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Allergische Rhinitis

Symptome effektiv behandeln

12.10.2015  10:57 Uhr

Von Christina Müller / Die allergische Rhinokonjunktivitis zählt zu den häufigsten allergischen Erkrankungen. Bei etwa jedem Fünften treten im Laufe des Lebens nach Kontakt mit einem Allergen Symptome wie eine laufende Nase und juckende Augen auf. Sie manifestieren sich oft schon in der frühen Kindheit. Zur Behandlung stehen verschiedene Arzneistoffe zur Verfügung, mit denen die Beschwerden in den meisten Fällen gut kontrollierbar sind.

Die allergische Rhinitis, eine Entzündung der Nasenschleimhaut, gehört wie das Asthma bronchiale zum Formenkreis der atopischen Erkrankungen. Charakteristisch ist zunächst eine Sensibilisierungsphase, in der das Immunsystem ein Allergen als fremd erkennt und Antikörper bildet. Erst beim zweiten Kontakt mit dem Fremdstoff entzündet sich die Nasenschleimhaut in einer Immunglobulin E (IgE)-vermittelten Reaktion (siehe auch Grafik). Häufig sind auch die Augen betroffen. Die Freisetzung von Botenstoffen wie Histamin, Zytokinen und Arachidonsäure-Metaboliten fördert die Ausprägung von Symptomen wie Niesen, Juckreiz, einer verstopfen Nase sowie die Produktion von klarem Sekret.

Während die saisonale allergische Rhinitis hautsächlich zu einer bestimmten Jahreszeit auftritt und meist Pollen oder Schimmelpilze die Ursache sind, bleibt die perenniale Rhinitis das ganze Jahr über bestehen. Häufig lösen Hausstaubmilben die Beschwerden aus. Da chronische Verläufe Langzeitfolgen wie Nasenschleim­hautveränderungen, Entzündungen der Nasennebenhöhlen und des Mittelohrs, Störungen des Geruchs­sinns sowie die Entstehung eines Asthma bronchiale (Etagen­wechsel) nach sich ziehen können, erfordert die allergische Rhinitis eine konsequente Behandlung.

Auf welche Allergene ein Patient reagiert, kann der Arzt mithilfe von Hauttests überprüfen. Meist setzt er dazu den Pricktest ein. Dabei trägt er zunächst jeweils einen Tropfen verschiedener Allergenextrakte auf den Unterarm auf und sticht anschließend mit einer feinen Nadel durch die Prüfsubstanzen hindurch in die Haut. Tritt nach etwa 15 Minuten eine juckende, gerötete Schwellung auf, gilt der Test als positiv.

Betroffene sollten die allergieauslösenden Stoffe möglichst strikt meiden. Eine vollständige Karenz ist jedoch in vielen Fällen nicht möglich. Dann benötigen die Betroffenen eine effektive und verlässliche Arzneimitteltherapie. Die Auswahl der Wirkstoffe richtet sich dabei nach der Schwere der Symptome sowie nach der zu erwartenden Anwendungsdauer. So stellt etwa eine Allergie, die das ganze Jahr über besteht, eine andere Voraussetzung für die Therapie dar als saisonale Beschwerden, die nur wenige Wochen anhalten.

Antihistaminika erste Wahl

Sowohl bei der saisonalen als auch bei der perennialen Rhinitis gelten laut der Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Allergologie und klinische Immunologie orale H1-Antihist­aminika als Mittel der ersten Wahl. Die Einnahme kann sowohl bedarfsorientiert als auch regelmäßig erfolgen. Orale Antihistaminika kommen besonders dann zum Einsatz, wenn nicht nur Auge und Nasen in Mitleidenschaft gezogen sind, sondern auch der übrige Organismus. Viele Pollenallergiker schlafen zum Beispiel schlecht, sind tagsüber erschöpft und wenig belastbar. Gegen eine verstopfte Nase allein helfen sie dagegen nur bedingt. Sie heben die Wirkung von Hist­amin am Rezeptor auf und besitzen darüber hinaus teilweise einen Mastzellmembran-stabilisierenden Effekt.

