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Erkältung bei Kindern

Luft für kleine Schniefnasen

10.10.2016
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Von Kornelija Franzen / Halsschmerzen, Husten, Schnupfen – eine Erkältung trifft Kinder im Durchschnitt sechs bis zehn Mal pro Jahr. Das ist völlig normal und nicht weiter besorgniserregend – wären da nicht die lästigen Begleiterscheinungen, die den kleinen Patienten mächtig zusetzen. Gut, dass PTA und Apotheker mit Fachkompetenz und guten Tipps helfen.

Erkältungen gehören zum Großwerden dazu. In den ersten Lebensjahren befindet sich das kindliche Immunsystem in einem permanenten Trainingszustand. Es trifft auf eine Vielzahl unbekannter Krankheitserreger und muss sich erstmals gegen sie zur Wehr setzen. Ins­besondere die mehr als 200 verschiedenen Erkältungsviren, die durch Tröpfcheninfektion und damit leicht von Mensch zu Mensch übertragen werden, stellen die Abwehr immer wieder auf die Probe. Leichtes Spiel haben sie überall dort, wo Kinder eng zusammenkommen, etwa in Kitas und Schulen. Besonders ansteckend sind die kleinen Patienten zu Beginn der Erkrankung. Das heißt aber nicht, dass für die restliche Zeitspanne Entwarnung gegeben werden kann. Prinzipiell ist jedes erkrankte Kind bis zum Abklingen der Symptome ansteckend. Durch Husten, Niesen und Schnäuzen wird über einen Zeitraum von 10 bis 14 Tagen infek­tiöses Sekret ausgeschieden.

Symptome lindern

Eine kausale Therapie gibt es bei grippalen Infekten nicht. Die große Mannigfaltigkeit und die Geschwindigkeit, mit der sich Erkältungsviren ver­ändern, macht – zumindest nach heutigem Kenntnisstand – eine Impfung unmöglich. Die Behandlung kann daher ausschließlich symptom­orientiert erfolgen.

 

In den ersten Tagen setzen meist Halsschmerzen und Schluckbeschwerden den erkälteten Kindern zu. Wohltuend und symptomlindernd wirken hier ein wärmender Schal, ein weicher Roll­kragen oder ein Kirschkernkissen auf dem Brustbein. Alternativ kann den ­Eltern auch die Anwendung natur­belassener Schafwolle, Heilwolle genannt, empfohlen werden. Dabei wird etwas Wolle auf den Hals oder die Brust gelegt und mit einem Tuch fixiert. Heilwolle wirkt wärmend, denn die kleinen Wollhärchen reizen die Haut und k­urbeln die Durchblutung an. Dem enthaltenen Wollfett (Lanolin) werden ­zudem entzündungshemmende Eigen­schaften zugesprochen.

 

Neben der Anwendung von Wärme, gilt es bei Halsschmerzen, die Schleimhäute feucht zu halten. Eltern sollten ihren Kindern daher regelmäßig etwas zu trinken anbieten. Geeignet sind Wasser, Brühe (vor allem Hühner­brühe), warme Milch mit Honig und Arzneitees. Eibischwurzel (Cave: Kaltauszug herstellen), Isländisch Moos, Malvenblätter und -blüten sowie Spitzwegerichblätter enthalten pflanzliche Schleimstoffe, die sich – einer Schutzschicht gleich – beruhigend auf die ­gereizten Epithelien legen. Ein weiteres Plus dieser Arzneidrogen ist ihr vergleichsweise guter Geschmack. Ganz im Gegensatz zu den gut wirksamen, aber eher bitter schmeckenden Salbeiblättern. Sie spielen in der Kinderheilkunde eine eher untergeordnete Rolle.

 

Mit Neo angin® junior Halsschmerzsaft (mit Isländisch Moos und Malven­blüten) steht ein pflanzliches Präparat zur Linderung von Halsschmerzen bei Kleinkindern ab einem Jahr zur Ver­fügung. Für ältere Kinder eignen sich beispielsweise Isla® junior Pastillen mit Isländisch Moos oder Ipalat® mild Hals­pastillen mit Extrakten aus Anis, ­Fenchel und Honig.

 

Eltern, die auf homöopathische ­Präparate vertrauen, kann Tonsipret® (Tabletten oder Tropfen, ab einem Jahr) empfohlen werden.

 

Schmerz weglutschen

Lutschtabletten und -pastillen sind weitere Optionen zur Behandlung von Halsschmerzen – sie eignen sich ­allerdings erst, wenn die Kinder kon­trolliert lutschen können. Das ist etwa ab vier oder fünf Jahren der Fall. Bei jüngeren Kindern ist die Gefahr des Verschluckens oder der Aspiration zu groß. Das Lutschen regt den Speichelfluss an und sorgt für eine Befeuchtung der Rachenschleimhäute. Durch den Zusatz hygros­kopischer Stoffe wie Hyaluronsäure, Xanthan oder Carbomer (beispielsweise in GeloRevoice®, Isla® med hydro+, beide ab sechs Jahren) wird der wasser­bindende Effekt noch gesteigert.

