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Zäpfchen

Das Einmaleins der Applikation

28.10.2016  11:35 Uhr

Von Ursula Sellerberg / Über die Anwendung von Zäpfchen und anderen rektalen Darreichungsformen sprechen viele Patienten ungerne. Das macht das Beratungsgespräch häufig schwierig. Einige Anwendungshinweise tragen jedoch – diskret formuliert – zum Erfolg der Behandlung bei.

Der Dickdarm besteht aus dem Blinddarm, dem Grimmdarm (Kolon), dem Mastdarm (Rektum) und schließlich aus dem etwa 3 Zentimeter langen Analkanal. Der Teil des Mastdarms, der direkt über dem Analkanal liegt, heißt Rektalampulle. Dieser kann sich erweitern und vorübergehend den Kot bis zur Entleerung speichern. Auch Zäpfchen gelangen nach dem Einführen in die Rektalampulle. Je nach verwendeter Grundlage schmelzen sie dort entweder durch die Körperwärme oder ­lösen sich langsam in der Rektalflüssigkeit auf. Über die Schleimhaut werden die enthaltenen Wirkstoffe dann re­sorbiert und gelangen über die Rektalvenen zum Teil direkt in den Blutkreislauf – ohne zunächst die Leber zu ­passieren. Dadurch kann der First-Pass-Effekt teilweise umgangen werden. Bei machen Arzneistoffen ist diese Tat­sache von Vorteil, vor allem wenn der First-Pass-Effekt dazu führt, dass ein signifikanter Wirkstoffanteil aufgrund entstehender Metabolite dem systemischen Kreislauf entzogen wird.

Da in der Schleimhaut des Rektums schmerzempfindliche Nerven fehlen, ist ein Zäpfchen in der Rektalampulle normalerweise nicht zu spüren. Allerdings kann ein Zäpfchen im leeren ­Rektum durch sein Volumen einen gewissen Druck ausüben, der dann als Stuhldrang interpretiert wird.

Je nach Indikation dienen Zäpfchen zwei unterschiedlichen Zwecken. Zum einen entfalten sie eine systemische Wirkung, wenn die Arzneistoffe über die Schleimhaut des Mastdarms resorbiert werden und sich über das Blut im Körper verteilen. Andererseits können Zäpfchen auch zur lokalen Behandlung eingesetzt werden, beispielsweise bei Entzündungen der Darmschleimhaut oder zur Auslösung des Defäkationsreizes.

Einfluss der Grundlage

Viele Zäpfchen bestehen aus Hartfett (Adeps solidus). Bei dieser Grundlage, schmelzen die Zäpfchen, sobald sie in den After eingeführt werden, und ­setzen die im Hartfett gelösten oder fein verteilten Wirkstoffe frei. Die Grundmasse wasserlöslicher Zäpfchen sind entweder Gelatine oder Macrogole (Polyethylen­glykole = PEG), die sich beim Kontakt mit Wasser auflösen.

Zäpfchen sollten zwischen 15 und 25 Grad Celsius gelagert werden. Da die Schmelztemperatur von Hartfett bei etwa 35 Grad Celsius liegt, können die Zäpfchen bei hohen Temperaturen, etwa im Sommer, schon in der Ver­packung schmelzen. Daher sollten ­PTA oder Apotheker bei der Beratung zur Zusammenstellung einer Reiseapotheke keine Zäpfchen aus Hartfett empfehlen.

Das stumpfe Ende voran

Um die empfindliche Schleimhaut des Mastdarms nicht zu verletzen, sollten Zäpfchen immer behutsam eingeführt werden. Grundsätzlich gilt, sich davor zunächst die Hände mit Wasser und Seife zu waschen und gegebenenfalls einen Fingerling oder Handschuhe überzuziehen. Dann wird das Zäpfchen vorsichtig aus der Verpackung geschält, ähnlich wie eine Banane. Gelingt das nicht, kann die Verpackungsfolie mit einer spitzen Schere aufgeschnitten werden. Es ist normalerweise nicht ­vorgesehen, Zäpfchen zu teilen. Ist dies in Ausnahmefällen unumgänglich, beispielsweise weil das Kind nachts schnell ein Arzneimittel benötigt und die Dosierung des vorrätigen Arz­neimittels für das Kind jedoch um den Faktor 2 zu hoch ist, können die Eltern ein Zäpfchen längs und unter hygienischen Bedingungen teilen.

Damit das Einführen leichter fällt, kann das Zäpfchen kurz in warmes Wasser getaucht oder zwischen den Händen angewärmt werden. Durch die Hitze schmilzt die äußerste Schicht des Hartfetts an und funktioniert dann wie ein Gleitmittel. Fetthaltige Gleitmittel wie Handcreme oder Vaseline sind nicht empfehlenswert, denn sie können die Wirkung des Zäpfchens verringern. Wasserlösliche Zäpfchen dürfen vor dem Einführen nur ganz kurz mit warmem Wasser befeuchtet werden.

Zäpfchen sollten möglichst nur in einen leeren Darm eingeführt werden. Am besten gelingt die Applikation, wenn sich der Patient auf die linke Seite legt und das rechte Bein anwinkelt. Wenn er während des Einführens tief durch den Mund einatmet, entspannt sich zudem leichter die Muskulatur um den Darmausgang. Schiebt man Zäpfchen mit dem stumpfen Ende voraus in den After, schließt sich der Anus ­danach leichter. Das Zäpfchen soll möglichst bis hinter den Schließmuskel in den Mastdarm eingeführt werden. Dann ist es nicht mehr spürbar. Bei Kindern sollten die Eltern nach dem Einführen des Zäpfchens kurz deren Gesäßbacken zusammendrücken.

