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Rheumatische Erkrankungen

Schüßler-Salze und Ernährungsumstellung

26.10.2015
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Von Sabine Wacker / Schätzungsweise 20 Millionen Deutsche leiden an rheumatischen Erkrankungen. Die mehr als 200 verschiedenen Rheumaarten betreffen nicht nur den Bewegungsapparat, sondern auch die Haut, innere Organe oder das Nervensystem. Naturheilkundlich und homöopathisch orientierte Therapeuten empfehlen Patienten mit Erkrankungen des rheumatischen Formenkreises meist eine Ernährungsumstellung. In manchen Fällen raten sie zu einer zusätzlichen Kur mit Schüßler-Salzen.

An Rheumatoider Arthritis, der häufigsten entzündlich rheumatischen Erkrankung, ist etwa 1 Prozent der Bevölkerung erkrankt. Bei den entzündlich rheumatischen Erkrankungen handelt es sich oft um chronisch verlaufende Erkrankungen des Immunsystems, nicht selten auch um Autoimmun­geschehen. Während der letzten Jahrzehnte hat die Zahl der Patienten mit Weichteilrheumatismus zugenommen. Seit die Sozialversicherungen die Fibromyalgie als rheumatische Erkrankung anerkannt haben, werden exorbitante Steigerungen bei der Zahl der Erkrankten beobachtet. Fibromyalgie ist eine der häufigsten Ursachen für die Frühberentung. Aufgrund ihres sehr heterogenen Krankheits­bildes ist sie allerdings schwer zu diagnostizieren. Je nach zugrunde liegender Störung erfolgt die Einteilung der rheuma­tischen Erkrankungen in vier Klassen:

  • entzündlich rheumatische Erkrankungen wie Rheumatoide Arthritis (RA), Morbus Bechterew, Kollagenosen und Vaskulitiden,
  • degenerative, also Verschleiß bedingte rheumatische Erkrankungen wie Arthrose,
  • durch Stoffwechselstörungen verursachte Krankheiten des Bewegungssystems, zum Beispiel bei Osteoporose, aber auch Gicht oder Diabetes, die mit rheumatischen Beschwerden einhergehen,
  • rheumatische ­Schmerzkrankheiten (»Weichteilrheumatismus«) wie Fibromyalgie, Schleimbeutel- und Seh­nen­scheidenentzündungen

Jede Therapie einer rheumatischen ­Erkrankung setzt die eindeutige Diagnose voraus. Alle Fachgesellschaften sind sich darin einig, dass die Behandlung in einem möglichst frühen Sta­dium beginnen sollte. So lässt sich der Krankheitsverlauf effektiv ausbremsen. Schul­­mediziner verordnen zu Beginn in der Regel Methotrexat meist in Kombination mit niedrig dosiertem Prednisolon. Naturheilkundlich und homöo­pathisch orientierte Thera­peuten berücksichtigen bei der Behandlung rheumatischer ­Erkrankungen immer auch die Ernährung. Die ­meisten Erfahrungswerte liegen bisher ­zur Ernährungstherapie der ­Rheu­matoiden Arthritis vor. Das ernährungstherapeutische Spektrum beinhaltet zunächst das Erkennen von Lebensmittelinhalts­stoffen, die die Krankheit verstärken. ­Daraus folgt, entzündungsfördernde Lebens­mittel zu meiden und vermehrt entzündungshemmende zu verzehren.

Rat der Rheumatologen

Auch viele Schulmediziner sind sich dessen bewusst, dass die Ernährung Entzündungsreaktionen beeinflusst. So empfiehlt beispielsweise Professor Dr. Jürgen Wollenhaupt, Chefarzt der Klinik für Rheumatologie und klinische Immunologie in Hamburg-Eilbeck, seinen Patienten eine Ernährung, die wie ein »Feuerlöscher« auf die Entzündungen wirkt. Zu den entzündungshemmenden Lebensmitteln zählen diejenigen, die keine oder wenig Arachidonsäure enthalten.

