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Laryngitis

Wenn die Stimme versagt

01.11.2017
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Von Katrin und Tim Schüler / Entzündungen an Kehlkopf und Rachen haben viele Ursachen und belasten die Betroffenen oft sehr. Eine ganze Reihe von Präparaten beugt den Beschwerden vor oder lindert sie. Hier ist das Apothekenteam gefragt, jeweils die richtige Empfehlung zu geben.

Infektionen, nächtliches Schnarchen oder anhaltende Mundatmung trocknen die Atemwege aus. Außerdem schädigen Tabakrauch und der übermäßige Konsum von Alkoholika die Rachen­schleim­haut beziehungsweise den Kehldeckel beträchtlich. Aber auch Stress, Überanstrengung und Überlastung lassen mitunter die Stimme schwinden.

In höherem Lebensalter nimmt nicht nur die Dicke der Schleimhaut ab, was Infektionen begünstigt, sondern viele ältere Menschen trinken auch zu wenig. Ein Teufelskreis entsteht. Der Klassiker für Heiserkeit ist der grippale Infekt, den Viren auslösen, auf den sich jedoch auch Bakterien aufsatteln können. Letztere können eine Laryngitis auch verursachen.

Um Rachenbeschwerden und Heiserkeit vorzubeugen, kann Menschen mit individueller Prädisposition die tägliche Dampfinhalation helfen. Warmer Dampf, gegebenenfalls mit Kamille angereichert, legt sich auf die Schleimhaut und unterstützt ihre natürliche Funktion. Als besonders effektiv haben sich Kaltinhalationssysteme erwiesen. Die Kompressorgeräte erzeugen mittels feinster Düsen Tröpfchen beziehungsweise Partikel in einer Größe von circa 1 bis 6 Mikrometer in Form eines feinen Nebels. Im Unterschied zu Aerosol- oder Dampfpartikeln erreicht er nahezu alle Bereiche bis hin zu den kleinsten Bronchialästchen. Der Nebel strömt bei der Einatmung über Mund und Nase sowohl an den Zungen- und Gaumenmandeln als auch den Tuben- sowie Rachenmandeln vorbei und befeuchtet diese. Das trägt zur Gesund­erhaltung des lymphatischen Rachenrings bei, so dass eintretende Keime abgewehrt werden können.

Professionelle Sänger und Sprecher berichten über gute Erfahrungen mit der regelmäßigen Anwendung von ­Sole-Inhalationen, beispielsweise mit Emser Salz. Ihre stimmbildenden Organe sind damit für die tägliche besondere Belastung gut gewappnet. Für Menschen, die viel unterwegs sind, eignen sich mobil mitzuführende Inhalationsgeräte, die teilweise mit Batterien oder Akkus funktionieren. Auch bei diesen Geräten hat die hygienische Reinigung eine hohe Priorität. Mit einem Vaporisator werden die Aufsätze des Verneblersystems zügig und einfach entkeimt.

Häufig berichten Erkrankte, dass ihre Stimme zuerst tiefer oder auch rau klingt und ihnen die Lautbildung zunehmend Schwierigkeiten bereitet, bis sie nur noch leise flüstern können. Dann haben sich die Stimmlippen des Kehlkopfes entzündet. Besonders problematisch ist dieser Zustand für Menschen, die beruflich viel sprechen müssen, wie Lehrer, Sänger, Schauspieler oder Mitarbeiter von Callcentern.

Die Schleimhaut schützen

Sind wichtige Bereiche des Kehl­kopfes angeschwollen und entzündet, gelingt die Lauterzeugung nur noch schwer oder gar nicht mehr. Die Erkrankten bringen trotz großen Bemühens lediglich knarrende, rasselnde oder heisere Laute zustande. Viele versuchen, der Trockenheit im Rachen mit stetem Räuspern zu begegnen. Diese Reaktion ist aber eher kontraproduktiv, da sie dadurch die Schleimhaut noch weiter aufrauen. Stattdessen ist es viel sinnvoller, jene mit Lutschtabletten, zum Beispiel mit Emser Salz, zu befeuchten. Durch Hyaluron-haltige Tabletten, langsam im Mund aufgelöst, bildet sich ein Hydrogel, das Mund- und Rachenschleimhaut lang anhaltend befeuchtet. Lutschtabletten mit Panthenol versorgen die Schleimhaut mit Provitamin B5. Dexpanthenol unterstützt die Neubildung von Hautzellen und trägt so zur Regeneration der feuchten Schleimhaut bei. Auch Honigbonbons oder Lutschpastillen mit Isländisch Moos befeuchten die Schleimhaut und sind eine Empfehlung wert. Wer die Heilung mit einer Teezubereitung unterstützen möchte, kann dazu weitere Schleimstoffdrogen wie Eibisch, Malve oder Primel einsetzen.

