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Homöopathie

Sanft durch die Wechsel­jahre

09.10.2018
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Von Verena Schröer / Früher oder später kommt jede Frau in die Wechseljahre. Dabei kann die Art und Ausprägung entsprechender Beschwerden von Frau zu Frau stark variieren. Neben der Hormon­therapie und Phyto­pharmaka können auch homöo­pathische Arzneimittel gute Begleiter in den Wechseljahren sein.

Als Wechseljahre beziehungsweise Kli­mak­terium bezeichnet man die Lebens­phase einer Frau, in der die Produk­tion der weiblichen Geschlechtshormone allmählich abnimmt. Sie beginnen etwa drei Jahre vor dem Ausbleiben­ der Menstruation mit der sogenannten Prämenopause. In dieser Phase kommt es zu Zyklus­unregel­mäßigkeiten. Die Menopause, die letzte­ Regelblutung, tritt ungefähr im 50. Lebensjahr ein. Das bedeu­tet, dass die Eier­stöcke dann ihre Produktion einstellen. Die Postmenopause beginnt ein Jahr nach der letzten Monats­blutung und endet mit dem Abklin­gen der Symp­tome. Die Wechsel­jahre dauern durchschnittlich zehn Jahre.

Wechseljahresbeschwerden werden vor allem durch den Abfall des Estrogen­spiegels ausgelöst. Rund zwei Drittel aller­ Frauen berichten von entsprechenden Beschwerden, nur ein Drittel bleibt symptomfrei. Es kommt zu vegetativen Symptomen wie Hitzewallungen, Schwitzen, Herzrasen und Schwindel. Oft treten auch psychische Symptome wie Depressionen und Angstgefühle auf. Die hormonellen Veränderungen wirken sich aber auch auf die Knochendichte und die Beschaffen­heit von Haut und Haaren aus.

Bei starken Wechseljahres­be­schwer­den empfehlen Ärzte häufig eine Hormon­ersatztherapie. Nutzen und Risiken­ einer solchen Therapie wurden in den vergangenen Jahren immer wieder in Studien untersucht und diskutiert. Besonders­ das erhöhte Brustkrebsrisiko spricht für einige Patien­tinnen gegen die Hormon­ersatztherapie. Letztendlich muss die Entscheidung für oder gegen die Einnahme­ von Hormonen im Einzelfall gemeinsam mit dem Arzt getroffen werden.

Alternativ oder ergänzend können homöopathische Medikamente eingesetzt werden. Dabei ist es wichtig, dass PTA und Apotheker der Patientin er­klären, dass die homöopathische Behandlung kein direkter Ersatz für eine ärztliche ­Behandlung sein kann und auch völlig anders wirkt. Während bei der Hormonersatztherapie der ab­fallende Hormonspiegel ersetzt wird, also eine Substitution erfolgt, handelt es sich bei der Homöopathie um eine Reiztherapie. Das Wirkprinzip lautet: Ähnliches möge durch Ähnliches geheilt­ werden. Das bedeutet, dass bei der homöopathischen Behandlung ein Stoff in potenzierter Form genau für die Symptome eingesetzt wird, die er in konzentrierter Form beim Gesunden auslösen kann. So sollen die Selbstheilungskräfte angeregt werden. In den Wechseljahren zielt die homö­opathische Behandlung darauf ab, dass die hormonelle Veränderung möglichst wenig Beschwerden bereitet.

Die richtige Wahl treffen

Um das passende homöopathische ­Mittel auszuwählen, sollten sich PTA und Apotheker die Symptome von der Pa­tientin ausführlich schildern lassen. Ist sie dabei sehr redselig, kann sowohl ­Lachesis (Buschmeisterschlange) als auch auf Cimicifuga (Traubensilber­kerze) geeignet sein. Bei beiden Mitteln sind ein starkes Mitteilungsbedürfnis sowie Schlafstörungen typische Auswahlkriterien. Um zwischen beiden ­Mitteln zu unterscheiden, müssen aber weitere Symptome abgefragt werden. Wenn die Patientin trotz Hitzewallungen häufig friert und sich gerne warm kleidet, können PTA und Apotheker Cimicifuga­ racemosa D6 empfehlen. Die typische Patientin hat des Weiteren oft einen Druckschmerz im Bereich des ­Nackens und der Schultern, der sich bis in die Arme und den Hinterkopf ziehen kann. Sie ist häufig depressiv verstimmt und macht sich viele Sorgen.

Falls die Patientin allerdings große Hitze verspürt, leicht bekleidet ist und gerne die Fenster aufreißt, sollten PTA und Apotheker besser Lachesis D12 empfehlen. Diese Patientin kann keine enge Kleidung vertragen und ihr Gesicht­ läuft bei den starken Hitze­wallungen rot an.

Wenn das Temperaturempfinden nicht eindeutig auf eines der beiden Mittel hinweist, sondern wechselhaft ist, kann Pulsatilla pratensis D12 (Küchen­schelle) das passende Mittel sein. Pulsatilla wird grundsätzlich bei Wandel und Wechsel eingesetzt. Daher ist es auch ein wichtiges Mittel für die Wechseljahre. Die typische Patientin verspürt Hitze und Kälte im Wechsel und zieht sich häufig an und wieder aus. Auch ihre Stimmungen und Beschwerden­ wechseln häufig, oft ist sie weinerlich.