Ältere Antihistaminika der ersten Generation wie etwa Diphenhydramin oder Doxylamin zeichnen sich durch eine relativ starke sedierende Komponente aus. Diese beiden Arzneistoffe sind daher nur noch als Schlafmittel und als Mittel gegen Reiseübelkeit im Handel. Clemastin (wie Tavegil®) oder Dimetinden (wie Fenistil® 24 Stunden) werden eingesetzt, wenn man neben dem antiallergischen gezielt auch einen sedierenden Effekt erzielen will, zum Beispiel nachts, um besser schlafen zu können. Mit den Antihistaminika der zweiten Generation wie Cetirizin und Loratadin – beziehungsweise ihren aktiven Metaboliten Levocetirizin und Desloratadin – stehen heute deutlich besser verträgliche Alternativen zur Verfügung. Dennoch sollten Patienten die Tabletten beziehungsweise den Saft möglichst abends einnehmen, um unerwünschte Wirkungen wie Müdigkeit am Tag zu vermeiden. Zur Anwendung in der Schwangerschaft liegen keine Studiendaten vor. Im Tierversuch zeigten einige ältere Antihistaminika jedoch ein fruchtschädigendes Potenzial.

Auch bei geriatrischen Patienten ist bei der Einnahme älterer Antihistaminika Vorsicht geboten. Durch die anticholinergen Begleiteffekte können sie bei Senioren verstärkt zentralnervöse und kardiovaskuläre Nebenwirkungen verursachen. Liegt bereits eine Prostatavergrößerung vor, kann die Einnahme Harnverhalt hervorrufen. Ältere Antihistaminika sind auch bei Glaukompatienten kontraindiziert. Dies gilt jedoch nicht für neuere Wirkstoffe, die meist keine oder nur sehr milde Nebenwirkungen haben.

Zur lokalen Anwendung sind Augentropfen und Nasensprays in der Selbstmedikation zugelassen. Sie enthalten zum Beispiel Azelastin (Vividrin® akut, Allergodil®) oder Levocabastin (Livocab® direkt). Seit April dieses Jahres sind auch Ketotifen-haltige Augentropfen (Zaditen® optha) ohne Rezept in der Apotheke erhältlich. Topische Antihistaminika eignen sich vor allem für lokal begrenzte leichte bis mittelschwere saisonale Beschwerden und sind zweimal täglich anzuwenden. Sie zeichnen sich durch einen raschen Wirkeintritt nach etwa 15 Minuten aus.

Steroide für die Nase

In der Therapie der allergischen Rhinitis haben sich Nasensprays mit Glucocorticoiden wie Beclometason (Otri-Allergie®, Ratio-allerg®, Rhinivict® nasal) bewährt. Sie gelten als eine der effektivsten Wirkstoffklassen bei dieser Indikation und rufen bei lokaler Anwendung so gut wie keine systemischen Nebenwirkungen hervor. Patienten sollten jedoch beachten, dass sich Glucocorticoid-haltige Nasensprays nicht zur Akuttherapie eignen, da ihre Wirkung erst nach mehreren Stunden eintritt. Der maximale Effekt stellt sich nach wenigen Wochen kontinuierlicher Behandlung ein. Sie kommen vor allem bei perennialen sowie bei mittelschweren saisonalen Beschwerden zum Einsatz. Bislang sind keine schädigenden Effekte auf das ungeborene Kind bei der Anwendung während der Schwangerschaft beschrieben, entsprechende Studien liegen jedoch nicht vor.

Topische Glucocorticoide lindern zwar alle nasalen Symptome deutlich, gegen juckende und tränende Augen können sie jedoch nichts ausrichten. Daher kann unter Umständen eine Kombination aus einem Antihistaminikum fürs Auge und einem Glucocorticoid-haltigen Nasenspray Vorteile bringen. Orale Glucocorticoide spielen dagegen in der Therapie der allergischen Rhinitis aufgrund des hohen Nebenwirkungspotenzials nur noch eine untergeordnete Rolle.

