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Senioren

Reisen im Ruhestand

09.11.2015  13:37 Uhr

Von Diana Haß / Rentenalter und Reiselust gehen oft Hand in Hand. Der Markt stellt sich darauf ein. Nie gab es so viele und so unterschiedliche Reiseangebote für Senioren.

Senioren sind reiselustiger denn je. Im Jahr 2010 unternahmen mehr als 60 Prozent der Über-70-Jährigen mindestens eine Urlaubsreise pro Jahr. Die Reiselust der Rentner hat verschiedene Gründe. Zum einen verfügen sie oft über zwei wichtige Voraussetzungen zum Reisen: Zeit und Geld. Zum anderen geht es den Deutschen im Alter gesundheitlich so gut wie nie zuvor. Die Lebenserwartung steigt kontinuierlich. Hinzu kommt: Viele Senioren haben ausgiebige Reiseerfahrung. Urlaube mit der Familie, Städtetrips, Kultur-, Fern- und Abenteuerreisen – all das haben sie im Laufe ihres Lebens schätzen gelernt. Entsprechend anspruchsvoll sind die reiseerfahrenen Senioren bei ihren Erwartungen an einen Urlaub. Jeder möchte, dass seine Bedürfnisse möglichst umfassend befriedigt werden.

In einer Befragung hat das Verbraucher-Forum der Bundesarbeitsgemeinschaft der Senioren-Organisationen (BAGSO) 2007 das Thema »Reisen im Alter« untersucht. Nach ihren Bedürfnissen im Urlaub befragt, gaben 70 Prozent der Senioren an, dass ihnen das Erleben der Natur besonders wichtig sei. 69 Prozent legen auf die Besichtigung von Städten und Sehenswürdigkeiten großen Wert. An dritter Stelle mit 51 Prozent wird das Bedürfnis genannt, sich zu erholen. Die BAGSO-Befragung kommt zu dem Ergebnis: ­»Senioren kurbeln mit ihrer Nachfrage die Tourismusindustrie an und geben – insbesondere für Pauschalreisen – mehr Geld aus als die Durchschnitts­bevölkerung«. Der Deutsche Reise­verband (DRV) hat ermittelt, dass bereits jetzt mehr als 15 Prozent aller Reisen der Deutschen von Menschen über 64 Jahren unternommen werden. ­Tendenz steigend. Der Seniorenreisemarkt ist ein Markt mit Zukunft.

Trotz Einschränkungen

Einerseits gilt im Alter zwar noch immer die Devise »Reisen, endlich reisen!«, andererseits ist die Devise »Reisen, weiterhin reisen« hinzugekommen. Ein hohes Lebensalter und auch gesundheitliche und körperliche Einschränkungen halten die Menschen immer weniger vom Reisen ab. Stattdessen wünschen sie eine Betreuung, die ihren Bedürfnissen entspricht. Die Anbieter haben dies erkannt – und reagiert. »Erfreulicherweise hat sich der Reisemarkt, für den die älteren Kunden eine sehr große Bedeutung haben, zunehmend auf die Bedürfnisse der Menschen, die sich für eine betreute Reise interessieren, eingestellt. Das Angebot ist groß«, sagt Ursula Lenz, Pressereferentin der BAGSO. Wenn Menschen chronische Krankheiten haben oder ihre Mobilität eingeschränkt ist, werden die Risiken während einer Reise größer. »Das gilt natürlich umso mehr für Reisen, auf denen man ­allein unterwegs ist. Deshalb rücken mit steigendem Alter betreute Reisen immer mehr in den Fokus«, sagt Lenz.

Für jeden das Passende

Bei betreuten Reisen gibt es ein breites Spektrum. Schon lange haben beispielsweise die Sozial- und Wohlfahrtsverbände ­Angebote für Menschen, die besonders betreut oder unterstützt werden müssen. »Es lohnt sich durchaus, einmal auf die Internetseiten der großen Verbände zu gehen und sich deren Reiseprogramme anzuschauen«, rät Lenz. Aber auch zahlreiche kommerzielle Reiseanbieter haben mittlerweile betreute Reisen in ihr Programm aufgenommen. »Der Grad der Betreuung ist dabei sehr unterschiedlich«, sagt die BAGSO-Expertin und ergänzt: »Das ist gut so, denn die Gruppe älterer Menschen ist ja keineswegs eine einheitliche. Im Gegenteil, die Lebensstile und damit verbunden die Wünsche und Bedürfnisse differenzieren sich mit zunehmendem Alter.«

Kriterien für eine betreute Reise

Experten der BAGSO raten: Gezielt nachfragen, ob Qualitäts­kriterien erfüllt sind. Dazu gehören:

  • Gepäck- und Transfer-Service
  • Art und Umfang der medizinischen Betreuung
  • Ausstattung des Hotels, die ­barrierefrei oder zumindest ­barrierearm sein muss

Eine betreute Reise kann für jeden etwas anderes bedeuten. »Während der eine – in seiner Mobilität leicht eingeschränkt – sich lediglich wünscht, dass er zu Hause abgeholt wird und sich auch während der Reise nicht um seine Koffer kümmern muss, benötigt der andere, der an einer chronischen Herzerkrankung leidet, die Gewissheit, dass ein Arzt die Reisegruppe begleitet«, führt Lenz aus. Nach ihrer Erfahrung sind Seniorenreisen oder betreute Reisen allerdings nicht immer klar deklariert. »Anbieter meiden diese Begriffe oft, wohl wissend, dass mancher Ältere sich nicht zu den ­Senioren zählt und deshalb nicht als solcher angesprochen werden möchte.« Es lohnt sich demnach unter den Stichwörtern »Komfortreisen« oder »ärztlich begleitete Reisen« genau den Umfang der Betreuung nachzulesen. Wer unsicher ist, sollte gezielt nachfragen (siehe Kasten).

