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ARMIN

Mehr als ein Medikationsplan

10.10.2016
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PZ / Es ist schon bemerkenswert: Endlich gibt es den lang er­warteten Medikationsplan, die Freude darüber ist aber verhalten. Dabei bestreitet wohl kaum jemand, dass ein Medikationsplan grundsätzlich sinnvoll ist. Denn immer mehr Patienten nehmen regelmäßig drei oder mehr verordnete Arzneimittel ein.

Warum also die mäßige Zufriedenheit von Ärzten, Apothekern und anderen Gesundheitsexperten? Vermutlich liegt es daran, dass die meisten Beteiligten den Medikationsplan zwar grundsätzlich begrüßen, gleichzeitig aber der Meinung sind, dass es eine bessere Lösung gegeben hätte.

Immerhin: Patienten, die regelmäßig mindestens drei verschreibungspflichtige Arzneimittel einnehmen, haben seit dem 1. Oktober Rechtsanspruch auf einen standardisierten Medikationsplan von ihrem behandelnden Hausarzt. So sieht es das E-Health-Gesetz für alle gesetzlich Versicherten vor. Auf den ersten Blick scheint dieser bundeseinheitliche Medikationsplan dem der Arzneimittelinitiative Sachsen-Thüringen (ARMIN) zu gleichen. Laut ABDA bietet ARMIN jedoch deutlich mehr als der Plan von Gesundheitsminister Hermann Gröhe. ARMIN zeigt, was heute schon möglich ist und bald vermutlich Standard sein wird. Anstelle von Papier nutzen die an ARMIN beteiligten Apotheker und Ärzte gut gesicherte Festplatten als Speichermedium.

Beim Medikationsplan dagegen haben die Ärzte das Zepter in der Hand. Nur sie werden für ihre Leistungen honoriert. Die Apotheker sind zwar dazu verpflichtet, den Plan auf Wunsch der Patienten zu ergänzen. Vergütet wird diese Dienstleistung aber nicht. Es kann sich deshalb niemand ernsthaft darüber wundern, wenn die Apotheker nur ihre Pflichten erfüllen und sich am gesetzlichen Minimum orientieren.

Die Bundesregierung scheint diese Unterschiede zu negieren und an der Rolle der Apotheker als Handlanger festzuhalten. Dabei fordert sogar der Spitzenverband der Fachärzte, die Apotheker einzubinden. Spätestens an dieser Stelle hätte das Ministerium bemerkt haben können, auf dem Holzweg zu sein. Ärzte neigen nicht dazu, ohne Not um Apothekers Hilfe zu bitten. Beim Medikationsplan haben sie Zweifel, ob sie allein zurechtkommen. Das sollte die Bundesregierung hellhörig machen. Ein Medikationsplan, in dem Apotheker nur Juniorpartner sind, ist und bleibt Stückwerk.

Da nützt es auch nicht, dass das Ministerium Gemeinsamkeiten bei beiden Medikationsplänen erkennt. Tatsache ist, dass es erhebliche Unterschiede gibt. Während bei ARMIN die Daten auf einem Medikationsplanserver im Sicheren Netz der Kassenärztlichen Vereinigung (SNK) hinterlegt und jederzeit vom Arzt und einem ausgewählten Apotheker einsehbar sind, wird der bundeseinheitliche Medikationsplan zunächst nur in Papierform vorliegen. Er wird dem Patienten ausgehändigt, nachdem er allein vom Arzt erstellt wurde. Der Apotheker als der eigentliche Experte für Arzneimittel bleibt außen vor. Er darf den Medikationsplan nur dann ergänzen, wenn dies der Patient ausdrücklich wünscht.

Für die ABDA ist der Medikationsplan deshalb die schlechtere Alterna­tive. Die tatsächliche Verbesserung der Arzneimitteltherapiesicherheit setze einen vollständigen Medikationsplan zwingend voraus. Die Stammapotheke des Patienten spielt nur eine untergeordnete Rolle. Dabei habe nur sie den kompletten Überblick über alle haus- und fachärztlich verordneten Medikamente sowie die rezeptfreie Selbstmedikation des Patienten. Auch seitens der Ärzte sei es für den Patienten wichtig, einen Ansprechpartner zu haben, der seine komplette Medikation kennt und ihn beraten kann. /