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Sinusitis und Bronchitis
Ins Stocken geraten

Während die 5-Pflanzen-Kombination nur für die Rhinosinusitis zugelassen ist, verfügen Soledum® und Gelomyrtol® außerdem über eine Zulassung für akute und chronische Bronchitiden. In beiden Präparaten sind die ätherischen Öle beziehungsweise daraus isolierte Substanzen für die Wirkung verantwortlich.

Die Autoren der nationalen Rhino­sinusitis-Leitlinie sehen in 1,8 Cineol (Soledum®) und im Mischdestillat aus Eukalyptus-, Süßorangen-, Myrten- und Zitronenöl im Verhältnis 66:32:1:1 (Myrtol® in Gelomyrtol®) den therapeutischen Effekt als gesichert an. Eine Reihe klinischer Untersuchungen belegen die signifikante Überlegenheit der beiden Präparate gegenüber Placebo. Neuere Daten aus In-vitro-Studien beider Präparate erklären mittlerweile die gute klinische Wirksamkeit. So verflüssigen sie nachweislich den Schleim und aktivieren dadurch den Selbstreinigungsmechanismus der mukoziliären Clearance. Daneben sind sekretomotorische, entzündungshemmende, antimikrobielle und antioxidative Effekte dokumentiert.

Großputz für die Bronchien

Gleiche Verhältnisse, anderer Ort: Auch in den unteren Atemwegen gilt es, die Schleimproduktion im Fluss zu halten, die mukoziliäre Clearance anzutreiben und das Abhusten von Sekret zu unterstützen. Dabei bedeutet gelb oder grün verfärbtes Sputum bei akuter Bronchitis nicht grundsätzlich das Vorliegen eines bakteriellen Infektes, heißt es in der aktuellen Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie (DGP) zur Diagnostik und Therapie erwachsener Patienten mit akutem und chronischem Husten.

In die Apotheke oder doch zum Arzt?

Fiebriger Virusinfekt oder doch eine Influenza? Manchmal ist die Grenze nicht leicht zu ziehen, denn auch Sinusitis und Bronchitis werden mitunter von Fieber begleitet. Folgendes hilft weiter: Wahrscheinlich ist der Patient an einer echten Grippe erkrankt, wenn er

  • über rasch aufgetretenes Fieber von über 38,5 °C klagt,
  • intensiven Husten, starke Kopf- und Gliederschmerzen hat, Schnupfen ihn ­dagegen kaum belastet,
  • ein ausgeprägtes Krankheitsgefühl mit großer Abgeschlagenheit schildert.


Auch die Information über häufige Influenzafälle in der ­Region spricht für den Influenza-Verdacht. Darüber informiert am besten das Influenza-Warnsystem des Robert-Koch-Instituts (www.influenza.rki.de). Eine Deutschlandkarte zeigt die Häufigkeit akuter Atemwegserkrankungen an. Gelb und rot gefärbte Regionen stehen für eine erhöhte Influenza-Aktivität. Bei oben genannten Symptomen plus einer erhöhten regionalen Influenza-Aktivität hat der Pa­tient mit 80prozentiger Wahrscheinlichkeit eine echte Grippe. Im sehr frühen Stadium helfen ihm womöglich noch Neuraminidase-Hemmer.

Effektive Vorbeugung bietet derzeit jedoch nur eine ­Impfung. Jetzt im November ist der richtige Zeitpunkt, sich immunisieren zu lassen. Die Ständige Impfkommission ­(STIKO) am Robert-Koch-Institut empfiehlt die jährliche Schutzimpfung Erwachsenen mit

  • einem Alter über 60 Jahren,
  • geschwächter Immunabwehr,
  • chronischen Krankheiten wie Lungen-, Herz-Kreislauf-, ­Leber- und Nierenproblemen,
  • HIV-Infektion,
  • Diabetes oder anderen Stoffwechselkrankheiten sowie
  • neurologischen Grunderkrankungen wie Multiple Sklerose.

 

Die Impfung ist außerdem ratsam für

  • Bewohner von Alten- oder Pflegeheimen,
  • Personen mit erhöhter Gefährdung wie Apotheker, Ärzte und alle Mitarbeiter im medizinischen Umfeld,
  • Frauen, die während der Influenzasaison schwanger sind.