Das sind im Wesentlichen Obst und Gemüse sowie Lebensmittel mit Omega-3-Fettsäuren wie fettreiche Fisch­sorten und auch Lein- und Rapsöl. Arachidonsäure ist deswegen zu meiden, da sie im Körper zu entzündungsfördernden Eicosanoiden umgebaut wird. Da Arachidonsäure ausschließlich in Nahrungsmitteln tierischer Herkunft enthalten ist, gilt eine vegetarische sowie obst- und gemüsereiche Kost als entzündungsmindernd. In der Fachliteratur finden sich vermehrt Hinweise darauf, dass Vegetarier deutlich seltener an entzündlich-rheumatischen Erkrankung leiden als Menschen, die regelmäßig Fleisch essen. Neue Untersuchungen weisen darauf hin, dass eine Ernährungstherapie die Langzeitprognose der Rheumatoiden Arthritis verbessern kann.

Schüßler-Salze im Überblick

Nummer 1: Calcium fluoratum

Salz Nummer 1 ist das wichtigste Mineralsalz für das Stütz- und Bindegewebe, für Sehnen, Bänder, Gelenke und Haut. Es eignet sich zur Unterstützung der Arthrosebehandlung.

Nummer 2: Calcium phosphoricum

Calcium phosphoricum entfaltet seine Hauptwirkung auf Knochen und Zähne und dient dem Knochenaufbau, der Knochenregeneration nach Brüchen und ist ein wichtiges Salz zur Vor­­beu­gung und Behandlung von ­Osteo­­porose.

Nummer 3: Ferrum phosphoricum

Salz Nummer 3 ist eines der wichtigsten für das Immunsystem und hilft im Anfangsstadium von Entzündungen ­sowie bei Infektanfälligkeiten, Erschöpfungszuständen mit Blässe, Durchblutungsstörungen, bei frischen Wunden, Quetschungen, Verstauchungen und Verbrennungen.

Nummer 4: Kalium chloratum

Salz Nummer 4 hat für die Schleimhäute Bedeutung und gilt als Salz des zweiten Entzündungsstadiums. Es ist immer dann angezeigt, wenn Entzündungen chronisch werden sowie bei allen Krankheitsprozessen an den Schleim­häuten wie chronischen Infekten und Entzündungen der Magenschleimhaut und des Darms.

Nummer 5: Kalium phosphoricum

Es ist das Hauptsalz für Nerven und Psyche. Dieses Salz hilft bei Schlaflosigkeit, Muskelschwäche und Lähmungsgefühl sowie bei allen Störungen und Krankheiten, bei denen das Nervensystem beteiligt ist. Außerdem wird es erfolgreich bei Reizdarm­syn­drom und anderen nervösen Magen-Darm-Störungen eingesetzt.

Nummer 6: Kalium sulfuricum

Bedeutung hat Kalium sulfuricum vor allem für die Entgiftung über die Leber und als Salz für das dritte Entzündungsstadium. Es ist immer dann erforderlich, wenn der Stoffwechsel überlastet oder zu träge ist und angeregt werden muss.

Nummer 7: Magnesium phosphoricum

Dieses Salz ist das Mittel der Wahl bei allen Schmerzzuständen, auch bei krampfartigen Schmerzen sowie bei Neigung zu Krämpfen.

Nummer 8: Natrium chloratum

Natrium chloratum reguliert in allen Körperflüssigkeiten und Geweben die Wasseraufnahme und -abgabe an die Zellen. Dieses Salz ist sehr hilfreich bei Gelenkerkrankungen, vor allem dann, wenn es zu Ergüssen kommt.

Nummer 9: Natrium phosphoricum

Natrium phosphoricum regt den Nierenstoffwechsel an und beeinflusst damit entscheidend den Säure-­Basen-Haushalt. Nummer 9 fördert die Säure­­ausscheidung über die Nieren und wirkt so allen säurebedingten Erkrankungen entgegen wie Gicht, Sod­brennen, Osteoporose und Rheuma.

