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Kopfläuse

Das große Krabbeln

10.10.2016
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Von Claudia Timmermann / »Mein Kind hat Läuse!« So ziemlich jede PTA hat diesen Satz schon einmal in der Apotheke gehört. Denn wenn es auf den Köpfen des Nachwuchses krabbelt und juckt, wenden sich Eltern meist hilfesuchend an ihre Apotheke. Das Apo- thekenteam hat hier die Chance, sich mit umfassender Beratung zu profilieren.

Die gute Nachricht vorneweg: Läuse sind zwar zweifellos ­lästig, aber absolut ungefährlich. Kein Grund also, in Panik oder blinden Aktionismus zu verfallen. An dieser Stelle gilt es, verzweifelten Müttern und Vätern klarzumachen, dass sowohl Ekel als auch Scham fehl am Platze sind. Stattdessen helfen jetzt eine gezielte Behandlungsstrategie, aber auch Hinweise darauf, was in puncto Weiterverbreitung, Vorbeugung und Informationspflichten auf die Familie zukommt.

Jeder Kopf ist willkommen

Bei der Auswahl des Wirtes sind die ­Parasiten nicht wählerisch. Sie unterscheiden nicht zwischen guten und schlechten Köpfen – Hauptsache, es wachsen Haare darauf. Ob diese sauber oder ungewaschen, lang, kurz, lockig oder glatt sind, spielt für die Laus keine Rolle. Kurzum: Läusebefall, auch Pedikulose genannt, ist keine Frage der ­Hygiene oder der Haarbeschaffenheit. Auch Haarfarbe, Alter und soziale Herkunft des Wirtes beeinflussen die Ansteckung nicht.

Vielmehr hängt die Verbreitung der Plagegeister davon ab, wie intensiv und häufig Körperkontakt stattfindet. Diesen direkten Kontakt brauchen die Insekten, da sie sich nur krabbelnd von einem Kopf zum anderen fortbewegen und nicht – wie oft vermutet – springen oder fliegen können. Und weil Kinder ihre Köpfe beim Spielen oder Lernen vorbehaltlos zusammenstecken, krabbelt es in ihren Haaren vergleichsweise oft.

Da Läuse alle vier bis sechs Stunden eine Blutmahlzeit benötigen, verlassen sie ihren Lebensraum Kopf in der Regel nicht. Außerhalb von Haar und Kopfhaut sinken ihre Überlebenschancen auf maximal 55 Stunden. Laut ­Parasitologen ist das Ansteckungsrisiko über Gegenstände wie Bürsten, ­Mützen, Kuscheltiere oder Kissen vernachlässigbar. Weil viele Eltern trotzdem auf Nummer sicher gehen ­wollen, können PTA empfehlen, gemeinsam genutzte Gegenstände vorsichts­halber zu reinigen (siehe Kasten).

Reinigungsaktion mit Maß

  • Kämme und Bürsten mit warmem Wasser säubern.
  • Handtücher, Bettwäsche, Schlaf­anzug wechseln und möglichst bei 60 °C waschen.
  • Alles, was direkten Haarkontakt hatte – Mützen, Tücher, Schals, ­Kuschelkissen und -tiere –, wenn möglich waschen oder etwa drei Tage in eine Plastiktüte stecken. Länger können Läuse außerhalb des Wirts nicht überleben.
  • Das Desinfizieren von Polster­möbeln, Kindersitzen oder Teppichen ist nicht notwendig.

Den Läusen auf der Spur

Deutliches Anzeichen für einen Lausbefall ist oft, dass sich das Kind häufig am Kopf juckt. Der Speichel der kleinen Parasiten löst in der Regel starken Juckreiz aus. Aber auch, wenn das Kind noch keine Anzeichen zeigt, ist es sinnvoll, den Haarschopf des Kindes gründlich zu untersuchen, sobald ein Fall von Pedikulose in der Kinder­einrichtung oder im privaten Umfeld aufgetreten ist. Zum Haar- und Kopfhaut-Check empfiehlt sich die Methode des nassen Auskämmens. Dabei trägt man eine Pflegespülung auf das feuchte Haar auf. Diese bewirkt, dass sich die Haare ohne Ziepen durchkämmen ­lassen und außerdem dass sich die Läuse, sofern vorhanden, kurzzeitig nicht mehr bewegen können.

Mit einem speziellen Läusekamm durchkämmt man anschließend Strähne für Strähne von der Kopfhaut bis zu den Haarspitzen. Für langes Haar eignen sich am besten langzinkige Metallkämme, kurze Haare lassen sich besser mit kurzen Zinken bearbeiten. Nach jeder Strähne sollte man den Kamm an einem Küchenpapier abstreifen. So entdeckt man Läuse, Larven oder Läuse­eier am effektivsten.

