PTA-Forum online
Husten

Phytopharmaka gegen den Reiz

26.09.2018
Datenschutz

Von Annette Immel-Sehr / Gerade bei Erkältung fragen Kunden in der Apotheke oft nach einem pflanzlichen Produkt. Viele haben damit schon in der Kindheit positive Erfahrungen gemacht. Gegen das Symptom Husten können PTA und Apotheker für ihre Empfehlung aus einer breiten Palette von Phytopharmaka auswählen.

Ganz gleich, ob ein Patient ein pflanz­liches oder ein synthetisches Hustenmittel wünscht – einige Fragen ge­hören in jedes Beratungsgespräch. Zunächst­ einmal geht es darum, die Art des Hustens zu klären. Handelt es sich um trockenen Reizhusten oder um einen­ produktiven Husten?

Des Weiteren gilt es, die mögliche Ursache des Hustens einzugrenzen. Besteht­ der Husten schon seit Wochen, spricht dies eindeutig gegen eine akute Erkältungskrankheit. Bei einer chronischen Bronchitis, wie sie beispielsweise bei Rauchern häufig vorkommt, sollte der Patient an den Arzt verwiesen werden­. Das gilt auch, wenn der Patient Schmerzen beim Husten hat oder hohes Fieber (>39 °C), oder der Auswurf eitrig oder blutig ist.

Zeigt sich im Beratungsgespräch, dass sich die Beschwerden für die Selbstbehandlung eignen, steht eine Vielzahl von pflanzlichen Hustenmitteln in unterschiedlichen Darreichungsformen zur Wahl.

Im Verlauf einer Erkältung quält die Betroffenen meist ein trockener Reizhusten. Dagegen helfen Antitussiva, denn sie unterbinden oder mildern den Hustenreiz. Die meisten synthetischen Antitussiva unterdrücken den Hustenreiz im Atemzentrum des Gehirns. Dagegen­ wirken die pflanzlichen Antitussiva lokal in den Bronchien. Sie überziehen die Atemwege mit einer Schicht aus pflanzlichem Schleim und schützen so die über­sensiblen Hustenrezeptoren vor Reizen.

Zu den pflanzlichen Antitussiva zählen die sogenannten Schleimdrogen wie Isländisch Moos. Dieses enthält in großer Menge wasserlösliche Poly­saccharide, die reizmildernd wirken. Der Extrakt aus Isländisch Moos wird vor allem in Form von Lutschpastillen angeboten. Des Weiteren zählen Eibisch­wurzel, Malvenblätter und -blüten sowie Huflattichblätter zu den Schleimdrogen. Huflattichblätter können unter Umständen Spuren leberschäd­licher Pyrrolizidin-Alkaloide enthalten. Deswegen sollen Zubereitungen von Huflattichblättern sicherheitshalber nicht länger als sechs ­Wochen pro Jahr angewendet werden. In der Schwangerschaft und Stillzeit sind sie kontraindiziert.

Produktives Stadium

Sonnentaukraut wirkt antitussiv sowie leicht bronchospasmolytisch. Eine andere Heilpflanze, die traditionell bei Husten eingesetzt wird, ist Spitz­wegerich. Arzneilich verwendet werden Blätter und Kraut. Die Inhaltsstoffe – Iridoidglykoside, Gerbstoffe und Saponine­ – wirken leicht reizmildernd, adstringierend und antibakteriell.

Nach dem anfänglich meist trockenen Reizhusten im Rahmen eines grippalen­ Infekts geht der Husten in ein produktives Stadium über. In diesem Stadium eignen sich Antitussiva nicht, weil sie das notwendige Ab­husten des Schleims verhindern. Allenfalls in der Nacht können sie sinnvoll sein, damit der Kranke besser schlafen kann.

Expektorantien lösen den Schleim in den Bronchien und erleichtern das Abhusten. Je nach Wirksubstanz steigern­ sie die Drüsensekretion und verflüssigen den Schleim, oder sie stimu­lieren seinen Abtransport. Pa­tienten sollten ein Expektorans vor­mittags oder am frühen Nachmittag einnehmen, damit sie den verflüssigten Schleim noch vor der Nachtruhe abhusten können.

