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Madenwürmer

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13.10.2017
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Von Sandra Westermair / Ein Befall mit Madenwürmern, auch Enterobiasis oder Oxyuriasis genannt, zählt zu den häufigsten Parasiten-Erkrankungen des Menschen in Europa. Familien­mitglieder oder Mitbewohner stecken sich rasch an, teilweise bleibt die Infektion unbemerkt. Es gibt jedoch wirksame Behandlungsmöglichkeiten und Präventionsmaßnahmen.

Der Madenwurm (Enterobius vermicularis) gehört zu den Fadenwürmern (Nematoden) und ist weltweit verbreitet. Der weiße, längliche Parasit ist etwa 0,2 bis 0,5 mm dick. Weibliche Vertreter tragen einen spitz zulaufenden Schwanz und werden bis zu 13 mm lang. Die Männchen hingegen haben ein eingerolltes Ende und messen nur 2 bis 5 mm. Die einzigen Wirte des Parasiten sind Menschen sowie einige Menschenaffen-Arten. Eine Übertragung durch Haustiere ist also nicht möglich.

Betroffene infizieren sich meist fäkal-oral durch den Verzehr von Wurmeiern, etwa auf ungewaschenem Obst oder Gemüse. Seltener erfolgt die Aufnahme der Würmer auch inhalativ, wenn kothaltiger Staub eingeatmet wird.

Während die Eier durch den Magen und Großteile des Dünndarms wandern, schlüpfen die ersten Larven. Diese wachsen bis zu vier Wochen in der Schleimhaut des unteren Dünndarms, des Wurmfortsatzes und Caecums zu geschlechtsreifen Würmern heran. Nach der Paarung im Darm sterben die Männchen, in den Weibchen entwickeln sich neue Wurmeier. Sind diese nach wenigen Wochen ausgereift, wandern die Weibchen nachts aktiv zum Rektum und legen dort jeweils 10 000 bis 15 000 Eier ab. Im Anschluss daran sterben die weiblichen Würmer ebenfalls. Die Eier werden innerhalb von Stunden infektiös und können nun erneut vom selben oder einem anderen menschlichen Wirt aufgenommen werden.

In vielen Fällen bleibt die Madenwurminfektion unbemerkt. Typischerweise verursacht die nächtliche Ei­ablage allerdings starken Juckreiz, sodass sich gerade Kinder nachts unbewusst in der Analgegend kratzen. Die Eier gelangen so an die Hände und unter die Fingernägel und werden dann anschließend unbewusst verzehrt (Auto­infektion). Betroffene klagen häufig über schlechten Schlaf und sind tagsüber unausgeglichen. Bei Mädchen und Frauen kann es neben der perianalen auch zu einer Entzündungen der Vulva oder Vagina kommen. In seltenen Fällen kann außerdem eine Appendizitis, eine Entzündung des Wurmfortsatzes, auftreten.

Simpler Nachweis

Der sogenannte Abklatschtest dient dazu, eine Enterobiasis bei Verdacht eindeutig nachzuweisen. Dabei wird morgens noch vor dem Toilettengang oder Duschen ein Klebestreifen an den Darmausgang geklebt und gleich wieder abgezogen. Unter dem Mikroskop kann der Arzt darin Wurmeier er­kennen. Da die Madenwurmweibchen ihre Eier nicht kontinuierlich ablegen, muss der Test eventuell an mehreren Tagen wiederholt werden. Eine Stuhlprobe ist nicht nötig. Erst bei sehr starkem Befall finden sich weibliche Würmer im Kot oder in der Unterhose.

Drei Wirkstoffe

In Deutschland stehen drei Wirkstoffe zur Bekämpfung der Infektion zur Verfügung: Pyrvinium (Molevac®, Pyrcon®), Pyrantel (Helmex®) sowie Mebendazol (Vermox®). Pyrvinium ist nicht verschreibungspflichtig, für Pyrantel und Mebendazol wird ein Rezept benötigt. In Schwangerschaft und Stillzeit ist immer eine Nutzen-Risiko-Abwägung durch einen Arzt angezeigt.

Pyrvinium ist ein orangerot gefärbtes Salz, welches die Glucoseaufnahme und somit die Energieversorgung der Würmer hemmt. Erhältlich ist es als Suspension zur Einnahme (50 mg/5 ml) ab einem Jahr sowie in Form von Tabletten (zu je 50 mg Wirkstoff) ab drei Jahren. Die Gabe erfolgt als Einmal­dosis, wobei 5 mg Pyrvinium pro 1 kg Körpergewicht bis hin zu maximal 400 mg (acht Tabletten) verabreicht werden.

Steckbrief: Der Madenwurm

Name: Enterobius vermicularis

Stamm: Nematoden (Fadenwürmer)

Heimat: weltweit verbreitet

Eigenschaften: häufigster Eingeweidewurm, Wirt ist vor allem der Mensch

Merkmale: weiß, 0,5 mm dick; Männchen: 2 bis 5 mm lang, mit eingerolltem Schwanz, Weibchen: 9 bis 12 mm lang, mit spitz zulaufendem Schwanz

Eier: länglich oval

Während der Behandlung klagen Patienten mitunter über gastrointestinale Beschwerden wie Bauchschmerzen, Übelkeit und Erbrechen, seltener auch Durchfall und Kopfschmerzen. Pyrvinium darf nicht angewendet werden bei einer Leber- oder Nierenin­suffizienz sowie bei Patienten mit entzündlichen Darmerkrankungen. In der Beratung sollten PTA und Apotheker darauf hinweisen, dass die Substanz den Stuhl hellrot verfärben kann. Gesundheitlich ist dies unbedenklich. Verschüttete oder erbrochene rot­gefärbte Suspension ist allerdings nicht mehr aus Textilien zu entfernen.

