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Fettleber

Ursache meist Übergewicht

14.11.2016
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Von Judith Schmitz / Häufig wird die Fettleber mit über­mä­ßigem Alkoholgenuss in Verbindung gebracht. Doch meist entsteht sie als Folge von Übergewicht und Bewegungsmangel. Welcher Mechanismus der Leberverfettung zugrunde liegt, welche Folgen sie haben kann und wie man vorbeugen kann.

Die Fettleber (Steatosis hepatis) ist eine der häufigsten Lebererkrankungen. Rund ein Viertel der erwachsenen westlichen Bevölkerung hat eine Fettleber, in Deutschland sind es etwa 20 Prozent aller Bürger. Am häufigsten sind Über-60-Jährige betroffen, aber zunehmend auch Kinder und Jugendliche.

Die Leber (griechisch Hepar) ist das zentrale Stoffwechselorgan des Körpers (siehe auch Grafik). Ihre Aufgaben sind vielfältig: Sie synthetisiert lebenswichtige Proteine, zum Beispiel Gerinnungsfaktoren, verwertet Nahrungsbestandteile, speichert in dem Zusammenhang Kohlenhydrate in Form von Glykogen sowie Vitamine und stellt Energiesubstrate bereit. Außerdem produziert die Leber Galle, wodurch sie zur Fettverdauung beiträgt. Sie sorgt auch für den Abbau und die Ausscheidung von Stoffwechselprodukten, Medikamenten und Giftstoffen. Die Leber nimmt auch Kohlenhy­drate und Fettsäuren aus der Nahrung auf, metabolisiert sie und gibt sie als Triglyceride wieder ins Blut ab.

Bei der Fettleber ist der Fettsäure- und Triglyceridstoffwechsel der Leberzellen (Hepatozyten) gestört. Sind zu viele Fette und Kohlenhydrate aus der Nahrung verfügbar, kann die Leber nicht alle verstoffwechseln und abtransportieren. Also speichert sie die Triglyceride und verfettet mehr und mehr. Sind mehr als die Hälfte der Hepatozyten von der Leberzellverfettung betroffen oder macht der Gewichtsanteil des Fetts in der Leber mehr als 10 Prozent ihres Gesamtgewichts aus, liegt per Definition eine Fettleber vor. Die Konzentration von Triglyceriden in der Leber beträgt normalerweise circa 5 Prozent, bei der Fettleber sind bis zu 50 Prozent möglich.

Diese Verfettung kann über Jahre unbemerkt ohne Symptome verlaufen. Kommt es neben der Fettablagerung zu einer Entzündung, liegt eine Fettleberhepatitis (Steatohepatitis) vor. In circa 5 bis 10 Prozent der Fälle kann sich hieraus eine Leberzirrhose entwickeln, bei der das Lebergewebe allmählich zu starrem Bindegewebe umgebaut wird. Aus der Zirrhose oder direkt aus der Fettleber kann auch ein hepatozelluläres Karzinom entstehen.

Alkohol zerstört Leberzellen

Mediziner unterscheiden zwei Arten der Fettleber, abhängig von ihrer Ur­sache. Die alkoholische Fettleber (AFL) entsteht durch massiven Alkohol­konsum über einen längeren Zeitraum. ­Das Enzym Alkoholdehydrogenase baut im Magen und in der Leber Alkohol ab, wobei toxisches Acetaldehyd entsteht. ­In großen Mengen kann Acetaldehyd ­direkt die Leberzellen schädigen. Außerdem schränkt der Alkoholmissbrauch den Fettsäureabbau in der ­Leber ein, gleichzeitig wird die Neusynthese von Fettsäuren gesteigert. Die Fettsäuren lagern sich in den Leber­zellen ein.

Anfangs ist diese Leberverfettung reversibel, das heißt, das Organ kann sich bei Abstinenz wieder er­holen. Bei fortgesetztem Alkoholkonsum kann die Verfettung jedoch zu einer alkoholischen Hepatitis oder einer Leberzirrhose führen.