 

Bei ausgeprägten Halsschmerzen und starken Schluckbeschwerden ­können PTA und Apotheker zur Anwendung von Lutschtabletten mit anti­septischen Substanzen wie Amyl­metacresol und 2,4-Dichlorbenzylalkohol (wie in Neo-Angin® Halstabletten, ab sechs Jahren) raten. Gerne werden dabei betäubende und desinfizierende Wirkstoffe kombiniert (wie Dolo-Dobendan®, ab sechs Jahre). Halsschmerzpräparate mit dem antibiotisch wirksamen ­Tyrothricin (wie in Lemocin® und Dorithricin®) wurden bisher eher kritisch bewertet, da man ihnen keinen Mehrwert bei der Behandlung viraler Infektionen zusprach. Es gibt ­allerdings neue Studienergebnisse, die eine dosis­abhängige antivirale Wirkung bei Dorithricin-Tabletten gezeigt haben.

Schnupfen ade

Schnupfen ist lästig, egal ob die Nase läuft oder verstopft ist. Für eine freie Nasenatmung sorgen Rhinologika mit abschwellenden Wirkstoffen, die es in unterschiedlicher Dosierung für alle ­Altersgruppen gibt. Bei der Abgabe von Präparaten mit gefäßkontrahierenden α-Sympathomimetika wie Xylometazolin und Oxymetazolin ist zur Ver­meidung von Gewöhnungseffekten ausdrücklich auf eine Anwendungsdauer von maximal sieben Tagen hinzuweisen. Es gibt auch Kombinationen mit pflegendem Dexpanthenol (zum Beispiel Nasic® für Kinder). Zubereitungen mit ­hypertoner Salzlösung (zum Beispiel Wick® Vapospray, hysan® Salinspray) wirken ebenfalls abschwellend. Sie nutzen das osmotische Prinzip. Die Gefahr eines Rebound-Effektes besteht hier nicht.

 

Fieberfrei

Anders als bei Erwachsenen geht ein grippaler Infekt bei Kindern häufig mit Fieber einher. Neigt das Kind nicht zu Fieberkrämpfen, sollten die ­Eltern zunächst Ruhe bewahren und erst bei Überschreiten von 39°C kind­gerechte Antipyretika wie Paracetamol oder Ibuprofen einsetzen.

 

Alternativ bietet sich die Anwendung von Wadenwickeln an. Das dabei verdunstende Wasser entzieht dem überhitzten Körper überschüssige Wärmeenergie. In jedem Fall sollten fiebernde Kinder ausreichend trinken, um den durch das Schwitzen verursachten Wasserverlust auszu­gleichen. Noch ein Wort zum richtigen Fiebermessen: Bei Kindern unter drei Jahren sollte die Körpertemperatur am besten ­rektal bestimmt werden, denn das ­liefert die genauesten Ergebnisse. ­Messen mit dem Ohrthermometer ist aufgrund des engen Gehörganges für ­diese Altersstufe ungeeignet und empfiehlt sich erst ab dem vierten Lebensjahr. Außerdem sollte stets bedacht werden, dass der im Ohr, unter der Zunge oder an der Stirn gemessene Wert etwa 0,5°C nie­driger als die rektal gemessene Körper­temperatur liegt.

 

Abhusten erleichtern

Die mittlere Erkältungsphase ist durch einen produktiven Husten gekennzeichnet. Auswurffördernde Arzneimittel, Expektoranzien genannt, unterstützen das Immunsystem bei seinen Bemühungen, den Erreger aus dem Körper zu befördern, und helfen, festsitzenden Schleim zu verflüssigen.

 

Neben chemischen Expektoranzien wie N-Acetylcystein und Ambroxol können Eltern auf zahlreiche etablierte Phytopharmaka zurückgreifen. Sie sind vielfach bereits im Säuglingsalter zugelassen. Extrakte aus Primel­wurzel wirken auswurffördernd, Thymiankraut- (wie in Aspecton® Saft; Tussamag® Hustensaft N) und Efeublätter-Extrakte (wie in Prospan® Saft) besitzen ­zusätzlich bronchospasmolytisches Potenzial. Kombinationspräparate nutzen synergistische Effekte (zum Beispiel Bronchicum® Elixir, Saft mit Thymian und Primelwurzel; Bronchipret® Saft mit Thymian und Efeu).

 

1,8-Cineol (Hauptbestandteil von Eukalyptusöl) in Soledum® Kapseln ­Junior wird als entzündungshemmendes und schleimlösendes Präparat bei Erkältungen, insbesondere bei Bronchitis sowie bei entzündeten Nasen- und Stirnnebenhöhlen bei Kindern von zwei bis zwölf Jahren angewendet. Ebenfalls bewährt bei Katarrhen der Neben­höhlen ist Sinupret® Saft (zugelassen ab einem Jahr). Es handelt sich dabei um eine standardisierte Mischung, bestehend aus fünf verschiedenen Arzneipflanzen. Bei entzündlichen Bronchialerkrankungen hat sich auch der Wurzel-Extrakt der Kapland-Pelargonie etabliert (wie in Umckaloabo® Saft, oder Tropfen, ab einem Jahr).

