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Sinusitis und Bronchitis

Ins Stocken geraten

Auf den ersten Blick haben Entzündungen der Nasen­nebenhöhlen und der Bronchien nicht viel gemeinsam. Doch beide gehen auf die gleichen Pathomechanismen zurück. Denn sowohl in den oberen als auch in den unteren Atemwegen ist das zentrale ­Element der Selbstreinigung, die mukoziliäre Clearance, durch den ­Ansturm der Erkältungsviren in seiner Effektivität eingeschränkt. Zäher Schleim sitzt in der Nase, in ihren Nebenhöhlen und auf den Bronchien. Beim notwendigen Weitertransport helfen Sekretolytika.
Elke Wolf
26.10.2015  09:46 Uhr

Erkrankungen der oberen und unteren Atemwege gehen oft Hand in Hand. So entsteht die Entzündung der Luftröhre und der Bronchien, die akute ­Tracheobronchitis, defini­tionsgemäß nicht primär, sondern folgt unmittelbar auf eine Rhinopharyn­gi­tis. Untersuchungen zeigen, dass bei 30 Pro­zent der Patienten mit einer chronischen und bei 24 Prozent mit einer akuten Rhinosinusitis auch die unteren Atemwege in Mitleidenschaft gezogen sind. Grund für diese Vergesellschaftung: Die oberen und unteren Atemwege sind eine anatomische und funktio­nelle Einheit und daher barrierefrei miteinander verbunden. Ihre Schleimhaut hat die gleiche Struktur, mit der mukoziliären Clearance verfügen beide über das gleiche Selbstreinigungsverfahren, und beide reagieren mit dem gleichen Pathomechanismus auf Störungen von außen.

Eigenes Reinigungssystem

Mithilfe dieses körpereigenen Reinigungssystems in der Nasenschleimhaut und den Bronchien werden alle Fremdpartikel bereits in der Nase gefiltert und unschädlich gemacht beziehungsweise Richtung Rachen abtransportiert und dort verschluckt. Für diesen Transport sind die Schleimhäute mit einem Flimmerhärchen-Teppich ausgestattet. Mit ihrem koordinierten ellipsenförmigen Schlag befördern diese Flimmerhärchen mit Zilien an den Spitzen Fremdpartikel Schritt für Schritt mundwärts.

Bei einer akuten Entzündung der Atemwege, beispielsweise durch einen grippalen Infekt, wird dieser Selbst­reinigungsmechanismus empfindlich gestört. Denn nachdem sich Erkältungsviren an die Wirtszelle angeheftet haben, schleusen diese ihre genetische Information ein und stellen so den Stoffwechsel der befallenen Zellen auf die Vermehrung der Viren um. Die ­eigentlichen Zellfunktionen werden damit beschnitten oder gänzlich unterbunden, sodass in den ersten beiden Tagen eines Infekts die Schleimsekretion erst einmal deutlich nach unten gefahren ist. Die dadurch ausgelöste Entzündung bewirkt an der Schleimhaut, dass das Epithel abschilfert und durchlässiger wird. Wässriger Fließschnupfen und Reizhusten zeugen von diesen pathophysiologischen Vorgängen.

Die ablaufenden Entzündungsreaktionen rufen sowohl Becherzellen als auch peribronchiale Drüsen im Bronchialgewebe auf den Plan, vermehrt zähflüssiges Sekret zu produzieren und auszuscheiden (siehe Grafik). Diese Last an zähem Sekret behindert die ­Zilien jedoch stark in ihrer Arbeit, sie verkleben regelrecht. Gleichzeitig nimmt auch die Höhe der wässrigen serösen Phase ab und Surfactant, eine grenzflächenaktive Substanz, klumpt zusammen. Als Folge ist der Surfactant-Schaumteppich auf dem Epithel nicht mehr gleichmäßig verteilt. Alles in allem kann der Bronchialschleim nur in ungenügendem Maß weiterbewegt werden oder kommt gänzlich ins Stocken. Die mukoziliäre Clearance versagt. Daher ballt sich das Sekret zusammen und sammelt sich beispielsweise in Engstellen der Nebenhöhlen und den Bronchien. Im Bronchial­­ge­webe steigt daraufhin der Druck auf die Basalmembran. Dadurch werden darunter liegende Hustenrezeptoren – ­sogenannte Dehnungsrezeptoren – gereizt und der sekundäre Reinigungsmechanismus wird aktiviert: Jetzt sollen kräftige Hustenstöße den Schleim entfernen.

Engpass Nebenhöhlen

Der schmerzhafte Druck in Kopf, Stirn und Wangen ist ein Indiz dafür, dass das Sekret in den schmalen Nasen­nebenhöhlen festhängt und die Belüftung der Gänge blockiert. Besonders wenn die Beschwerden nur eine Gesichtshälfte betreffen, liegt der Verdacht nahe, dass ein banaler Schnupfen in eine Sinusitis übergegangen ist.

Akute Rhinosinositiden machen definitionsgemäß bis zu zwölf Wochen Beschwerden und sind meist viral ­bedingt. Deshalb ist eine Antibiotikabehandlung in den meisten Fällen nicht indiziert. Darin sind sich auch die ­Autoren der europäischen EPOS- und der nationalen Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde einig. In nur 0,5 bis 2 Prozent aller Nasennebenhöhlenentzündungen sattelten sich zusätzlich Bakterien auf. Die Tatsache, dass in Europa Ärzte in 70 bis 90 Prozent der Fälle dennoch antimikrobielle Substanzen verordnen, steht in krassem Widerspruch zu diesen Erkenntnissen.