Seniorenfreundliche Hotels

Je älter die Urlauber sind, desto wichtiger ist ihnen eine barrierefreie Unterkunft. Fast zwei Drittel der Über-75-Jährigen halten dies laut BAGSO-Umfrage für wichtig. Aufzüge oder Rampen, breite Türen, eine bodengleiche Dusche – all das gibt es in zahlreichen Unterkünften, nicht nur im Inland. Einige Reiseveranstalter bieten auch an exotischeren Zielen wie Ägypten, Namibia, Mexiko oder Curacao Hotels, die einen Rundumservice für Rollstuhlfahrer haben. Von der Anmeldung des Rollstuhls bei der Fluggesellschaft über spezielle Transferfahrzeuge bis hin zum Hilfsmittelverleih vor Ort organisieren spezialisierte Reiseveranstalter alles für einen sicheren Urlaub mit Rollstuhl oder Rollator.

Für Senioren, die selbstständig über das Internet ihren Urlaub planen, gibt es seit Juli 2013 eine sinnvolle Orientierungshilfe. Das Kuratorium Deutsche Altershilfe (KDA), die BAGSO und das Hotelportal HRS haben das »Senior Comfort«-Label entwickelt. Das Label soll eine Orientierungshilfe für die so genannten »Silver Traveller« sein. Es garantiert neben Barrierefreiheit zusätzlichen Komfort. Dazu gehören: Spiegel in Augenhöhe, Sitzmöglichkeiten im Bad, Gepäckträger-Service, lesefreundliche Speisekarten oder Restaurantservice am Platz.

Auch die Möglichkeiten, in Deutschland im Alter zu reisen, verbessern und erweitern sich ständig. Acht deutsche Urlaubsregionen und Städte haben sich zur Arbeitsgemeinschaft »Barrierefreie Reiseziele in Deutschland« zusammengeschlossen. »Gemeinsam leisten sie Pionierarbeit bei der Entwicklung von Reiseangeboten für Menschen mit Mobilitätseinschränkungen oder Hör- und Sehbehinderungen, für Gehörlose und Blinde sowie für Familien und Senioren«, teilt die Interessengemeinschaft mit. »Generationenfreundlicher Tourismus« beschäftigt Experten von Passau bis Fehmarn. Von barrierefreien Ausflugs-Kutschen über Einstiegshilfen für Paddelboote bis hin zu Guides bei Seh- oder Hörbehinderungen reicht das Spektrum der Angebote.

Weiterführende Links

Wer nicht mehr gut zu Fuß ist, kann vielerorts schon seit mehreren Jahren mit einem so genannten Wattmobil bequem durch das Watt touren. Die Forschungsgemeinschaft Urlaub und Reisen sah schon 2010 Senioren als »Wachstumsmotor der Bustouristik« und empfahl eine »kundenorientierte Angebotsgestaltung«. Auch die Bahn ist längst auf den Zug aufgesprungen und wirbt um »lebenserfahrene Urlauber«, für die gemeinsam mit der Arbeits­gemeinschaft Barrierefreie Reiseziele in Deutschland »individuelle Mobilitäts­pakete« entwickelt wurden.

Urlaub und Pflege

»Nicht ohne meinen Partner«, heißt die Devise bei vielen Senioren wenn es ums Verreisen geht. Kein Problem: Auch die Pflege eines Angehörigen kann man mit einer Reise kombinieren. So genannte Pflegehotels machen das möglich. Das Prinzip: Während der Pflegebedürftige in einem stationären Wohnbereich die notwendige professionelle pflegerische und medizinische Unterstützung bekommt, macht der Familienangehörige Urlaub. Zwischendurch ist Zeit für Gemeinsamkeit. Wer selbst pflegebedürftig ist und einen Tapetenwechsel möchte, kann sich in einer Seniorenresidenz zur Erholungspflege einmieten und dort an Gemeinschaftsangeboten und kulturellen Veranstaltungen teilnehmen.

Für Demenzkranke und ihre Angehörigen gibt es ebenfalls Reise-Angebote. Beispielsweise in den Demenzhotels »Landhaus Fernblick« im Sauerland oder »Landhaus am Fehmarnsund« an der Ostsee. Beide Hotels werden von einer Tochtergesellschaft der Arbeiterwohlfahrt betrieben. Meist buchen Ehepaare, bei denen einer den anderen betreut und nicht für eine Kurzzeitpflege in ein Heim geben möchte. In erster Linie geht es im Demenzhotel darum, dass sich der pflegende Angehörige entspannen und abschalten kann, während der Kranke fachkundig betreut wird. Es gibt Möglichkeiten, dass eine solche Reise als ambulante Kur oder Vorsorgemaßnahme finanziell gefördert wird. /