Nummer 10: Natrium sulfuricum

Natrium sulfuricum ist immer dann angezeigt, wenn die Entgiftung über Darm und Lymphe angeregt werden soll.

Nummer 11: Silicea

Das Salz ist das wichtigste Schönheitsmittel in der Biochemie. Silicea kann das Bindegewebe festigen, hilft beim Aufbau der Haut, Haare und Nägel und wirkt der Faltenbildung entgegen. Silicea ist auch ein wichtiges Salz für das Immunsystem und wirkt antientzündlich.

Nummer 12: Calcium sulfuricum

Dieses Salz hilft neben Silicea bei eitrigen Prozessen, Abszessen, Gelenkentzündungen, verbessert den Lymph­abfluss und unterstützt das Leber- und Gallensystem.

Besonders überraschend war die Tatsache, dass Fasten den Allgemeinzustand bei Patienten mit Rheumatoider Arthritis besserte. Das Fasten erfolgte drei bis sieben Tage lang auf Basis einer Nulldiät mit ausreichender Flüssigkeitszufuhr von zwei bis drei Litern. Bereits nach etwa zwei Tagen nahmen die Schmerzen der Erkrankten deutlich ab und gleichzeitig die Schwellungen in den Gelenken.

Die Beschwerden traten wieder auf, als die Ernährung der Patienten wieder auf Normalkost mit pflanzlichen und tierischen Lebensmitteln umgestellt wurde. Dagegen blieb der positive Effekt der Nulldiät erhalten, wenn sich die Patienten anschließend vegetarisch, also arachidonsäurefrei ernährten. Diese Erfolge wurden vor allem in den Rheumakliniken in Hamburg und Berlin erzielt. Der Kasten zeigt das Beispiel einer 54-jährigen Patienten mit Fibromyalgie, die eine absolut arachidonsäurefreie Kur, das sogenannte Basenfasten, zuhause durchgeführt hat.

Auch bei Rheumatoider Arthritis ist die Kombination aus Basenfasten und folgender Schüßler-Salze-Kur über einen Zeitraum von drei Monaten einen Versuch wert: morgens je zwei Tabletten Schüßler-Salz Nr. 1 (Calcium fluoratum D 12) und Schüßler-Salz Nr. 11 (Silicea D 12), morgens und mittags zwei Tabletten Schüßler-Salz Nr. 9 (Natrium phosphoricum D 6) und mittags und abends zwei Tabletten Schüßler-Salz Nr. 7 (Magnesium phosphoricum D 6). Gegebenenfalls sollte die Kur nach sechs bis acht Wochen Pause wiederholt werden. Für Kuren mit Schüßler-Salzen fehlt die wissenschaftliche Evidenz, doch setzen homöopathisch orientierte Therapeuten diese aufgrund ihrer Erfahrungen bei Patienten mit rheumatischen Erkrankungen ein.

Beispiel für eine Kur

Frau S., 54 Jahre alt, bemerkte 2006 erste Gelenk- und Hüftschmerzen sowie brennende Schmerzen beim Laufen und Treppensteigen. Als die Schmerzen im Laufe des Jahres schlimmer wurden, suchte sie verschiedene Ärzte auf. Die Wirkung der verordneten schmerz- und entzündungshemmenden Medikamente empfand sie als unzureichend. Erste Untersuchungen und Tests, auch auf Borreliose und Malaria, verliefen ohne Befund. Im Jahr 2009 stellten dann ­Ärzte in einer Rheumaklinik die Diagnose Fibromyalgie, 2011 erhielt Frau S. während einer Reha in einer Rheumaklinik erstmals Amitriptylin und begann mit einer Schmerz- sowie einer Psychotherapie. Darüberhinaus begann sie, sich selbst intensiv mit der Krankheit zu beschäftigen. Bei ihren Recherchen im Internet informierte sie sich über den möglichen Einfluss des Säure-Basen-Haushaltes bei Schmerzen und Entzündungen. Frau S. entschloss sich 2012, acht Wochen lang die »Basenfasten-Kur« durchzuführen. Ihr Speiseplan sah folgendermaßen aus:

