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Oktober

Neues Mittel für Parkinson-Patienten

10.10.2016
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Von Sven Siebenand / Anfang Oktober kam mit Opicapon (Ongentys® Hartkapseln, Bial) ein neuer Wirkstoff für Patienten mit Morbus Parkinson auf den Markt. Es handelt sich dabei um ein typisches Add-on-Therapeutikum. Opicapon hat den gleichen Wirkmechanismus wie andere bereits verfügbare Parkinson- Arzneistoffe.

Wie Entacapon und Tolcapon ist auch Opicapon ein Hemmstoff der Catechol-O-Methyltransferase (COMT). Dieses Enzym spielt eine wichtige Rolle beim Abbau des Parkinsonmittels L-DOPA zu einem unwirksamen Metaboliten. Wird COMT gehemmt, wird der L-DOPA-Plasmaspiegel erhöht und das Ansprechen auf L-DOPA verbessert sich.

End-of-dose-Fluktuationen

Bei vielen Parkinson-Patienten kommt es im Verlauf der Therapie dazu, dass L-DOPA einige Stunden nach der Einnahme schon nicht mehr wirkt. Das kann auch der Fall sein, wenn sie zusätzlichen einen peripheren DOPA-Decarboxylasehemmer wie Carbidopa oder Benserazid einnehmen. Die Patienten sind dann zum Beispiel nachts oder frühmorgens von Bewegungsarmut betroffen. Mediziner sprechen von moto­rischen End-of- dose-Fluktuationen. Der neue Wirkstoff Opicapon darf Patienten mit solchen Fluktuationen als Zusatztherapie verordnet werden, wenn die Gabe von L-DOPA plus Carbidopa oder Benserazid allein nicht zur Stabilisierung des Zustands führt.

Die empfohlene Dosis beträgt 50 mg pro Tag. PTA und Apotheker können dazu raten, die Kapseln einmal täglich beim Zubettgehen, mindestens eine Stunde vor oder nach dem L-DOPA-Kombinationspräparat einzunehmen. Da Opicapon die Wirkungen von L-DOPA verstärkt, ist in den ersten Tagen bis Wochen nach Beginn der Therapie mit Ongentys häufig eine Anpassung der L-DOPA-Dosierung notwendig. Ärzte können die L-DOPA-Tagesdosis zum Beispiel durch Verlängerung des Dosierungsintervalls und/oder Reduktion der pro Dosis eingenommenen Menge an L-DOPA anpassen.

Ärzte sollten darauf achten, dass bei Patienten mit mäßigen Leberfunktionsstörungen eine Dosisanpassung für Opicapon erforderlich sein kann. Für Patienten mit einer schweren Störung dieser Organfunktion wird der neue Wirkstoff gar nicht empfohlen.

Eine Kontraindikation ist zum Beispiel die gleichzeitige Anwendung von MAO-Hemmern. Keine Regel ohne Ausnahme: MAO-Hemmer, die im Rahmen der Parkinson-Therapie eingesetzt werden, etwa Rasagilin und Selegilin, dürfen aber angewendet werden.

Interaktionen möglich

In Sachen Wechselwirkungen ist unter anderem zu beachten, dass es nur begrenzte Erfahrungen zur gleichzeitigen Anwendung von Opicapon und trizyklischen Antidepressiva beziehungsweise Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmstoffen gibt und deshalb entsprechende Vorsicht geboten ist. Zudem ist Opicapon ein Hemmer des Enzyms CYP2C8. Arzneimittel, die darüber verstoffwechselt werden, sollten möglichst nicht mit dem neuen Parkinson-Wirkstoff kombiniert werden.

Sehr häufig kam es bei Patienten in Studien unter Opicapon zu Dyskinesien, also Störungen im Bewegungsablauf. Häufig waren zudem Halluzinationen, Schwindel, Kopfschmerz, Mundtrockenheit sowie Obstipation und Erbrechen.

Laut Fachinformation wird die Opicapon-Einnahme Schwangeren und Frauen im gebärfähigen Alter, die nicht verhüten, nicht empfohlen. Das Stillen sollten Mütter während der Behandlung mit Ongentys unterbrechen. /