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Haustiere

Niesen, Husten und tränende Augen

26.10.2015  09:46 Uhr

Von Carina Steyer / Mit den ersten kalten Temperaturen im Herbst beginnt meist die neue Erkältungssaison. Das gilt nicht nur für Menschen, sondern auch für die etwa 28 Millionen Haustiere in Deutschland. Während Hunde und Katzen sich eher bei Streif­zügen im Freien erkälten, liegt es bei Kaninchen und Vögeln oft an einer Kombination aus Zugluft, Temperaturschwankungen und Stress. Eine einfache Erkältung ist auch bei Tieren harmlos und heilt in der Regel von selbst aus.

Husten, Niesen und Nasenausfluss sind ähnlich wie bei Menschen auch bei Hunden ganz typische Anzeichen einer Erkältung. Der Hund wirkt müde, lustlos, abgeschlagen und reibt sich die Schnauze mit der Pfote oder an Gegenständen. Er hat wenig Appetit und vielleicht leichtes Fieber. Kommen starker Husten, schleimiger Nasenausfluss oder deutliches Fieber dazu, ist der Gang zum Tierarzt angesagt. Das Gleiche gilt, wenn der Hund sehr schlapp wirkt, nicht mehr frisst oder trinkt. Hier gilt es abzuklären, dass keine behandlungsbedürftige Erkrankung wie der Zwingerhusten oder die Staupe zu den Symptomen führen.

Auch erkälteten Katzen läuft die Nase, sie niesen, schniefen und die Augen tränen. Manchmal kommt Fieber hinzu. Niest die Katze sehr viel, kann das ein Zeichen dafür sein, dass sie sich mit dem deutlich gefährlicheren Katzenschnupfen angesteckt hat. Zwar können Katzen gegen Katzenschnupfen geimpft werden, doch bietet die Impfung aufgrund der Vielzahl der Erreger keinen vollständigen Schutz. Bei Verdacht auf Katzenschnupfen muss das Tier von einem Tierarzt behandelt werden.

Lassen sich Hund oder Katze das Fiebermessen ohne großen Widerstand gefallen, sollten die Besitzer im Krankheitsfall die Körpertemperatur bestimmen. Rektal gemessen beträgt die normale Körpertemperatur bei Hunden 37,5 bis 39,0 °C und bei Katzen 38,0 bis 39,3 °C. Die akute Erhöhung um mehr als ein Grad macht den Tierarztbesuch unumgänglich. Allerdings sollten Katzenbesitzer wissen, dass Katzen auf Stress mit einer Temperaturerhöhung reagieren können.

Erkältete Hunde und Katzen brauchen viel Ruhe und einen warmen, zugfreien Platz zum Schlafen und Ausruhen. Spaziergänge mit dem Hund sollten für einige Tage kurz gehalten werden und Badeaktionen ganz ausfallen. Besitzer müssen darauf achten, dass das Tier ausreichend trinkt. Hilfreich ist manchmal, das Trockenfutter mit Wasser einzuweichen und so dafür zu sorgen, dass das Tier ausreichend Flüssigkeit aufnimmt. Wenn die Katze es sich gefallen lässt, sollten die Besitzer außerdem regelmäßig die Verkrustungen rund um die Nase entfernen und die Nasenlöcher reinigen.

Kleintiere sind weniger ­robust

Bei Kaninchen führt eine Erkältung zu Beginn zu ganz ähnlichen Symptomen wie der viel gefährlichere Kaninchenschnupfen. Zum typischen Erkrankungsbild gehört Nasenausfluss, der Verkrustungen um die Nase verursacht und das Fell des Tieres an den Vorderbeinen verschmutzt oder verklebt. Dazu kommen Niesen, eine erschwerte oder beschleunigte Atmung und Bindehautentzündung mit tränenden oder geröteten Augen. Auch Kaninchenschnupfen lässt sich mit einer Impfung vorbeugen, einen hundertprozentigen Impfschutz gibt es allerdings nicht. Deshalb empfehlen Tierärzte, Kaninchen mit Erkältungssymptomen immer und möglichst schnell in einer Kleintierpraxis vorzustellen.

Das Gleiche gilt für Vögel, die relativ schnell in einen lebensbedrohenden Zustand geraten können. Wenn Vögel ihr Gefieder aufplustern, ist das ein deut­liches Zeichen, dass das Tier friert und oft ein erster Hinweis auf eine Erkältung. Oft werden die Tiere apathisch, niesen häufig und atmen hörbar. Nasenausfluss und verdunkelte Augen können hinzukommen. Für Vögel empfiehlt es sich, einen auf diese Tierart spezialisierten Tierarzt aufzusuchen.