Einen hohen Stellenwert bei der Behandlung grippaler Infekte haben ­Erkältungsbäder, -inhalationen und -salben auf Basis ätherischer Öle wie Eukalyptus-, Kiefernadel-, Myrten- oder Thymianöl. Aber Achtung: Kampfer und Menthol können bei Babys und Kleinkindern einen gefährlichen Stimm­ritzenkrampf auslösen. Für Kinder unter zwei Jahren sind daher ausschließlich kampfer- und mentholfreie Zu­bereitungen geeignet (zum Beispiel Babix®, Eucabal® Balsam S).

 

Warmer Wasserdampf, so wie er bei Bädern und Inhalationen entsteht, ­befeuchtet die Atemwege und löst festsitzendes Sekret. Er unterstützt so die Wirkung expektorierender Pflanzen­öle. Aufgrund der Verbrühungs­gefahr eignen sich klassische Inhala­tionen nicht für Kleinkinder. Selbst Schulkinder sollten niemals ohne Aufsicht inhalieren. Spezielle Vernebler (wie PariBoy®) können allerdings bereits bei Säuglingen mit spezieller Baby-Maske zum Lösen festsitzenden Schleims empfohlen werden. Um die empfindlichen Atemwege nicht zu reizen, sollten die Kleinsten dabei zunächst ohne ätherisches Öl, nur mit isotonischer Kochsalzlösung, inhalieren. Optimal sind dreimal täglich fünf bis zehn Minuten.

 

Reizstillend

Während eines grippalen Infekts werden die Schleimhäute der Atemwege stark beansprucht – ein trockener Reizhusten entsteht. Auch hier bietet sich der Einsatz reizlindernder Schleimdrogen (wie in Aspecton® Junior Hustenstiller mit Isländisch Moos, ab einem Jahr; Broncho-Sern® mit Spitzwegerichblättern, ab zwei Jahren; Phytohustil® Sirup mit Eibischwurzel, ab einem Jahr) an.

 

Daneben kann im Rahmen der Selbstmedikation des unproduktiven Reizhustens auch auf das zentrale Antitussivum Pentoxyverin zurückgegriffen werden (wie in Silomat® Saft, Sedotussin® Hustenstiller Saft, beide ab zwei Jahren zugelassen). Die Einnahme ohne ärztliche Anweisung ist auf einen Zeitraum von zwei bis längstens drei Wochen beschränkt. Ein Tipp: Die Einnahme zentral wirksamer Antitussiva kann insbesondere zur Nacht sinnvoll sein, denn sie beschert den Kindern einen erholsamen Schlaf. Bei produktivem Husten ist dies aufgrund der Gefahr eines Sekretstaus durch zentrale Hemmung des Husten­reflexes allerdings kontraindiziert.

 

Starke Abwehr

Ein starkes Immunsystem kann Kinder zwar nicht gänzlich vor grippalen Infekten bewahren, mildert aber die Symptome und verkürzt die Dauer. Das A und O einer guten Abwehr sind eine abwechslungsreiche, aus­gewogene und vitaminreiche Kost, ausreichend Schlaf und nicht zuletzt viel frische Luft.

 

Das pflanzliche Präparat Imupret® mit Extrakten aus Eibischwurzel, ­Kamillenblüten, Schachtelhalmkraut, Wal­nuss­blättern, Schafgarbenkraut, ­Eichenrinde und Löwenzahnkraut ­(Lö­sung geeignet für Kinder ab zwei Jahren) sowie das homöopathische Komplexpräparat Meditonsin® (Lösung und Globuli ab sieben Monaten) sollen die Abwehr stärken und damit insgesamt Erkältungssymptome mildern. Heiß­getränken oder Lutschtabletten mit Vitamin C und Zink werden ähnliche Effekte zugesprochen. /

Prävention

Prävention

  • Ausgewogene, vitaminreiche Kost
  • Ausreichend Schlaf und Bewegung an der frischen Luft
  • In der Erkältungszeit Hände häufig waschen
  • Räume nicht überheizen und regelmäßig stoßlüften
  • In die Armbeuge husten und niesen, um andere nicht anzustecken


Wann zum Arzt?

  • Erkältungen bei Kindern < 2 Jahren immer ärztlich abklären lassen.
  • Wenn hohes Fieber länger als zwei bis drei Tage anhält
  • Wenn Fieber trotz Antipyretikum kaum sinkt
  • Wenn Atemnot und starke Schmerzen (Ohren, Hals) auftreten
  • Wenn das Kind Essen und Trinken komplett verweigert
  • Wenn nach fünf bis sieben Tagen keine Besserung feststellbar ist