Antibiotika sollen gemäß Leitlinien nur in folgenden Fällen zum Einsatz kommen:

  • Starke Beschwerden,
  • Fieber über 38,5 °C,
  • Verstärkung der Beschwerden im Laufe der Erkrankung,
  • drohende Komplikationen,
  • Patienten mit chronisch entzündlicher Lungenerkrankung (COPD), immun­defiziente oder immunsupprimierte Patienten sowie Patienten mit besonderen Risikofaktoren oder schweren Grundleiden wie Diabetes oder Krebs.


Älteren Patienten oder Betroffenen mit einer Grunderkrankung wie Asthma oder Diabetes sollten PTA und Apotheker im Beratungsgespräch den Arzt­besuch empfehlen. Auch mit ihrem erkrankten Kind sollten die Eltern den Pädiater oder HNO-Arzt aufsuchen. Halten die Beschwerden länger als drei Monate an, hat sich eine chronische Nasennebenhöhlenentzündung entwickelt, deren Behandlung in die Hände eines Arztes gehört.

Empfohlene Therapie

Anstatt Antibiotika gehören zur sinnvollen Therapie der Rhinosinusitis als wesentliche Maßnahme Analgetika, um den Kopfschmerz und das Druck­gefühl im Kopf zu lindern (siehe auch Tabelle). Wer Ibuprofen und Acetyl­salicylsäure wählt, nutzt außerdem deren antiphlogistischen Effekt. Zusätzlich verwenden viele Erkältete gegen ihre verstopfte Nase abschwellend wirkende αAlpha-Sympathomimetika als Tropfen oder Spray, auch wenn deren Wirksamkeit für diese Indikation kaum untersucht ist und placebokontrollierte Studien fehlen. Doch die klinische Erfahrung zeigt, dass die Präparate schnell die Nasenatmung und damit den Sekretabfluss verbessern.

Außerdem sprechen sich die Autoren der Leitlinien für eine antientzündliche und sekretolytische Therapie der akuten Rhinosinusitis aus. Dazu gehören in erster Linie pflanzliche Sekreto­lytika und topische Steroide wie Fluticason, Triamcinolon oder Mometason (rezeptpflichtig). Zwar werden chemisch-synthe­tische Sekretolytika wie Ambroxol und ACC häufig als Sekret­löser parallel zu einer Antibio­tikathe­rapie eingesetzt, sie sind jedoch nicht für diese Indikation zugelassen. Deshalb empfehlen die Autoren der Leitlinien ihren Einsatz nicht.

Der Klassiker für die Behandlung von Nasennebenhöhlenentzündungen ist eine bewährte Mischung aus fünf Pflanzen: Schlüsselblume, Gelber Enzian, Eisenkraut, Sauerampferkraut und Schwarzer Holunder, besser bekannt unter dem Namen Sinupret®. Seit einigen Jahren ist mit Sinupret® extract die Weiterentwicklung auf dem Markt, das im Unterschied zum Vorgänger die Pflanzenkombination nicht als gepulverte Drogen, sondern als konzentrierten Trockenextrakt enthält. Durch die Vervierfachung der eingesetzten Drogenmenge enthält jede überzogene Tablette Sinupret® extract die wirksamkeitsbestimmenden Bioflavonoide in 3,3-fach höherer Konzentration. Diese Wirkstoffanreicherung lässt eine noch bessere klinische Wirksamkeit bezüglich Sekretolyse und Entzündungshemmung vermuten. In Experimenten konnten die in der serösen Solphase eingebetteten Flimmerhärchen mit ihren Zilien wieder ungehindert schlagen und aufgelagertes Sekret mit pathogenen Keimen leichter abtransportieren.

Überblick über die Therapieoptionen bei akuter Rhinosinusitis; nach europäischer Rhinosinusitis-Leitlinie (2012)

Therapie­möglichkeiten Wirkweise Bewertung durch die europäische Rhinosinusitis-Leitlinie
Chemisch-synthetische Sekrettherapeutika bewirken meist nur Sekretolyse bzw. Mukolyse. keine Empfehlung
Chemisch-synthetische Komplexmittel unterdrücken häufig nur die Symptome der Erkrankung; Nebenwirkungen beachten! Empfehlung
Dekongestiva, abschwellende Nasenpräparate reduzieren die Schleimhautschwellung kurzzeitig. Empfehlung, allerdings sollte die Anwendung auf sieben bis zehn Tage beschränkt sein, um eine Austrocknung der Schleimhäute bzw. einen Gewöhnungseffekt zu vermeiden.
Analgetika können unterstützend unangenehme Symptome wie Kopfschmerzen lindern und Fieber senken, wirken jedoch nicht ursächlich. Unterstützende Empfehlung
Antihistaminika hemmen Histamin und andere immunologische Botenstoffen im Allergiegeschehen. Empfehlung zur adjuvanten Therapie nur bei nachgewiesener allergischer Rhinitis
Topische Cortico­steroide verbessern subjektiv Symptome. starke Empfehlung
Antibiotika sind ausschließlich bei bakteriellen (Super-)Infektionen sehr wirksam. Starke Empfehlung bei bakterieller Genese
Pflanzliche Sekretolytika wirken sekretolytisch und antiinflammatorisch, am besten in Kombination. Starke Empfehlung
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