Ignoriert man die ersten Symptome und spricht unter Belastung weiter, riskiert man ein totales Stimmversagen. Die Stimme zu schonen und möglichst nicht mehr zu sprechen, hat dann oberste Priorität. In dieser Situation hilft es bis zu sechsmal tägliche Sole-Nebel einzuatmen. Staub und Zigaretten­rauch gelten in diesem Fall als absolutes Tabu. Auch scharfe Speisen und ätherische Öle sind bei trockenen Schleimhäuten kontraproduktiv.

Homöopathen empfehlen bei Heiserkeit Apis mellifica, für Vielredner und bei überlasteten Stimmbändern zum Beispiel Arnica montana D6. Bei schmerzhafter Heiserkeit, die bis zur Stimmlosigkeit führen kann und häufig in Verbindung mit trockenem, starkem Reizhusten auftritt, eignet sich Phosphorus D6 bis D12. Bei plötzlich beginnender, schmerzhafter Heiserkeit sowie rauer, heiserer, tonloser Stimme in Kombination mit einer heftigen fiebrigen Erkältung und trockenem Hals sowie Schluckbeschwerden sind Atropa belladonna D6 oder ein homöopathisches Komplexmittel wie Contramutan® die Mittel der Wahl. Meditonsin®, das bei Entzündungen des Rachens und Kehlkopfes eingesetzt wird, enthält neben Aconitinum (Eisenhut) D5, Atropinum sulfuricum in D5 und Mercurius cyanatus D8.

Wann Gefahr droht

Hält die Heiserkeit bereits über drei Wochen an oder kommen starkes Unwohlsein, Schmerzen und Fieber dazu, ist zum Arztbesuch zu raten. Gleiches gilt bei Verdacht auf eine Mandelentzündung (Tonsillitis) oder psychologische Ursachen. Klingt die Stimme total belegt, sind die Grenzen der Selbstbehandlung ebenfalls erreicht und ein Hals-Nasen-Ohrenarzt ist aufzusuchen. Hier kann eine bakterielle Infektion des Kehldeckels vorliegen (Epiglottitis). In diesem Zusammenhang berichten Erkrankte oft, dass Fieber und starke Schluckbeschwerden oder sogar Atemnot die Symptome begleiten. Die Epiglottitis erfordert die Behandlung mit einem Antibiotikum.

Davon abzugrenzen ist vor allem das Krupp-Syndrom der Trachea, das meist jüngere Kinder betrifft. Charakteristisch sind hierbei bellender Husten und fehlende Halsschmerzen, die Stimme ist kaum beeinträchtigt. Dennoch droht besonders bei Säuglingen durch eine mögliche Verlegung der Atem­wege höchste Gefahr. Der fulminant verlaufende echte Krupp, ausgelöst durch Diphterie-Viren, ist in Europa zum Glück selten geworden. Im Spätherbst tritt jedoch häufig das sogenannte Pseudokrupp-Syndrom auf, das durch verschiedene Viren, vor allem Influenza-, RS-, Mumps- oder Masern­viren, verursacht wird, meist jedoch milder verläuft. Glucocorticoide und Sekretolytika sowie in schweren Fällen inhalatives Adrenalin sind die ersten Optionen im Therapieregime.

Auf Nebenwirkungen achten

Müssen die Patienten zum Beispiel bei bakteriellen Infekten oder bei Asthma bronchiale beziehungsweise COPD (Chronic Obstructive Pulmonary Disease) Glucocorticoide inhalieren, kann ein Pilzbefall (Mundsoor) die Folge sein. Neben dem Rat zum Arztbesuch können PTA oder Apotheker in einem weiteren Gespräch die richtige Anwendung und Komplikationen des Inhala­tions­sprays erklären. Nur wenige Anwender wissen, dass inhalatives Beclomethason, Budesonid und Fluticason die Stärke des Stimmmuskels (Musculus vocalis) verringern. Parasympathikomimetika wie Ipratropiumbromid und Derivate lassen mitunter die Schleimhaut austrocknen. Hinzu kommt, dass das Treibgas die Stimm­lippen anhaltend reizen kann, sodass diese anschwellen.

Auch die Frage nach anderen Arzneimitteln ist sinnvoll. Antihypertonika wie ACE-Hemmer (zum Beispiel Enalapril, Ramipril) können Reizhusten auslösen und das Gewebe der Stimmlippen schädigen. Die erhöhte Wasserausscheidung durch Diuretika (zum Beispiel Furosemid, HCT und Triamteren) lässt vor allem in Verbindung mit Antihypertonika die Schleimhaut austrocknen. In Kombination verwendete Antidepressiva (beispielsweise Citalopram, Amitriptylin und Fluoxetin) haben das Potenzial, laryngitisähnliche Erscheinungen zu erzeugen, da während dieser Therapie sowohl Mund als auch Schleimhaut ebenfalls austrocknen können. /