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Doppelte Überlebenszeit bei Speiseröhrenkrebs

09.11.2015  13:37 Uhr

Von Annette Immel-Sehr / Bei Speiseröhrenkrebs wird in der Regel versucht, den Tumor vollständig operativ zu entfernen. Erhält der Patient vorab eine Bestrahlung und eine Chemotherapie, verbessert dies die Erfolgsaussichten. Selbst lokal fortgeschrittene Tumoren können nach Vorbehandlung mit der sogenannten neoadjuvanten Radiochemotherapie häufig komplett entfernt werden.

Dies verbessert die Überlebenschancen der Patienten, wie eine aktuelle Studie aus den Niederlanden zeigt. Sieben Jahre nach der Operation waren von 178 Patienten, die eine neoadjuvante Radiochemotherapie erhalten hatten, noch 69 (39 Prozent) am Leben. War die Operation ohne Vorbehandlung durchgeführt worden, lebten nach 7 Jahren nur 47 von 188 Patienten (25 Prozent). Die neoadjuvante Radiochemotherapie verdoppelte die mittlere Überlebenszeit der Patienten von 24,0 auf 48,6 Monate.

»Dies sind deutliche Verbesserungen, die zahlreichen Patienten die Perspektive eröffnen, den Krebs langfristig zu überleben«, kommentiert Professor Dr. Heinz Schmidberger, Direktor der Klinik und Poliklinik für Radioonkologie und Strahlentherapie, Universitätsmedizin Mainz. »Die Strahlentherapie kann verhindern, dass es in der Speiseröhre zu einem Rückfall kommt. Die Chemotherapie vernichtet Tumorzellen, die bereits ins Blut übergetreten sind«, erläutert der Mediziner. Aber: »Die Kombination aus Bestrahlung und Medikamenten mit einer anschließenden Operation ist für die Patienten strapaziös. Sie kommt nur für Patienten infrage, die körperlich belastbar sind und aufgrund ihres Krebsleidens nicht stark an Körpergewicht verloren haben.« In Deutschland erkranken jedes Jahr fast 7000 Menschen an Speiseröhrenkrebs. Meist hat der Krebs bei der Diagnose bereits die Lymphknoten in der Nähe der Speiseröhre befallen. Eine komplette Entfernung des Tumors ist dann schwierig. /

Quelle: Deutsche Gesellschaft für Radioonkologie