  • Morgens ein Obstsalat der Saison oder ein Smoothie,
  • mittags ein Rohkostsalat und
  • gegen Abend leicht gekochtes, ge­dün­stetes oder gebratenes Ge­müse.
  • Zwei Tage nach ihrem letzten Basenfasten-Tag im August 2012 fühlte sich viel fitter und auch ihre früheren Schmerzen waren verschwunden. Seither macht sie etwa fünf Mal im Jahr Basenfasten. Durch diese Kuren hat sie ihr Essverhalten insgesamt verändert und wählt ihre Lebensmittel wesentlich bewusster aus.

 

Frau S. war nach der positiven Erfahrung mit dem Basenfasten hoch motiviert, die Symptome ihrer Krankheit durch die Ernährungsumstellung zu lindern. Zur Unterstützung empfehlen Homö­opathen Schüßler-Salze, die ebenfalls mithelfen sollen, die Entzündungsprozesse und Beschwerden einzudämmen.

Eine sinnvolle Kur in diesem Fall ist:

morgens und mittags je zwei ­Tabletten Schüßler-Salz Nr. 4 (Kalium chloratum D 6), Schüßler-Salz Nr. 8 (Na­trium chloratum D 6) und Schüßler-Salz Nr. 9 (Na­trium phosphoricum D 6) sowie morgens und abends je zwei Tabletten Schüßler-Salz Nr. 11 (Silicea D 12).

Auch die Experten der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) empfehlen Betroffenen, ihren Fleisch- und Fleischproduktekonsum erheblich zu reduzieren. Stattdessen sollten sie möglichst zwei Fischmahlzeiten pro Woche auf den Speiseplan setzen, vor allem Fischsorten mit einem hohen Gehalt an Omega-3-Fettsäuren wählen wie Hering, Lachs und Tunfisch. Zur Abnahme des Arachidonsäurespiegels können hochwertige pflanzliche Öle und Fette beitra­gen. Sie enthalten außerdem Vita­min E, das die Zellen vor freien Radikalen schützt. Für die ausreichende Versorgung mit wichtigen Spuren­ele­men­ten und Vitaminen sollten täglich Vollkornprodukte, Obst, Gemüse und Salat auf den Tisch kommen. Auf Alkohol sollten Rheumapatienten weitestgehend verzichten, da dieser Entzündungsprozesse noch zusätzlich verstärken kann.

Doch unabhängig vom Therapie­regime: Alle Maßnahmen und Arzneimittel können lediglich die Beschwerden lindern und die Lebensqualität und Prognose der Patienten verbessern, die Heilung einer rheumatischen Erkrankung ist derzeit nicht möglich. /

Über die Autorin

Die Buchautorin und Heilpraktikerin Sabine Wacker begann ihre berufliche Laufbahn in einer Apotheke als Apothekenhelferin und später als PTA. Danach studierte sie Medizin bis zum ersten Staatsexamen und leitet seit 1994 ihre eigene Naturheilpraxis in Mannheim. Vor 18 Jahren hat sie die Methode »basenfasten« entwickelt, seither 24 Bücher verfasst und über 200 basenfasten-Berater ausgebildet, unter anderem auch PTA und Apotheker. Seit 2015 hat sie mit ihrem Sohn Matteo die ersten offiziellen basenfasten Hotels zertifiziert. Seit Jahren schult sie im Auftrag der LAV Baden-Württemberg Apothekenmitarbeiter zur Schüßler-Salze-Beratung. Weitere Informationen finden Interessierte auf www.basenfasten.de.