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Warzen

Unschöne Virusinfektion

09.11.2015  13:37 Uhr

Von Annette Immel-Sehr / Gefährlich sind Warzen nicht, aber oft kosmetisch störend und mitunter ziemlich schmerzhaft. In einem solchen Fall sollten sie entfernt werden. Dazu stehen verschiedene Methoden zur Verfügung. PTA und Apotheker können dem Kunden mit ihrer Beratung helfen, die richtige Entscheidung zu treffen.

Warzen sind gutartige Hautwuche­run­gen, die durch Viren – meist durch humanpathogene Papillomaviren (HPV) – ausgelöst werden. Die Übertragung der Viren erfolgt durch direkten Haut­kontakt. Schwimmbäder, Saunen und Turnhallen sind häufige An­steckungs­orte. Doch Betroffene kön­nen sich auch selbst anstecken, indem sie Viren beispielsweise von der Warze am Fin­ger auf den Rumpf übertragen. Kleine Verletzungen, Ent­zündungen oder man­­gelhafte Durch­­blutung er­leich­tern die Infek­tion. Besonders anfällig sind immun­geschwächte Per­sonen und häufig auch Kinder. Um eine Ver­breitung der Viren oder eine zu­sätz­liche bakterielle Infektion zu vermei­den, gilt grund­sätzlich: nicht kratzen und nicht mit scharfen Gegen­ständen manipu­lieren.

Dermatologen unterscheiden eine Reihe unterschiedlicher Warzenarten. Die häufigste Form der Hautwarze ist die gewöhnliche Warze (Verruca vulgaris). Typischerweise sind sie an Finger- und Handrücken und am Nagelwall lokalisiert, wo sie einzeln stehen oder sich auch beetförmig ausbreiten können. Zunächst zeigen sie sich als hartes, hautfarbenes, kugeliges Knötchen. Mit der Zeit wird die Oberfläche durch zunehmende Verhornung rau und zerklüftet. Wenn sich dann Blut oder Schmutz einlagern, erscheint die ­Warze dunkel.

Die auf den Fußsohlen lokalisierten Dornwarzen (Verrucae plantares) sind eine Sonderform der gewöhnlichen Warze. Ihr Name verrät schon das Problem: Dornwarzen verursachen beim Gehen Schmerzen, als würde man auf Dornen treten. Denn wegen des Drucks beim Auftreten wachsen diese Warzen nur in die Tiefe. Familienmitglieder können sich leicht gegenseitig anstecken. Wer Warzen an den Fußsohlen hat, sollte daher zu Hause nicht barfuß laufen und die Dusche nur mit Badeschlappen betreten.

Eine weitere Sonderform der gewöhnlichen Warze ist die Pinselwarze (Verruca filiformis), die vor allem bei älteren Menschen an Augenlidern oder an der Nase auftritt. Plane oder flache Warzen (Verrucae planae), die kaum über das Hautniveau herausragen, finden sich vor allem bei Kindern und Jugendlichen. Sie kommen meist in großer Zahl im Gesicht, auf Handrücken, Handgelenk und Unterarmen vor und sind hautfarben oder hell bräunlich.

Kinder, aber auch stark immungeschwächte Erwachsene, sind zudem häufig von sogenannten Dellwarzen (Molluscum contagiosum) befallen, die durch das Molluscum-contagiosum-Virus verursacht werden. Es handelt sich um stecknadelkopf- bis erbsengroße, in der Mitte leicht eingedellte Knötchen, die typischerweise am Rumpf, im Gesicht, in der Genitalregion oder in den großen Beugen auftreten. In der Mitte der Delle findet sich meist eine kleine Öffnung, aus der sich eine breiartige, weiße Masse ausdrücken lässt. Achtung: Diese ist hoch ansteckend.

Eisig entfernen

Warzen müssen nicht unbedingt behandelt werden, da sie gutartig sind. Häufig verschwinden sie sogar von selbst wieder: Manchmal heilen Warzen nach Monaten oder Jahren spontan. Warum, ist unbekannt. Wenn die Warzen allerdings Schmerzen verursachen oder die Beweglichkeit einschränken, sollten sie entfernt werden. Zudem kann es kosmetische Gründe geben, Warzen zu eliminieren.

Verschiedene Verfahren stehen dazu zur Verfügung. Die schnellste Methode ist das Wegschneiden mit einem chirurgischen Löffel (Kürette) durch den Arzt. Das zweitschnellste Verfahren ist das Vereisen der Warze (Kryotherapie). Auch dies kann der Arzt durchführen. Mittlerweile gibt es aber auch Vereisungssprays für die Selbstmedikation. Dabei wird der Applikator je nach Produkt maximal 20 beziehungsweise 40 Sekunden mittig auf die Warze gesetzt. Mithilfe eines Dimethylether-Propangemisches werden dann Temperaturen zwischen -50 und -60 °C erzeugt. Ärzte verfügen über Geräte, die noch tiefere Temperaturen erreichen. Während der Behandlung tritt ein stechender Schmerz auf. Die eisige Temperatur zerstört sowohl das Warzengewebe als auch die Viren. Unter der Warze entsteht schließlich ein Bläschen, das die Warze abhebt. Nach etwa ein bis zwei Wochen fällt sie dann von selbst ab.

Schäden vorbeugen

Anwender sollten vor Beginn der Therapie die Gebrauchsanweisung des Produkts gründlich lesen. Denn eine nicht sachgerechte Anwendung kann zu Schäden im gesunden Gewebe führen. Im Rahmen der Selbstmedikation sollte die Kryotherapie daher auch nur bei Erwachsenen angewendet werden. Mit der Methode lassen sich Warzen an Händen und Füßen gut entfernen. Zur Anwendung an anderen Körperpartien ist sie nicht geeignet, da die Haut dort meist zu empfindlich oder zu dünn ist.