Behandeln – aber richtig

Wer eine oder mehrere Läuse findet, sollte nicht zögern und unmittelbar mit der Entlausung beginnen. Die Kosten der Behandlung mit einem zugelassenen Läusemittel übernehmen die gesetzlichen Krankenkassen bei Kindern bis zum zwölften Lebensjahr. Wichtig ist an dieser Stelle, dass Eltern ihren Kindern keine Schuld zuweisen und ihnen stattdessen Angst und Ekel nehmen. Zur Bekämpfung von Kopf­läusen stehen mehrere Therapieoptionen zur Verfügung.

Gift für die Laus

In Deutschland als Arzneimittel zugelassen sind Insektizide mit Pyrethrum, einem Extrakt aus der Chry­santhemen-Blüte und damit verwandte, synthetisch hergestellte Substanzen wie Permethrin (wie Infectopedicul®) und Allethrin (wie Jacutin® Pedicul Spray). Diese haben eine neurotoxische und damit schließlich tödliche Wirkung auf die Parasiten. Solche Mittel haben sich über die Jahre als wirk­same Läusemittel bewährt. Allerdings sind sie wegen Resistenzbildungen und Unverträglichkeiten in die Kritik geraten. Für viele Experten sind sie daher nicht mehr Mittel der Wahl.

Physikalisch wirksam

Vielmehr sind das mittlerweile physikalisch wirksame Pedikulozide: synthetische Siliconöle wie Dimeticone (wie Nyda®, Etopril®, Dimet® 20, Jacutin® Pedicul Fluid). Diese Präparate sind als Medizinprodukte zugelassen; sie töten Läuse und Larven zuverlässig ab, indem sie deren Atemöffnungen verkleben. Die Präparate sind in der Regel gut verträglich und für den Menschen nicht toxisch, da sie nicht resorbiert werden. Bei der Abgabe Dimeticon-haltiger Mittel sollte aber der Hinweis nicht fehlen, dass diese Substanzen brennbar sind und behandelte Haare leicht entflammbar machen.

Anti-Laus-Präparate auf pflanzlicher Basis enthalten ätherische Öle, mit oder ohne pflanzliche Fettsäuren (zum Beispiel Andirobabaum-, Soja-, Ylang-Ylang-, Raps- oder Kokosöl in Rausch Laus-Stop, Aesculo® Gel, Mosquito® med Shampoo). Diese zeigen mitunter eine ähnliche neurotoxische Wirkung wie Permethrin. Einige ätherische Ölen haben allerdings auch ein allergenes Potenzial. Im Handel sind sie meist als Medizinprodukte oder Kosmetika, Studien zur Wirksamkeit gibt es daher selten bis gar nicht.

Egal, welches Mittel man verwendet, der Therapieerfolg hängt entscheidend davon ab, dass alle Behandlungsschritte konsequent und zum richtigen Zeitpunkt, also entsprechend dem Entwicklungszyklus der Läuse, durchgeführt werden (siehe Kasten). Zwar zeigen einige Untersuchungen, dass bestimmte Dimeticone (zum Beispiel in Nyda, Jacutin Pedicul Fluid) auch in Eier eindringen können und dort Lausembryonen abtöten. Doch da das nicht auf alle Präparate zutrifft, gilt generell weiter die Empfehlung, den Kopf nach spätestens acht bis zehn Tagen wiederholt mit dem jeweiligen Präparat zu behandeln. Bei dieser zweiten Behandlungsoffensive vernichtet man die Larven, die aus den Eiern geschlüpft sind, die die erste Therapie überstanden haben.

Entwick­lungszyklus der Laus

Läuseeier

  • Aussehen: circa 0,8 Millimeter große, tropfenförmige Gebilde von gelblich-brauner Farbe
  • Eiablage: direkt am Haaransatz, meist im Nackenbereich oder hinter den Ohren
  • Schutz: Chitin-Hülle
  • Entwicklung: sechs bis zehn Tage
  • Nissen sind leere Eihüllen. Sie enthalten keine entwicklungsfähigen Eier mehr.

