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Ein Pflaster für das kranke Herz

09.11.2015  13:37 Uhr

Von Elke Wolf / Kardiologen der Universität Göttingen ist es gelungen, Herzmuskelgewebe in einer für das menschliche Herz passenden Größe, Form und Funktion zu produzieren. Mit diesen »Herzpflastern« könnten Mediziner künftig einmal geschädigtes Myokardgewebe, etwa bei einer Herzinsuffizienz, reparieren, teilt die Deutsche Gesellschaft für Kardiologie (DGK) mit.

»Die Herstellung von humanem, sich kontrahierenden Herzmuskelgewebe könnte eine völlig neue Form der Herzinsuffizienztherapie und kardialen Reparatur durch eine Remuskularisierung des Herzens darstellen«, sagt Dr. Paul Balfanz vom Institut für Pharmakologie der Universitätsmedizin Göttingen. Die Herzinsuffizienz ist die dritthäufigste Todesursache in Deutschland; derzeit verfügbare medikamentöse Ansätze können das Voranschreiten der Erkrankung allenfalls verlangsamen.

Die Forscher stellen das künstliche Herzgewebe (»Engineered Heart Muscle«, EHM) aus Kardiomyozyten aus menschlichen pluripotenten Stammzellen und menschlichen Fibroblasten her. Tierische Bestandteile kommen nicht zum Einsatz. Die Zellen werden in eine Matrix aus einem Kollagen-Hydrogel gegossen, die Herzgewebe werden auf Stempeln kultiviert, die mit 3D-Druckern hergestellt werden. »Auf diese Weise entsteht ein EHM-Patch, ein Herzpflaster, mit der herztypischen kontraktilen Funktion«, erklärt Balfanz. »Das Herstellungsverfahren erlaubt flexible Anpassungen sowohl der Größe als auch der Form der Herzpflaster an die Erfordernisse der Patienten.« In einer Serie von Experimenten konnten die Wissenschaftler die Patches optimieren und außerdem einige Qualitätskriterien etablieren. So sei einer der wichtigsten Sicherheitsaspekte, dass die Patches keine pluripotenten Zellen mehr enthalten, die unkontrolliert wachsen können.

Zusammen mit Kollegen der Universität Stanford haben Mediziner um Balfanz in einer ersten Anwendungsstudie in einem chronischen Herzinfarktmodell der Ratte gezeigt, dass die Herzpflaster auf das Herz implantiert werden können und dass damit »große Teile des erkrankten Herzmuskels remuskularisiert werden können«, so Balfanz. /

Quelle: Deutsche Gesellschaft für Kardiologie