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Arzneipflanzenporträt

Jojobastrauch

Simmondsia sinensis, auch Simmondsia chinensis genannt
Familie der Simmondsia (Simmondsiaceae)
Annette Immel-Sehr
13.10.2017
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Merkmale

  • Immergrüner reich verzweigter Strauch, bis zu 2 m hoch, ledrige Laubblätter, bis zu 10 m lange Pfahlwurzel, hellbraunes Holz mit glatter Rinde, zweihäusig getrenntgeschlechtig
  • männliche Blüten: gelb, 3 bis 4 mm groß, traubig stehend
  • weibliche Blüten: klein, unscheinbar hellgrün; eiförmige, pflaumengroße Kapselfrüchte beinhalten bis 1,5 cm große, braun runzlige Samen mit harter Schale
  • Jojobastrauch kann bis zu 200 Jahre alt werden

Heimat

Halbwüsten und Wüsten Mittelamerikas;

Anbau in USA, Israel, Indien, Kenia, Peru, Argentinien und Australien

Verwendete Pflanzenbestandteile

  • flüssiger Wachs aus den Samen (Schmelzpunkt: 7 °C)
  • auch als Jojobaöl bezeichnet
  • ölige, klare, gelbe Flüssigkeit, fast geruchlos

Jojobawachs enthält:

  • Ester primärer Alkohole und Monocarbonsäuren mit 38 bis 44 C-Atomen
  • Vitamin E
  • Betacarotin
  • Mineralstoffe
  • Simmondsin (cyanogenes Glykosid)
  • ungesättigte Fettsäuren und Fettalkohole

Anwendung

  • in der Volksmedizin der Indios lokal zur Wundbehandlung, gegen Kopfschmerzen sowie als Haarwuchsmittel
  • als Rezeptursubstanz für Salben und Cremes in der Dermatologie und Kosmetikherstellung
  • als Grundlage von Pflegewachsen für Möbel- und Auto­- ­polituren und Schmiermittel für Präzisionsinstrumente

Abgabehinweis

Jojobawachs darf nicht in Lebensmitteln verwendet werden. In Tierversuchen lagerte sich Jojobawachs aus dem Futter in Dünndarm und Leber ein und führte zur Zerstörung von Zellen. Außerdem gelangten Wachsester in die Lymphflüssigkeit.

Eigenschaften des Jojobawachs

  • sehr gute Spreitung und deshalb angenehm anzuwenden
  • Hautglättend und pH-Wert-stabilisierend
  • Als Wachs wird es durch die hauteigenen Lipasen nicht gespalten und kann so die Hornschicht lang­anhaltend vor Wasserverlust schützen
  • natürlicher Lichtschutzfaktor von 3 bis 4
  • verleiht schuppigem, trockenem und sprödem Haar einen schönen Glanz
  • unempfindlich gegenüber Oxidation, daher ohne Zusatz von Konservierungsstoffen bis zu zehn Jahre haltbar

Historisches

Die Kosmetikhersteller in Europa entdeckten Jojobawachs in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts, als die Be­hörden zum Schutz der Pottwale den Einsatz von Walrat (Cetaceum) untersagten.

Auch in den Apotheken gehörte Walrat zu den gebräuch­lichen Rezeptursubstanzen. Bis 1978 war es mit einer Monographie im Deutschen Arzneibuch (DAB) 7 vertreten. Mit dem Erscheinen des DAB 8 löste Cetylpalmitat das Walrat ab. Jojobawachs eignet sich ebenfalls als vollwer­tiger Ersatz, obwohl es nicht mit einer Monographie in das DAB aufgenommen wurde.