Bei den pflanzlichen Expektorantien spielen Drogen mit ätherischem Öl eine wichtige Rolle. Die ätherischen Öle haben sowohl sekretolytische als auch sekreto­motorische Eigenschaften, manche wirken auch antibakteriell oder spasmolytisch. Wichtige Ätherisch-Öl-Drogen sind Anisfrüchte, Fenchel­früchte, Thymiankraut und Euka­lyptusblätter. Manche Husten­mittel enthalten Extrakte dieser Heilpflanzen, andere das isolierte ätherische Öl oder nur dessen Haupt­wirkstoff, wie etwa Cineol. Cineol setzt die Oberflächenspannung von Lipid­filmen herab. Somit wirkt es ähnlich wie Surfactant, die körpereigene oberflächenaktive Substanz in der Lunge. Als Myrtol® wird eine standardisierte ­Mischung von Destillaten aus Eukalyptusöl, Süßorangenöl, Myrtenöl und Zitronen­öl bezeichnet. Zu den wichtigsten Inhaltsstoffen gehören Limonen, ­Cineol und α-Pinen. Myrtol ist in GeloMyrtol®forte enthalten, es wirkt sekretolytisch und sekretomotorisch. Das Präparat ist zugelassen zur Schleimlösung und Erleichterung des Abhustens bei akuter und chronischer Bronchitis sowie zur Behandlung der Sinusitis. Für Menschen mit empfind­lichem Magen ist GeloMyrtol®forte weniger geeignet, da Magen- und Oberbauchbeschwerden zu den häufigen Nebenwirkungen zählen. Entzündliche Erkrankungen im Magen-Darm-Bereich und im Bereich der Gallenwege sowie schwere Lebererkrankungen zählen zu den Kontraindikationen.

Mit Mehrfachwirkung

Eine wichtige Heilpflanze zur Behandlung von Husten ist Efeu – der standardisierte Extrakt der Blätter ist in vielen Fertigarzneimitteln enthalten. Seine Wirkung beruht vor allem auf den enthal­tenen Triterpensaponinen. Saponine können durch ihre Oberflächen­aktivi­tät Schleim in den Bronchien ­lösen. Zudem bewirken sie indirekt über eine Reizung der Magenschleimhaut eine vermehrte Produktion von dünnflüssigem Schleim im Bronchialsystem. Für Efeublätterextrakt wurde zusätzlich nachgewiesen, dass er einen bronchodilatierenden Effekt her­vorruft und die Surfactantbildung steigert. Auch Süßholzwurzel, Primelwurzel und Wollblume zählen zu den Saponindrogen.

Thymianextrakt wirkt direkt spasmolytisch und verbessert gleichzeitig den Abtransport des Bronchialsekrets. Thymian­extrakt weist zudem eine entzündungshemmende Wirkkomponente auf. Es ist auch in fixer Kombination mit Efeu- beziehungsweise Primel­extrakt im Handel.

Der Wurzelextrakt der aus Südafrika stammenden Kapland-Pelargonie wirkt schleimlösend, immunstimulierend und antiinfektiv. Er ist in verschiedenen Darreichungsformen unter der Bezeichnung Umckaloabo® im Handel. Anwendungsgebiet ist die akute Bronchitis. Über den genauen Wirkmechanismus ist wenig bekannt. Die Effekte werden vermutlich durch die natürliche Mischung­ von Cumarinen, Catechingerbstoffen und Flavonoiden erzielt. Umckaloabo ist für Kinder ab dem ersten Lebensjahr zur Behandlung akuter Bronchitis zugelassen. Schwangere und Stillende sollten das Präparat aufgrund mangelnder Erfahrung nicht anwenden.

Bevor PTA oder Apotheker ein pflanzliches Arzneimittel empfehlen, sollten sie nachfragen, ob möglicherweise eine Allergie gegen die Heilpflanze vorliegt. Ansonsten richtet sich die Produktauswahl vor allem nach der Art des Hustens, der gewünschten Dar­rei­chungsform sowie nach persönlichen Vorlieben des Kunden­. Säfte eignen sich besonders für Kinder; Erwachsene bevorzugen meist Tabletten, Dragees oder alkoholische Tropfen. Lutsch­pastillen können ab dem Kindesalter die Behandlung ergänzen. Sehr beliebt bei vielen Patienten sind die sogenannten Husten- und Bronchialtees. In vielen Tees sind die Gehalte an wirksamen Inhaltsstoffen allerdings viel zu niedrig, so dass die Wirkung hier wohl auf einem­ Placeboeffekt beruht. Am gehaltvollsten und daher empfehlenswert sind tassenfertige Sprühextrakte mit standardisiertem Wirkstoffgehalt.

Erkältungspatienten fragen in der Apotheke häufig auch nach einem Balsam zum Einreiben der Brust. Durch die Körperwärme verdampfen daraus die ätherischen Öle und sollen wohltuend in den Atemwegen wirken. Für Säuglinge und Kleinkinder sind Menthol- und Campher-haltige Einreibungen kontraindiziert, da sie einen Stimmritzen-Kampf hervorrufen können. Geeignet für die Kleinen sind Balsame mit Kiefern­nadel- oder Eukalyptusöl. Die Alters­beschränk­ungen und Anwendung sind je nach Produkt verschieden, sodass immer die Herstellerangabe zu berücksichtigen ist. /