In den meisten Fällen ist allerdings nicht Alkoholmissbrauch Grund für die Leberverfettung. »Die Hauptursache der Fettleber ist eine ungesunde Lebensweise«, sagt der Gastroentero­loge Professor Dr. Peter R. Galle von der Johannes-Gutenberg-Universität Mainz. Vor allem Übergewicht und Fettleibigkeit, insbesondere viszerale Adipositas, sind verantwortlich für die nicht-alko­holische Fett­leber (NAFL). Weitere Risiko­faktoren sind Stoff­wechselerkran­kungen wie Diabetes mellitus und Fettstoffwechselstörungen. Die Leber­verfettung kann auch frühes Zeichen des metabolischen Syndroms sein, welches wiederum ein wesentlicher Risikofaktor für kardiovaskuläre Erkrankungen ist. Daneben können auch Leberentzündungen infolge einer Virusinfektionen (Virushepatitis durch Hepatitis-C-Virus), Medikamente (zum Beispiel Steroidhormone, Tetracycline, Methotrexat) und Schadstoffe die Entwicklung einer Fettleber begünstigen.

Bei Übergewicht und Adipositas liegt ein Missverhältnis zwischen der Energiezufuhr durch Lebensmittel und dem Energieumsatz durch Bewegung vor. Dies führt zu einer positiven Energiebilanz. Der Stoffwechsel speichert die überschüssige Energie als Körperfett, auch in den Hepatozyten. Um­gekehrt kann die NAFL aber auch Folge einer chronischen Mangelernährung sein. »In Ländern, in denen Menschen wenig zu essen haben und Hunger ­leiden müssen, ist Mangelernährung eine häufige Ursache der Fettleber. Bei uns spielt sie aber eine untergeordnete Rolle, etwa bei Unterernährung durch Anorexie«, erklärt Galle. Wird dem ­Körper zu wenig Protein zugeführt (weniger als 0,8 Gramm pro Kilogramm Körpergewicht täglich), kommt es zu einem Mangel an Energie. Dann ist nicht genug Energie aus Muskel- und Bindegewebszellen verfügbar, die normalerweise für die Fettverbrennung benötigt wird. In der Folge lagern sich die nicht-verstoffwechselten Triglyceride aus der Nahrung an und in der Umgebung der Leber ab. Auch erbliche Stoffwechselstörungen oder Enzymdefekte sind mögliche Ursachen einer NAFL. Hier ist die Bildung oder Ausschleusung von Lipiden in beziehungsweise aus der Leber gesteigert oder vermindert.

Deutscher Lebertag am 20. November

»Leber/wert/voll« so lautet das Motto des 17. Deutschen Lebertags. Rund um den bundesweiten Aktionstag ­am 20. November werden zahlreiche ­Veranstaltungen wie Arzt-Patienten-­Seminare, Experten-Sprechstunden oder Lebertest-Aktionen angeboten. Ausrichter des Deutschen Leber­tages sind die Deutsche Leberstiftung, die Deutsche Leberhilfe und die Gastro-Liga.

Das Motto soll darauf hinweisen, dass die Leberwerte wichtige Hinweise auf den Gesundheitszustand des Organs geben können. Erkrankungen der Leber werden in vielen Fällen erst spät erkannt, weil sie oft keine Beschwerden auslösen. Erhöhte Leberwerte, etwa der ALT- und der AST-Wert, können bei einer Blutuntersuchung aber erste Anzeichen einer Lebererkrankung sein. Die Ursache erhöhter Blutwerte sollte immer abgeklärt werden. Wenn Lebererkrankungen diagnostiziert sind, können sie in der Regel gut behandelt werden. Das Motto »Leber/wert/voll« soll außerdem daran erinnern, wie wertvoll die Leber ist und welche vielfältigen Aufgaben sie als zentrales Stoffwechselorgan erfüllt.

Mehr Informationen, ein Infor­mationsfaltblatt und weiteres ­Material wie ein Lebertest und ein Leberquiz gibt es auf der Website www.lebertag.org.

Besonders der Fruchtzucker Fructose, der in Form von Fructose-Glucose-Sirup oder Maisstärkesirup in vielen süßen Getränken und Diät-Lebensmitteln enthalten ist, soll die Enstehung einer Fettleber fördern. Die Gefahr, eine nicht-alkoholische Fett­leber zu entwickeln, steigt Untersuchungen zufolge mit zunehmendem Konsum Fructose-gesüßter Getränke.

