Gingiva durch den leichten Massage­effekt. Menschen mit Herzfehlern oder künstlichen Herzklappen wird generell von der Benutzung einer Munddusche abgeraten, denn sie könnte Endokarditis-Erreger aus der Mundhöhle in die Blutbahn drücken. /