Fit durch Vorbeugung

Der beste Schutz vor Erkältungen ist ein gesundes Immunsystem. Daher sind junge Tiere mit einem geschwächten oder noch nicht vollständig ausgereiften Immunsystem sowie alte, kranke Tiere für Erkältungen besonders anfällig. Ausgedehnte Spaziergänge und eine ausgewogene Ernährung halten den Hund fit. Hunde und Katzen, die viel Zeit im Freien verbringen, haben automatisch ein dichteres Fell und sind so auch bei Schnee und Kälte gut geschützt. Eine Ausnahme bilden kleine, dünne oder kurzhaarige Tiere. Hier sollte der Besitzer darauf achten, dass das Tier im Freien in Bewegung bleibt, da sonst der Wärmeverlust zu groß werden kann und Unterkühlung droht. Das Gleiche gilt für Hunde, die vor Supermärkten oder Cafés angebunden werden. Ist das Tier aufgrund seines Alters oder einer Erkrankung in seiner Bewegung eingeschränkt, kann der Einsatz eines Hundemantels sinnvoll sein. Den meisten Tieren macht Regen oder Nässe nicht viel aus. Allerdings sollte das Tier nach dem Spaziergang gründlich abgetrocknet werden und sich auf einem warmen Platz ausruhen können, um einer Unterkühlung vorzubeugen.

Vögel und Kaninchen reagieren auf Stress, Zugluft und starke Temperaturschwankungen schnell mit einer Erkältung. Ein sauberer Käfig ist für die Gesundheit der Tiere genauso wichtig wie eine angemessene Größe und ein geeigneter Standort. Dieser muss zugfrei und von möglichst gleichbleibender Temperatur sein. Vögel sollten nach Möglichkeit nicht in der Küche gehalten werden, sondern in einem Raum, in dem die Luftfeuchtigkeit weitgehend konstant ist.

Hausmittel auch für Tiere

Nicht nur bei Menschen, auch bei Haustieren haben sich Hausmittel zur Symptomlinderung bewährt. Inhalieren befeuchtet die Schleimhäute und hilft, die Atemwege freizuhalten. Sehr praktisch in der Anwendung sind handelsübliche Inhalatoren, die Hund oder Katze oft überraschend gut tolerieren. Dampfbäder lassen sich schnell improvisieren: Dazu reicht ein Topf mit heißem Wasser aus, über den eine Decke gebreitet wird. Hier sollte sich allerdings der Besitzer dazusetzen und das Tier gut festhalten, eventuell sogar leicht streicheln, damit es sich nicht verbrennt. Bei Vögeln und Kaninchen eignet sich eine Tasse mit heißem Wasser neben dem Käfig, die mit einem großen Handtuch abgedeckt wird. Alternativ kann der Besitzer das Tier auch mit ins Badezimmer nehmen. Dann atmet es automatisch den Wasserdampf ein, wenn Tür und Fenster beim Duschen geschlossen bleiben. Auch Bestrahlung mit Rotlicht kann Linderung verschaffen. Bei Vögeln und Kaninchen kann die Lampe direkt in den Käfig strahlen. Dabei sollte der Abstand zum Käfig ausreichend groß sein und das Tier dem Licht ausweichen können. Auch Wärmewickel um den Hals tolerieren viele Katzen und Hunde erstaunlich gut. Auf keinen Fall sollten Besitzer den Tieren Arzneimittel aus ihrer eigenen Hausapotheke verabreichen. Bei Katzen beispielsweise kann die Gabe von Paracetamol tödlich enden.

Ebenso können pflanzliche Erkältungspräparate für Haustiere gefährlich werden, bestätigt Professor Angelika Richter vom Institut für Pharmakologie, Pharmazie und Toxikologie der Veterinärmedizinischen Fakultät der Universität Leipzig. So vertragen Katzen Hustenmittel mit ätherischen Ölen nicht gut, da sie Phenole und Terpene deutlich langsamer abbauen, erklärt die Tierärztin.

Übertragung diskutiert

Ob Mensch und Tier sich gegenseitig anstecken können, wird immer wieder diskutiert. Viele Tierärzte halten eine Übertragung der Viren für äußerst unwahrscheinlich, andere raten vorsorglich vom Kuscheln mit dem Haustier ab. Auf der sicheren Seite sind Tierbesitzer, wenn sie die normalen Hygieneregeln beim Umgang mit Haustieren beachten. Händewaschen nachdem sie das Tier gestreichelt haben, reduziert die Wahrscheinlichkeit einer Ansteckung auch mit anderen Krankheitserregern erheblich. Erkältete Menschen sollten keine benutzten Taschentücher in der Nähe des Tieres herumliegen lassen und sich vor der Tierfutterzubereitung die Hände waschen. In den allermeisten Fällen stecken sich Tiere bei ihren Artgenossen an, etwa beim Beschnüffeln, Ablecken oder durch Tröpfcheninfektionen. Deshalb ist es wichtig, erkrankte Tiere von den Gesunden zu trennen. Vögel oder Kaninchen erhalten einen extra Käfig. Hunde sollten beim Spazierengehen einige Tage lang nicht mit anderen Hunden spielen. Leben mehrere Katzen in einem Haushalt, ist es sinnvoll, das erkrankte Tier in einem eigenen Zimmer unterzubringen. Mit viel Ruhe und Wärme erholen sich die Tiere in der Regel schnell von einer Erkältung und sind bald wieder fit. /