Maßnahmen zur Prophy­laxe einer Fettleber

  • gesunde und ausgewogene Ernährung
  • regelmäßig Sport treiben
  • falls vorhanden, Übergewicht abbauen
  • Alkohol nur in geringen Mengen: Körpergewicht und genetische Faktoren beeinflussen die verträgliche Alkoholmenge. Die Richt- werte der DGE: Frauen sollten täglich nicht mehr als 10  g Alkohol aufnehmen (ein Viertel Liter Bier oder ein Achtel Liter Wein), Männer höchs­tens 20 g Alkohol (einen halben Liter Bier oder ein Viertel Liter Wein)
  • mit Fructose gesüßte Getränke meiden
  • Risikogruppen mit angeborener Lebererkrankung oder familiärer Belastung sollten ihre Leber regelmäßig untersuchen lassen
  • Impfschutz gegen Hepatitis A und B

Der Zucker regt die Leber zur Neubildung und zur Einlagerung von Fetten an. Die Verstoffwechselung der Fructose in der Leber hemmt zudem den Abbau von Fettsäuren aus der Nahrung.

Keine Symptome

Oft bereitet eine Fettleber den Patienten keinerlei Beschwerden und bleibt über Jahre unbemerkt. Symptome, die schließlich bei Lebererkrankungen im Frühstadium auftreten können, sind Abgeschlagenheit und Leistungsminderung. Mediziner sagen: »Der Schmerz der Leber ist die Müdigkeit.« Hinzu können Magen-Darm-Beschwerden wie Völlegefühl und Blähungen kommen.

Eine Ultraschalluntersuchung ist die gängigste Untersuchung, um den Verdacht auf eine Fettleber abzuklären. Liegt eine Fettleber vor, ist das Organ im Vergleich deutlich heller und kann vergrößert sein. Auch Computer- und Magnetresonanztomografie sowie der histologische Befund nach einer Biopsie sind mögliche Verfahren. Sie alle geben auch Auskunft, ob eine Leber­zirrhose oder ein Karzinom vorliegt. Die Konzentration der Leberenzyme, die im Blut nachweisbar sind, ist meist nicht aufschlussreich.

Die Gamma-Glutamyltransferase (GGT) kann erhöht sein. Die Werte Alanin-Aminotransferase (ALT) und Aspartat-Aminotransferase (AST) sind aber genau wie die alkalische Phosphatase (ALP) und die Cholinesterase ChE bei einer reinen Fettleber in der Regel un­auffällig. Erst wenn eine Entzündung vorliegt, steigen die Leberwerte im Blut.

Behandlungsmöglichkeiten

Ohne Anzeichen einer Leberentzündung wird der Fettleber oftmals nur wenig Beachtung geschenkt. Da das Fett jedoch sowohl Ausdruck eines Grundproblems, zum Beispiel einer Diabetes-Erkrankung, sein kann als auch selbst zur Pathogenese einer Fettleberentzündung durch freie Fettsäuren beiträgt, woraus sich wiederum eine Leberzirrhose oder ein Karzinom entwickeln kann, sollte sie frühzeitig entdeckt und behandelt werden.

Die Therapie der Fettleber richtet sich nach der Ursache, die der Verfettung zugrunde liegt. Bei einer AFL ist Alkohol-Abstinenz die erste Maßnahme. Ebenso muss der Auslöser ­gemieden werden, wenn eine NAFL durch Medikamente, Drogen oder andere Gifte ausgelöst wurde. Stoffwechs­elerkrankungen wie Diabetes mellitus oder Fettstoffwechselstörungen, die die Entstehung einer Fettleber begünstigen, lassen sich in der Regel gut medikamentös therapieren.

Ist die Fettleber vor allem auf Übergewicht zurückzuführen, sollte der ­Betroffene zunächst seine körperliche Aktivität steigern. Eine gesunde Er­nährung hilft bei der Gewichtsreduk­tion. Die Fetteinlagerungen können sich dann oftmals bei einer kalorienreduzierten, gesunden, ausgewogenen Ernährungsweise vollständig zurück­bilden. Aber Achtung: Fastenkuren oder Nulldiäten sind für die Leber­gesundheit keinesfalls empfehlenswert. Es kann der Leber vielmehr schaden, denn durch den Energiemangel reduziert sich der Leberstoffwechsel.

Medikamente zur Behandlung einer Fettleber gibt es bislang nicht. Es laufen jedoch verschiedene Studien, etwa mit Antidiuretika, den Hormonen Glucagon und Triiodthyronin (T3) oder Vitamin E. Sie setzen an der Behandlung unterschiedlicher Ursachen der Fett­leber und ihrer Folgestadien an. /