Eine weitere Behandlungsmöglichkeit bietet der Wirkstoff Pyrantel. Er hemmt die neuromuskuläre Signalübertragung der Würmer. Diese sterben nicht wie bei den anderen Wirkstoffen ab, sondern werden gelähmt mit dem Stuhl ausgeschieden. Pyrantel ist als Suspension (250 mg/5 ml) für Babys ab sechs Monaten sowie als Kautabletten (zu je 250 mg) für Kinder ab zwei Jahren auf dem Markt. Auch hier wird eine Einmaldosis zu oder nach einer Mahlzeit gegeben, welche 10 mg/kg Körpergewicht entspricht und auf maximal 1 g begrenzt ist. Die gelbgrünen Tab­letten werden zerkaut und dann geschluckt. Neben gastrointestinalen Beschwer­den sollte am Behandlungstag mit Kopfschmerzen und Schwindel gerechnet werden. Bei vorbestehender Leberschädigung ist Pyrantel kontraindiziert.

Stoffwechsel gehemmt

Der dritte Vertreter der Anthelminthika, Mebendazol, hemmt den Substanztransport im Zytoskelett des Maden­wurms, sodass in dessen Intestinal­trakt weder Abfallsubstanzen ausgeschieden, noch Nährstoffe aufgenommen werden. Das Verdauungssystem des Wurms verkümmert, wodurch er abstirbt. Die Gabe erfolgt als Tablette ab einem Alter von zwei Jahren. Bei einer Madenwurminfektion werden an drei aufeinander folgenden Tagen 100 mg Mebendazol eingenommen. Der Wirkstoff wird generell schlecht resorbiert, wobei eine fettreiche Mahlzeit die Aufnahme leicht verbessert.

Obwohl die unerwünschten Wirkungen in Form von Magen-Darm-Beschwerden meist harmlos sind, gibt es in der Beratung doch einiges für Apotheker und PTA zu beachten. So müssen sowohl Frauen als auch Männer während der Behandlung auf eine sichere Empfängnisverhütung achten, da Mebendazol im Verdacht steht, Genommutationen auslösen zu können. Die Kombination mit dem Antibiotikum Metronidazol ist mit einem erhöhten Risiko für schwere Hautreaktionen wie Steven-Johnsons-Syndrom (SJS) oder einer toxischen epidermalen Nekro­lyse (TEN) verbunden und sollte daher vermieden werden. Auch bei leberinsuffizienten Patienten sollten Mediziner auf andere Wirkstoffe ausweichen. Die Fachinformation nennt ebenfalls schwere Neben­wirkungen wie Agranulozytose und Glomerulonephritis, welche allerdings nur sehr selten und bei höherer Dosierung beziehungsweise längerer Einnahme aufgetreten sind.

Weil vor allem ausgewachsene Würmer auf die medikamentöse Therapie ansprechen, muss diese bei allen Mitteln nach zwei und optimalerweise auch nach vier Wochen wiederholt werden, um sämtliche Entwicklungsstufen abzudecken. Mediziner empfehlen außerdem, stets die gesamte Familie­ oder Wohngemeinschaft zu behandeln. Denn selbst wenn Infizierte symptomlos bleiben, können sie die Parasiten in sich tragen und verbreiten.

Hygiene ist das A und O

Um den Erfolg der Arzneimitteltherapie zu unterstützen und einem erneuten Befall vorzubeugen, sollten Betroffene einige Hygienemaßnahmen durchführen (siehe auch Kasten). Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) empfiehlt, Bettlaken, Hand­tücher und Unterwäsche täglich zu wechseln und bei mindestens 60 °C zu waschen. Dabei darf kein Eco-Programm laufen. Um der Gefahr einer inhalativen Übertragung von Wurm­eiern vorzubeugen, sollte die Bett­wäsche beim Wechseln nicht aufgeschüttelt werden. Die Wohnung ist stets gründlich zu reinigen und zu staubsaugen.

Zudem ist es empfehlenswert, auf kurz geschnittene Fingernägel und regel­mäßiges Händewaschen nach jedem Toilettengang und vor dem Essen zu achten. Tägliches Duschen sollte einem­ Vollbad vorgezogen werden. Da typischerweise – aber nicht ausschließlich – Kinder von Madenwürmern befallen werden, liegt es an den Eltern, diese Maßnahmen zu befolgen und zu überprüfen, um die ungeliebten Gäste schnell wieder loszuwerden. /

Wichtige Hygienmaßnahmen

  • alle engen Kontaktpersonen informieren
  • ganze Familie/Wohngemeinschaft behandeln
  • Hände regelmäßig mit Seife waschen, vor allem vor dem Essen, nach dem Toilettengang, nach dem Aufenthalt im Freien
  • Unterwäsche, Handtücher und Bettwäsche täglich wechseln und bei mindestens 60 °C waschen, nicht aufschütteln
  • jedes Familienmitglied sollte ein eigenes Handtuch benutzen
  • Fingernägel kurzschneiden und regelmäßig reinigen
  • täglich duschen
  • Waschbecken, Toilette und Tür­klinken regelmäßig reinigen, besonders gründlich Flächen, die mit Stuhl oder Erbrochenem in Kontakt gekommen sind; dabei Gummihandschuhe und Einweg­tücher verwenden
  • Kinderspielzeug heiß abwaschen
  • Obst und Gemüse sorgfältig waschen