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Zystitis-Therapie

Schneller mit Antibiotikum

28.10.2016  11:35 Uhr

Von Carolin Gieck / Ein Harnwegsinfekt kommt plötzlich. Nicht immer ist zur Behandlung sofort ein Antibiotikum nötig. Dies erläuterte Apothekerin Andrea Späth in ihrem Vortrag in der Pharma World auf der Expopharm in München zum Auftakt des PTA-Tages am Samstag.

Dysurie und Pollakisurie – erschwertes und/oder schmerzhaftes Wasserlassen und eine erhöhte Frequenz von Blasenentleerungen – sind typische Symptome eines Harnweginfekts. Nicht selten ist der Urin außerdem trüb und riecht unangenehm.

Harnwegsinfekte lassen sich je nach Schweregrad in komplizierte oder unkomplizierte beziehungsweise nach Lokalisation in obere und untere Harnwegsinfekte einteilen. Zur letzten Gruppe gehört die Blasenentzündung (Zystitis). Der Erreger ist fast immer das Bakterium Escherichia coli. »Jede zehnte Frau erkrankt im Laufe ihres Lebens an einem Harnwegsinfekt«, informierte Späth. Aufgrund ihrer Anatomie seien Frauen weitaus häufiger betroffen als Männer.

Um Patienten mit erhöhtem Risiko für einen komplizierten Verlauf herauszufiltern, differenziert die S3-Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Urologie von 2010 nach Patientengruppen. So kann bei einer ansonsten gesunden, nicht-schwangeren, prämenopausalen Frau eine unkomplizierte Zystitis angenommen werden. Nur diese sollte in der Selbstmedikation behandelt werden: Komplikationen sind selten und bei 30 bis 50 Prozent heilt der Infekt auch ohne Therapie innerhalb einer Woche aus. Dennoch empfiehlt die Leitlinie, deren Aktualisierung Ende des Jahres erwartet wird, eine antibio­tische Therapie, um »die klinischen Symptome rascher zum Abklingen zu bringen.« Mittel der Wahl sind Fosfomycin, Nitrofurantoin sowie das seit März erhältliche Pivmecillinam.

Die Deutsche Gesellschaft für All­gemeinmedizin und Familienmedizin sehe hingegen keine Notwendigkeit für eine antibiotische Therapie, berichtete Späth. »Da der Verzicht auf eine antibiotische Therapie keine Gefährdung darstellt, ist eine rein sympto­matische Behandlung oder der Einsatz alternativer Methoden eine vertret­bare Alternative zur sofortigen antibiotischen Behandlung«, heißt es dort. Bei einem unkomplizierten Fall können also bedenkenlos Analgetika, Phytopharmaka und ein Tee eingesetzt werden, empfahl Späth. Kommt es allerdings binnen drei bis fünf Tagen zu keiner Besserung oder treten Symptome wie Flankenschmerz, Schüttelfrost oder Erbrechen auf, sei der sofortige Arztbesuch unumgänglich. /