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Testkäufe

Schlechte Beratung oder unfaire Kritik?

09.11.2015  13:37 Uhr

Von Verena Arzbach / Testkäufe in Apotheken sind ein beliebtes Thema für Verbrauchermagazine. Reporter lassen sich in einigen Apotheken beraten, und am Ende eines entsprechenden TV- Beitrags gibt es schlechte Noten für die Leistung der Apotheken. Ob diese Testkäufe Apotheken nur bewusst bloßstellen sollen oder ob sie Ansporn sein können, die Beratung zu verbessern, darüber diskutierten Experten beim OTC-Gipfel des Apotheker­verbands Nordrhein in Düsseldorf.

Ein aktueller Testkauf des Norddeutschen Rundfunks (NDR) in der Sendung »Markt« Anfang November verlief nach dem bekannten Schema. Der NDR testete insgesamt zehn Apotheken. Eine Testkäuferin gab an, seit zehn Tagen unter Schwindelsymptomen zu leiden. In sieben Apotheken erhielt sie daraufhin ein apothekenpflichtiges Präparat gegen Schwindel. Nur in drei Fällen verwiesen PTA oder Apotheker sie an einen Arzt. Das sei zu selten, kritisierte das Verbraucher- und Wirtschaftsmagazin. Je nach Ursache des Schwindels könne er lebensbedrohliche Konsequenzen haben, etwa bei einem Hirntumor.

Der Gesundheitsökonom Professor Dr. Gerd Glaeske von der Universität Bremen, der in der Vergangenheit schon häufig Apotheken-Testkäufe in den Medien kommentiert und auf die teils schlechte Beratung hingewiesen hat, hält die Leistung der Apotheken für nicht akzeptabel.

Die Wirksamkeit der apothekenpflichtigen Schwindelpräparate sei nicht ausreichend durch klinische Studien belegt. Bei der Auswahl eines OTC-Präparats müsse aber immer die Evidenz im Vordergrund stehen. Das forderte der Apotheker beim OTC-Gipfel. Apotheken-Testkäufe waren hier Thema einer Podiumsdiskussion.

Transparente Prüfungen

»Wir Apotheker begrüßen transparente Prüfungen, die die Arbeit in öffentlichen Apotheken unterstützen«, sagte Thomas Preis, Vorsitzender des Apothekerverbands Nordrhein. Mediale Beiträge, die nur darauf ausgelegt seien, die Apotheken in schlechtem Licht darzustellen, nutzten jedoch niemandem und seien eine Enttäuschung für diejenigen Apothekenmitarbeiter, die gute Arbeit leisten. Glaeske hielt dagegen: Es gehe bei den Tests keinesfalls darum, die Apotheken zu verunglimpfen. »Wenn sich die Apotheker als Beratungsexperten begreifen, müssen sie auch überprüfen lassen, ob die Qualität der Beratung stimmt«, so Glaeske.

Schwierige Aufgabe

Lutz Engelen, Präsident der Apothekerkammer Nordrhein, zeigte sich insgesamt zufrieden mit den Ergebnissen, die Apotheken bei Pseudo-Customer-Käufen der Kammern erzielten. »Zwei Drittel der Apotheken beraten gut.« Wenn der Kunde ein Symptom schildere, sei die Beratung in allen Apotheken durchweg gut, so Engelen. Kommt der Patient dagegen mit dem Wunsch nach einem bestimmten Präparat, sei es mitunter komplizierter. »Es ist eine schwierige Aufgabe, den Kunden umzustimmen, wenn das gewünschte Präparat nicht optimal für ihn ist. Das gelingt auch nicht immer«, so Engelen. Dem stimmte auch Glaeske grundsätzlich zu. In der Beratung könne man in solchen Fällen von der Evidenz abweichen, man müsse es aber bewusst tun.

Zwar müssten Patienten darauf hingewiesen werden, dass das gewünschte Mittel nicht das richtige ist, waren sich alle Experten einig. Aber: »Letztendlich darf der Patient selbst entscheiden, welches Präparat er kaufen möchte«, sagte Dirk Meyer, Patientenbeauftragter der nordrhein-westfälischen Landesregierung. Für Meyer sind Apotheken ein unverzichtbarer Bestandteil des Gesundheitssystems und in vielen Fällen erster Ansprechpartner. Die mitunter unfaire Kritik an der Beratungsleistung der Apothekenteams sollten diese konstruktiv nutzen, um einen Qualitätsprozess anzustoßen. Glaeske regte zudem an, dass Apotheker gemeinsam mit Ärzten eine Liste von OTC-Arzneimitteln erstellen, deren Wirksamkeit belegt ist. /