Bei der Behandlung Erwachsener mit akuter viraler Bronchitis sei die vorschnelle Verordnung eines Antibiotikums ein häufiger Fehler in der Praxis, so die DGP. Die Leitlinie verweist auf verschiedene Forschungs­ergebnisse: So waren in einer Studie bei ansonsten gesunden Patienten mit akuter Bronchitis und verfärbtem Sekret nur in 12 Prozent der Fälle bakterielle Erreger nachweisbar. Zudem sei in verschie­denen euro­päischen Ländern der Antibiotikaverbrauch unter­schiedlich hoch, der klinische Erfolg in Sachen Husten jedoch vergleichbar. Darüber hinaus sei die Antibiotikagabe nicht unbedingt erfolgsversprechend. So verkürzte die Antibiose laut einem Cochrane-Urteil die Symptome um nur 0,58 Tage im Vergleich zu Placebo. Dieser minimale Vorteil werde weitgehend durch Nebenwirkungen zunichte gemacht.

Was sollen PTA oder Apotheker aber nun erkälteten und hustenden Patienten zur Selbstmedikation empfehlen? Insgesamt gesehen, gebe es derzeit nur wenige methodisch einwandfreie Studien zur Bewertung der Wirksamkeit rezeptfreier Sekretolytika. Speziell mit Blick auf die Linderung des akuten Hustens gehen die Verfasser der Leitlinie mit Expektoranzien hart ins Gericht. Nachgewiesene Effekte gebe es zum Beispiel für die kombinierte Phytotherapie von Thymian mit Efeu (wie Bronchipret® Saft) sowie für Thymian mit Primelwurzel (wie Bronchipret® Filmtabletten). Diese Extraktkombinationen bewirkten in zwei kontrollierten, randomisierten Studien im Vergleich zu Placebo das signifikant schnellere Abklingen der Hustenanfälle. Die Experten der Leitlinie sprechen ihnen deshalb einen starken Empfehlungsgrad aus. Für einen definierten Efeu-Extrakt (Prospan®) ist der Wirkmechanismus auf molekularer Ebene entschlüsselt. Die Datenlage zu Thymian als Mono-Expektorans ist lückenhaft. Die Teilnehmer verschiedener Anwendungsbeobachtungen (wie für Aspecton®) bezeichneten das Präparat als subjektiv wirksam bei akuten Bronchitiden.

Die Indikation akute Bronchitis ist auch das Einsatzgebiet der südafrika­nischen Kapland-Pelargonie (Pelargo­nium sidoides). Feste und flüssige Fertigarzneimittel (Umckaloabo®) enthalten den ethanolischen Auszug EPs® 7630 aus Pelargonium-sidoides-Wurzeln. Zahlreiche randomisierte Doppelblindstudien bestätigen, dass sowohl Erwachsene als auch Kinder mit akuter Bronchitis von der Einnahme profitieren. Der Spezialextrakt reduziert die Bronchitis-spezifischen Symptome wie Husten und Sputum und verkürzt die Krankheitsdauer signifikant. Die Dosierung sollte bei täglich 60 bis 90 mg liegen und die Anwendungsdauer maximal drei Wochen betragen.

Synergismus vermutet

Bislang ist die Wirksamkeit auf molekularer Ebene unklar. Das Wirkprinzip lässt sich nicht auf einen Mechanismus reduzieren, sondern scheint ein synergistisches Zusammenspiel antiviraler, immunmodulatorischer und antibakterieller Effekte zu sein. Vermutlich sind neben Cumarinen auch noch Flavonoide sowie Proanthocyanidine an der Gesamtwirkung des Extrakts beteiligt. Überdies zeigen In-vitro-Prüfmodelle Ähnlichkeit zur Wirkung anderer Sekretolytika: Die Schlagfrequenz der Zilien wird gesteigert, was den Abtransport von Schleim und Erregern aus dem Respirationstrakt antreibt.

Ein Phytopharmakon, das sowohl die Zulassung für akute entzündliche Erkrankungen der Bronchien als auch der Nasennebenhöhlen inne hat, ist die ­Fixkombination aus Meerrettichwurzel und Kapuzinerkresse (Angocin® Anti-Infekt N). Allerdings fällt dieses Phytopharmakon insofern aus der Reihe, dass die enthaltenen Senföle nicht sekretolytisch wirken, sondern vielmehr antibakteriell, und das gegen klinisch relevante gramnegative (wie Pseudomonas aeruginosa, Haemophilus influenza) und auch grampositive Bakterien (wie Staphylococcus aureus, Streptococcus pneumoniae). Die Senföle erwiesen sich in mehreren klinischen Studien bei akuter Sinusitis und Bronchitis den eingesetzten Antibiotika als ebenbürtig. Im Gegensatz zu diesen ist für das Phytopharmakon auch nach Langzeittherapie bisher keine Resistenz­entwicklung bekannt. In-vitro-Daten zeigen überdies, dass die Fixkombination die Vermehrung des pandemischen H1N1-Influenzavirus in menschlichen Lungenzellkulturen um etwa 90 Prozent zu hemmen vermag. /