Die Wirkungsweise von Cromoglicinsäure und Nedocromil, die gemeinsam die Gruppe der Cromone bilden, ist bislang nicht abschließend geklärt. Ein Mastzellmembran-stabilisierender Effekt gilt als belegt, Wissenschaftler diskutieren zudem eine verminderte Produktion bestimmter Botenstoffe in den Makrophagen. Cromone weisen zwar ein geringes Nebenwirkungspotenzial auf, wirken jedoch im Vergleich zu anderen Mitteln relativ schwach und nur prophylaktisch. Zudem müssen die Patienten Cromoglicinsäure (zum Beispiel in Allergo-Comod® AT, Vividrin® Nasenspray) vorbeugend viermal täglich applizieren. Da bei Nedocromil (Irtan® Augentropfen) die zweimal tägliche Anwendung ausreicht, greifen viele Betroffene bevorzugt darauf zurück. Für die Cromone ist bisher kein teratogenes Potenzial bekannt.

Der lokale Einsatz von α-Sympa­thomimetika wie Xylometazolin oder Oxymetazolin, die etwa in abschwellenden Nasensprays enthalten sind, ist bei der allergischen Rhinitis kritisch zu hinterfragen. Die maximale Therapiedauer von sieben bis zehn Tagen reicht in der Regel nicht aus, um eine saisonale Allergie zu überbrücken.

Eine längerfristige Anwendung führt zur Gewöhnung und damit zu einer schleichenden Steigerung der Dosis. Beim Absetzen kommt es dann meist zu einem sogenannten Rebound-Effekt, also zu einem verstärkten Wiederauftreten der Symptome. Dieses Phänomen bezeichnen Mediziner in diesem Zusammenhang als medikamentöse Rhinitis oder auch Privinismus.

Wieder entwöhnen

Um die Nasenschleimhaut nach längerfristiger Anwendung eines abschwellenden Nasensprays zu entwöhnen, gibt es verschiedene Methoden. Häufig greifen die Betroffenen zunächst auf geringere Dosierungen, etwa auf Kindernasensprays, zurück. Auch der Austausch gegen ein Meerwassernasenspray ist denkbar. Klagt der Patient jedoch weiterhin über eine behinderte Nasenatmung infolge der chronisch angeschwollenen Nasenschleimhaut, hilft oft die sogenannte Einloch-Methode. Dabei sprüht der Anwender das Spray solange nur noch in ein Nasenloch, bis er durch das andere wieder befreit atmen kann. Anschließend setzt er das Spray vollständig ab.

Zur Behandlung von allergischen Symptomen ist auch das Sympathomimetikum Pseudoephedrin in Kombination mit dem Antihistaminikum Triprolidin (Rhinopront® Kombi Tabletten) zur systemischen Applikation im Handel. Ob ein Kombipräparat aus diesen Arzneistoffen gegenüber der Einnahme der Monosubstanzen Vorteile bringt, konnten Forscher in Studien bisher nicht eindeutig belegen. Durch die gefäßverengende Wirkung von Pseudoephedrin kann das Arzneimittel Nebenwirkungen wie Bluthochdruck, Herzrasen, Unruhe und Schlafstörungen hervorrufen. Pseudoephedrin wird häufig missbräuchlich verwendet und steht auf der offiziellen Verbotsliste der Welt-Antidopingagentur. Es wirkt ausschließlich gegen die nasale Obstruktion und lässt alle anderen Symptome unberührt.

Mit den beschriebenen Arzneistoffen lassen sich die Beschwerden bei allergischer Rhinitis meist effektiv lindern. Sie alle wirken jedoch symptomorientiert. Neben der Allergen-Karenz ist die Allergen-spezifische Immuntherapie SIT oder auch Hyposensibilisierung der einzige kausale Behandlungsansatz. Sie kommt dann infrage, wenn der Patient das Allergen nicht in ausreichendem Maße meiden kann oder eine medikamentöse Therapie nicht den gewünschten Erfolg gezeigt hat (lesen Sie dazu auch Hyposensibilisierung: Toleranz erlernen). /