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Pembrolizumab

Länger leben mit Lungenkrebs

10.10.2016
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Von Elke Wolf, Frankfurt am Main / Für Patienten mit fortge-schrittenem Lungenkrebs gibt es keine gute Prognose. Beim nicht ­kleinzelligen Lungenkarzinom leben fünf Jahre nach der Diagnose noch weniger als 20 Prozent der Patienten. Hoffnung setzen Onkologen nun in die Immuntherapie mit Pembrolizumab.

Experten sind sich einig, dass so­genannte Checkpoint-Inhibitoren die Behandlung bestimmter Tumorarten relevant verändern werden. Sie sind im Allgemeinen besser verträglich und die Patienten leben laut bisherigen ­Studienergebnissen länger. Immuntherapeutika greifen im Gegensatz zu herkömmlichen Zytostatika weniger den Tumor direkt an, sondern versetzen das körpereigene Immunsystem in die Lage, verstärkt selbst gegen den Krebs zu kämpfen. Sie blockieren bestimmte Signalwege, sogenannte Checkpoints, die das Immunsystem sonst ausbremsen.

Gehemmte Immunantwort

Ein wichtiger Checkpoint ist etwa der PD-1 (Programmed cell death 1)-Rezeptor, der hauptsächlich auf der Oberfläche aktivierter T-Zellen exprimiert wird. Indem die Liganden PD-L1 und ­PD-L2 anbinden, wird die zytotoxische T-Zell-Immunantwort gehemmt. Das ist physiologisch sinnvoll, um eine überschießende Antigen-induzierte Aktivierung und Proliferation von ­T-Zellen zu verhindern und die Selbsttoleranz aufrechtzuerhalten. Allerdings missbrauchen Tumorzellen diesen ­Signalweg, indem sie ebenfalls die beiden Liganden auflegen. So wird die ­Immunzelle daran gehindert, die Krebszelle zu attackieren. Die Tumorzelle entgeht so der Kontrolle des Immunsystems.

Pembrolizumab ist ein humanisierter monoklonaler PD-1-Antikörper. Durch die Bindung an den PD-1-Rezeptor verhindert er dessen Wechsel­wirkung mit PD-L1 und PD-L2 und ermöglicht so, dass zytotoxische T-Zellen Tumorzellen wieder erkennen und ­attackieren können. »Durch Pembrolizumab wird die Tumorzelle für das ­Immunsystem wieder sichtbar und ­verliert ihre Tarnkappe«, erklärte Professor Dr. Martin Reck von der Lungenklinik Großhansdorf bei einer Pressekonferenz des Herstellers MSD Sharp & Dohme.

Die Stärkung des Immunsystems macht sich klinisch bemerkbar: »Mit Checkpoint-Inhibitoren wie Pembrolizumab erzielen wir Ansprech- und Überlebensraten, die bis vor Kurzem noch undenkbar waren.« Ein signifikanter Überlebensvorteil von mehreren Monaten war es auch, der Pembrolizumab (Keytruda®) kürzlich die Zu­lassungserweiterung für die Behandlung des lokal fortgeschrittenen oder metastasierenden nicht kleinzelligen Lungenkarzinoms (non small cell lung cancer, NSCLC) mit PD-L1 exprimierenden Tumoren nach vorheriger Platin-Chemotherapie eingebracht hat. ­Bislang war Keytruda in Deutschland nur als Monotherapie zur Behandlung des fortgeschrittenen Melanoms zugelassen. Sowohl der fortgeschrittene Lungenkrebs als auch der schwarze Hautkrebs zählen zu den häufigsten und aggressivsten Tumorarten überhaupt.

Biomarker im Vorfeld

Die Therapie mit Pembrolizumab ist nur für Betroffene geeignet, deren Lungenkrebszellen PD-L1 exprimieren. Ein Biomarkertest auf PD-L1 im Vorfeld klärt ab, ob der jeweilige Patient für diese Art der Immuntherapie infrage kommt. Mit Biomarkern lässt sich also abschätzen, ob eine bestimmte Therapie für den Patienten überhaupt wirksam sein kann oder nicht. Die Pembrolizumab-Zulassungsstudie zeigt, dass die Patienten umso besser auf den Antikörper ansprechen, je mehr PD-L1 sie auf ihren Lungenkarzinomzellen exprimieren. Besonders die Patienten mit einer hohen Tumor-PD-L1-Expression von 50 Prozent und mehr profitieren von Pembrolizumab.

Die Klassifizierung des Lungen­karzinoms erfolgt zunehmend anhand von Biomarkern. ALK, EGFR, KRAS und PD-L1 sind häufige prädiktive Bio­marker. Etwa 60 Prozent der NSCLC-Patienten seien PD-1-positiv, wobei die Expressionsrate unterschiedlich stark ausgeprägt sein kann, informierte Reck.

Der Onkologe hob hervor, dass die Immun- im Vergleich zur Chemotherapie besser verträglich ist. Allerdings sorge der Antikörper dafür, dass einige Patienten sogenannte immunbe­zogene Nebenwirkungen bekommen. ­Da­zu zählen Lungenentzündungen oder ­Veränderungen im Schilddrüsen-­Hormonhaushalt. Diese sein aber gut zu behandeln. /