Anwendung und Dosierung

Die Einnahme der homöo­pathischen Arzneimittel sollte mit mindestens 15 Minuten Abstand zum Essen und Trinken erfolgen. Die Mittel wirken am besten, wenn man sie im Mund zergehen lässt. Bei einer D6-Potenz werden dreimal täglich fünf Globuli genommen. Bei einer D12-Potenz wird eine zweimal tägliche Ein­nahme von fünf Globuli empfohlen. Weil es sich bei der Homöopathie um eine Reiztherapie handelt, ist nach einer dreiwöchigen Einnahme eine Therapie­pause von einer Woche­ sinnvoll.

Kühl und distanziert

Sepia D12 (Tintenfisch) wird bei distan­zierten Patientinnen eingesetzt. Auch diese Patientinnen leiden unter Hitzewallungen und Schlafstörungen, sie sind aber nicht mitteilsam, sondern ­suchen Distanz. Die Patientin ist leicht zu erkennen an ihrer kühlen Art. Oft ­berichtet sie, dass es ihr schwer fällt, Nähe zuzulassen. Dabei fühlt sie sich überfordert, und ihr ist alles zu viel.

Sanguinaria canadensis D12 (Kanadische Blutwurzel) wird eingesetzt, wenn die Kundin vor den Wechsel­jahren einen niedrigen und nun einen erhöhten Blutdruck hat. Auch diese Patientin­ hat Hitzewallungen, oft mit rotem Kopf. Typisch sind außerdem rechtsseitige Kopfschmerzen.

Bei einigen Frauen stehen psychische Beschwerden wie Angst und ­depressive Stimmung im Vordergrund des Beschwerdebilds. Dann kann es sinnvoll sein, zusätzlich ein Mittel für die Stimmungs­probleme zu empfehlen. Bei ängstlichen Patientinnen kann Argentum­ nitricum (Silbernitrat) oder Gelsemium sempervirens (Gelber Jasmin) eingesetzt werden. Argentum ­nitricum D12 ist immer dann geeignet, wenn die Patientin regelrechtes Lampen­fieber vor bevorstehenden ­Ereignissen hat. Dies kann sich zum Beispiel durch Herzrasen, vermehrtes Wasserlassen oder Durchfälle äußern. Ist die Patientin hingegen vor Angst wie gelähmt, handlungsunfähig und fühlt sich zittrig schwach und müde, ist Gelsemium sempervirens D12 eine gute Empfehlung. Wenn die Patientin eher depressiv gestimmt ist und sich zu viele Sorgen macht, können unter anderem Arsenicum­ album (Weißes Arsenik), Natrium chloratum (Kochsalz) oder Ambra (Darmausscheidung des Pottwals) ergänzend empfohlen werden. Arsenicum album D12 ist Mittel der Wahl, wenn die Stimmung sehr schwermütig ist bis hin zu Selbstmord­gedanken. Diese Patientin ist zugleich erschöpft, aber auch ruhelos. Natrium chloratum D12 wird eingesetzt bei tiefem­ Kummer, der sich auf vergangene Ereignisse bezieht. Die Patientin kann Vergangenes nicht loslassen und hat oft körperliche Symptome wie Gewichtsverlust. Macht die Patientin sich um alles zu viele Sorgen, ist dadurch nervös und kann oft nicht schlafen, ist Ambra D12 das Mittel der Wahl.

Hilfe für die Knochen

Da in den Wechseljahren der Estrogenspiegel sinkt und Estrogen eine hemmende Wirkung auf den Knochenabbauch hat, kann Osteoporose als Folge­erkrankung auftreten. Zur Vorbeugung einer Osteoporose ist Calcium­ phosphoricum D12 (Calciumhydrogenphosphat) geeignet. Diese Substanz kommt auch als Schüßler Salz Nummer 2 bei der gleichen Indikation zum Einsatz. Sie regt den Calcium­stoffwechsel an. Somit kann es den Calciummangel nicht im Sinne einer Substitution ausgleichen, sondern es verbessert die Aufnahme von Calcium in die Knochen.

Zum Abschluss des Beratungs­gesprächs können PTA und Apotheker der Patientin noch allgemeine ­Em­pfehlungen geben. Sie können die Patientin etwa darauf hinweisen, dass Sie nach erstmaliger ärztlicher Ab­klärung der Symptome mindestens ­einmal jährlich zur gynäkologischen Unter­suchung gehen sollte. Bei psychischen Beschwerden können Entspannungsmethoden wie Yoga und autogenes Training eine gute Unterstützung sein. Bei Schlafstörungen ist es sinnvoll, auf die Schlafhygiene zu achten, und die Räume sollten ausreichend ab­gedunkelt sein. Des Weiteren können Geräusche­ den Schlaf zusätzlich stören. Es ist wichtig, dass die Patientin vor dem Zubettgehen zur Ruhe kommt und nicht mehr am Computer­bildschirm arbeitet. Oft ist es auch hilfreich­, auf einen Mittagsschlaf zu verzichten.

Leichte sportliche Betätigung ist für Frauen in den Wechseljahren aus verschiedenen Gründen sinnvoll. Sie trägt sowohl zur Stärkung der Knochen als auch zum Stressabbau und zur Stärkung­ des Beckenbodens bei. In dieser­ Lebensphase ist auch eine ausreichende Trinkmenge besonders wichtig­, denn durch Schweißaus­brüche gehen Wasser und Elektrolyte verloren. Eine calciumreiche Ernährung ist zudem wichtig für die Knochendichte. Eine zusätzliche Calciumsubstitution in Form von Tabletten zur Vorbeugung vor Osteoporose ist empfehlenswert. /