Ist ein lokaler Effekt gewünscht, beispielsweise an Hämorrhoiden, ­sollte das Zäpfchen gerade noch tastbar sein. Bei einigen lokal wirkenden Zäpfchen ist ein Mullstreifen in die Zäpfchenmasse eingeschmolzen, der das unerwünschte Herausgleiten des Zäpfchens aus dem Analkanal erschwert. Diese sogenannten Tamponzäpfchen oder Analtampons sollen ­einige Stunden im Analkanal liegen bleiben und werden daher am besten morgens nach dem Stuhlgang eingeführt.

Gleicher Applikationsweg

Zäpfchen sind nicht die einzige Darreichungsform zur rektalen Anwendung. Für diesen Applikationsweg stehen ­darüber hinaus beispielsweise Rektal­lösungen, -suspensionen und -schäume zur Verfügung. Diese wirken nicht nur im Rektum, sondern können in ­höhere Abschnitte des Dickdarms gelangen. Je größer das verabreichte ­Volumen, desto weiter breiten sich die Lösungen, Suspensionen oder Schäume aus. Auch in diesem Fall sollten die Patienten während der Applikation auf der linken Seite liegen und möglichst eine halbe Stunde danach in dieser Position verbleiben. Dadurch kann das Arzneimittel leichter in den absteigenden, linksseitig gelegenen Dickdarmabschnitt fließen (siehe Grafik). Zusätzlich unterstützt die Darmmotorik die Ausbreitung des Arzneimittels im Dickdarm.

Mikroklysmen, auch Rektiolen oder Miniklistiere genannt, sind kleine Einmaltuben zur rektalen Anwendung mit einem Applikationsrohr an der Spitze. Dieses Rohr wird bei Erwachsenen vollständig und bei Kindern etwa zur Hälfte eingeführt. Etwas Gleitgel oder das Befeuchten des Appli­kationsrohres ­erleichtern das Einführen. Die in den Mikroklysmen enthaltene Flüssigkeit wird nach dem Einführen in den Analkanal durch Zusammendrücken des Füllkörpers entleert. Danach muss die Tube im zusammengedrückten Zustand wieder herausgezogen werden, damit sie die Flüssigkeit nicht gleich wieder aufsaugt. Unmittelbar nach der Anwendung eines Mikroklysmas kann Stuhldrang einsetzen. Diesem sollten die Patienten nicht sofort nachgeben, sondern erst nach ein paar Minuten.

Ausreichende Salbenmenge

Anorektalsalben sollen vor allem im Analkanal wirken, beispielsweise gegen Analekzeme oder Hämorrhoidalbeschwerden. Um eine Salbe in den Analkanal einbringen zu können, ist ein Applikator erforderlich. Dieser ist je nach Präparat entweder an der Spitze oder mehrfach seitlich geöffnet. Bei einem Applikator mit seitlichen Öffnungen wird die Tube so weit zusammengedrückt, bis die Salbe gerade an den Austrittsöffnungen zu sehen ist. Dann wird der Applikator ohne Druck auf die Tube und unter leichtem Drehen in ­voller Länge eingeführt. Anschließend drückt der Patient kurz auf die Tube und verteilt das aus den seitlichen ­Löchern austretende Arzneimittel durch vorsichtiges Drehen der Tube.

Ist der Applikator hingegen nur am Ende geöffnet, wird er zunächst ganz eingeführt und die Tube erst beim langsamen Herausziehen zusammengedrückt. Dadurch wird ein Salbenstrang über die ganze Länge des Analkanals platziert. Wichtig ist, dass der Patient auf das hintere Ende der Tube drückt, um das Zurücksaugen des Arzneimittels zu verhindern. Nach der Anwendung wird der Applikator gemäß der jeweiligen Gebrauchsinformation gereinigt und kann dann wieder verwendet werden. Präparate ohne Applikator eignen sich nur zur Behandlung der Perianalhaut. /

Pro und Contra von Zäpfchen

Vorteile

  • Zäpfchen eignen sich für Patienten mit Schluckstörungen, bei Übelkeit oder Erbrechen oder zur systemischen Behandlung von Säuglingen und Kleinkindern.
  • Nebenwirkungen im Verdauungstrakt treten seltener auf.
  • Zäpfchen können auch Patienten mit einem schlechten Allgemeinzustand verabreicht werden, sogar bei Bewusstlosen.

Nachteile

  • Aus Zäpfchen werden Wirkstoffe langsamer aufgenommen als bei der peroralen Applikation. Soll die Wirkung schnell einsetzen, beispielsweise bei Migräne, kann das von Nachteil sein.
  • Die Resorptionsrate und damit die Bioverfügbarkeit können schwanken, deshalb sind Zäpfchen für Arzneistoffe mit geringer therapeutischer Breite nur bedingt geeignet.
  • Ein Zäpfchen zu applizieren ist vielen Patienten unangenehm und peinlich. Ähnlich empfinden teilweise auch nicht-professionell Pflegende und Eltern, die ihrem Kind ein Zäpfchen verabreichen.