Bei tiefen Dornwarzen kann ein mehrmaliges Vereisen nötig werden. Zwischen zwei Anwendungen sollte allerdings immer eine Pause von zwei Wochen eingehalten werden. Lässt sich die Warze mit vier Anwendungen nicht entfernen, sollte der Betroffene einen Arzt aufsuchen. Diabetikern und Menschen mit schlechter Durchblutung kann die Methode nicht ohne weiteres empfohlen werden. Sie sollten vor einer Anwendung ihren Arzt konsultieren. Dasselbe gilt für schwangere und stillende Frauen.

Klassische Methoden

Eine altbekannte Möglichkeit der Warzen-Entfernung ist die schmerzlose Verätzung des Gewebes. Dabei kommen Silbernitrat oder Chloressigsäure zum Einsatz, die mittels eines speziellen Stiftes aufgetragen werden.

Alterswarzen sind anders

Auch wenn die Bezeichnung es vermuten lässt – die sogenannten Alterswarzen sind keine Warzen. Sie werden weder durch Viren verursacht, noch sind sie infektiös. Es handelt sich vielmehr um gutartige Hautwucherungen, die jenseits des 50. Lebensjahres an Rücken, Nacken, Brust oder im Gesicht auftreten können. Als Ursache wird eine genetische Veranlagung vermutet. Alterswarzen sind aus medizinischer Sicht nicht behandlungsbedürftig. Trotzdem sollten PTA und Apotheker dem Kunden grundsätzlich empfehlen, einen Dermatologen aufzusuchen, um eine Verwechselung mit einem Melanom auszuschließen. Da Alterswarzen 1 bis 2 Zentimeter groß werden können, besteht häufig der Wunsch, sie aus kosmetischen Gründen zu entfernen. Der Facharzt kann dazu ein geeignetes Verfahren vorschlagen.

Bezüglich der Anwendungsdauer und -häufigkeit sind die Herstellerangaben zu beachten. Silbernitrat wird in der Regel zwei bis drei Wochen lang alle zwei Tage aufgetragen. Chloressigsäure ist je nach Produkt einmal wöchentlich oder mehrmals täglich an vier aufeinanderfolgenden Tagen anzuwenden. Nach einiger Zeit beginnt sich die Haut zu lösen und kann vorsichtig mit lauwarmem Wasser abgezogen werden. Falls die Warze nicht vollständig entfernt wurde, kann die Behandlung nach einer Anwendungspause wiederholt werden. Um die gesunde Haut rund um die Warze nicht zu beschädigen, sollte der Patient sie vor jeder Behandlung mit Zinkpaste oder Fettsalbe eincremen.

Geduld ist nötig

Eine weitere klassische Methode der Warzenentfernung ist die Keratolyse, also die Auflösung der verdickten Hornschicht. In der Selbstmedikation haben keratolytisch wirksame Substanzen wie Salicylsäure oder Milchsäure die größte Bedeutung. Bei Anwendung eines Warzen-Pflasters muss dieses exakt zugeschnitten und gut fixiert werden, damit nur die erkrankten Hautstellen behandelt werden. Es kann einige Tage auf der Warze verbleiben. Keratolytische Lösungen sollten zwei- bis viermal täglich aufgetragen werden.

Bei Tinkturen werden häufig Zubereitungen auf Kollodiumbasis eingesetzt, die eine Art unsichtbaren Lack auf der Warze hinterlassen. Dieser muss vor dem erneuten Auftragen der Lösung durch Abziehen oder vorsichtiges Abrubbeln wieder entfernt werden. Auch bei dieser Methode sollte die umliegende Haut mit Zinkpaste oder Fettsalbe geschützt werden. Die aufgeweichte oberste Hornhaut wird – am besten nach einem Bad in lauwarmen Wasser – behutsam mit einer Feile oder einem Hornhauthobel abgetragen. Neben den reinen Keratolytika steht für die Warzenbehandlung auch ein verschreibungspflichtiges Kombinationspräparat mit Salicylsäure und dem Virustatikum Fluorouracil zur Verfügung.

Die Keratolyse ist langwierig und dauert sechs bis zwölf Wochen. PTA und Apotheker sollten Kunden im Beratungsgespräch darauf hinweisen, damit sie nicht zu früh mit der Behandlung aufhören. Um bei Dornwarzen derweil den Druck von der schmerzhaften Stelle zu nehmen, ist es empfehlenswert, rund um die Warze ein ringförmiges Polsterpflaster zu verwenden. Die homöopathische Heilkunde empfiehlt, Thuja-Tinktur auf die Warze zu tupfen. Thuja enthält das örtlich stark reizende Thujon sowie das virustatische Deoxypodophyllotoxin. Auch Thuja D6 Globuli, Causticum Hahnemanni D4 Globuli und Stibium sulfuratum nigrum D4 Tabletten finden je nach Warzentyp Verwendung. Volksmedizinisch gelten Schöllkrautsaft, Zypressen-Wolfsmilch, Teebaumöl und Knoblauch als Mittel zur Warzenbehandlung. Die Wirksamkeit ist allerdings umstritten.

Zu guter Letzt

Wenn alles nicht hilft, kann der Arzt die Warze unter örtlicher Betäubung schichtweise mit dem Laserstrahl abtragen. Dieses Verfahren ist relativ teuer und wird nur bei sehr hartnäckigen, tief liegenden Warzen angewendet. Nach der Laserbehandlung entsteht eine offene Wunde, die entsprechend versorgt werden muss, damit sie ohne Komplikation und Narbenbildung heilt. /