Larven

  • Aussehen: kleiner als erwachsene Läuse
  • Entwicklung: schlüpfen aus den Eiern und wachsen in neun bis elf Tagen zur geschlechts- reifen Laus heran
  • Fortbewegung: krabbelnd
  • Übertragung: verlässt den Kopf des Wirtes frühestens nach der ersten Lebenswoche; davor keine Ansteckungsgefahr

Laus (Pediculus humanus captus)

  • Aussehen: etwa 2 bis 3 Millimeter großes, flügelloses Insekt
  • Entwicklung: aus dem Ei über das Larvenstadium in circa 20 Tagen
  • Lebensdauer: etwa vier Wochen; außerhalb eines Wirts maximal 55 Stunden
  • Eiablage: fünf bis zehn Eier täglich durch das befruchtete Weibchen
  • Fortbewegung: krabbelnd
  • Übertragung: von Kopf zu Kopf
  • Nahrung: menschliches Blut

An die Therapie mit Insektizid oder Pedikulozid schließt sich in jedem Fall das Auskämmen der nassen Haare mit einem engzinkigen Läusekamm an. Auf diese Weise lassen sich nicht nur die abgetöteten Läuse und Larven entfernen. Man erwischt zudem auch eine Vielzahl an Läuseeiern.

Fehler bei der Anwendung

Die Eltern sollten sich bei der Behandlung unbedingt an die Angaben in der Packungsbeilage halten. Bei der Beratung sollten PTA oder Apotheker sie auf klassische Anwendungsfehler aufmerk­sam machen, die den Behandlungserfolg einschränken können. Dazu gehört zum Beispiel, auf eine ausreichend lange Einwirkzeit und gleichmäßige Verteilung des Läusemittels auf den Haaren hinzuweisen.

Gerne wickeln Eltern ihren Kindern auch ein Frottee-Handtuch um den Kopf, damit das aufgetragene Präparat besser wirken kann. Doch genau das Gegenteil ist der Fall: Der weiche Stoff saugt die Feuchtigkeit und damit auch den Wirkstoff aus den Haaren. Auch Sparsamkeit hat ihren Preis: Wer mit dem Anti-Laus-Präparat geizt, geht das Risiko ein, die Plage auf lange Sicht nicht loszuwerden und andere anzustecken.

Häufig begleitet starkes Kopfjucken den Läusebefall. Besonders kleinere Kinder kratzen, bis die Kopfhaut blutet. In diesem Fall sollte ein Kinderarzt entscheiden, ob ein Pyrethrum-haltiges beziehungsweise vergleichbares Mittel oder besser eine ölige Substanz zum Einsatz kommt. Bei mit Bakterien infizierten Wunden entscheidet der Mediziner zudem, ob sich eine lokale ­antibiotische Therapie anschließen sollte. Die Entscheidung, welches Präparat für Säuglinge infrage kommt, sollte man ebenfalls einem Arzt überlassen.

Während der Schwangerschaft und Stillzeit gilt der Wirkstoff Dimeticon als Mittel der Wahl. Auf ihn sollten auch diejenigen zurückgreifen, die allergisch auf Chrysanthemen-Blüten-Extrakte oder verwandte Substanzen reagieren.

Rascher Informationsfluss

Hinweise zu rechtlichen Gegebenheiten gehen zwar über die pharmazeutische Beratung in der Apotheke hinaus. Eltern betroffener Kinder zeigen sich aber meist sehr dankbar dafür. So haben sowohl Erziehungsberechtigte als auch Kita und Schulen eine im Infektionsschutzgesetz verankerte Informationspflicht. Selbstverständlich sollte sein, dass Eltern die jeweilige Einrichtung, die ihr Kind besucht, unverzüglich über den Läusebefall in Kenntnis setzen. Umgekehrt sind Kindertagesstätten verpflichtet, Eltern und das Gesundheitsamt sofort zu informieren, sobald Läuse bei einem Kind entdeckt wurden.

Kein Attest notwendig

Ebenso sollten Mütter und Väter allen Personen Bescheid geben, die mit dem betroffenen Kind unmittelbaren Kontakt hatten. Ein Hinweis: Der Nachwuchs benötigt kein ärztliches Attest, das die Läusefreiheit bescheinigt, um Schule oder Kindergarten wieder besuchen zu können. In der Regel genügt die mündliche oder schriftliche Bestätigung von elterlicher Seite, eine Anti-Läuse-Behandlung korrekt durchgeführt zu haben, und dass dadurch von dem Kind keine Über­tragungsgefahr mehr ausgeht. /

Effektives Behandlungsschema

Tag 1: nach Identifizierung der Parasiten Behandlung mit einem Anti-Läusepräparat; anschließend Auskämmen der nassen Haare mithilfe eines geeigneten Läusekamms; Pflegespülung verwenden!

Tag 4 bis 5: Haare anfeuchten, Pflegespülung auftragen und Nissen sowie eventuell bereits geschlüpfte Larven mit Läusekamm auskämmen.

Tag 8 bis 10: zweite Behandlung mit Läusemittel, um Larven abzutöten, die seit erster Anwendung geschlüpft sind.

Tag 13: Läusekontrolle durch nasses Auskämmen

Tag 17: Läusekontrolle durch nasses Auskämmen