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Hydrolipidfilm stärken

Wintermantel für die Haut

14.11.2016
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Von Elke Wolf / Wenn es draußen kalt wird, brechen für die Haut raue Zeiten an. Normalerweise wehrt der natürliche Fettfilm, der die Hautoberfläche überzieht, schädliche äußere Einflüsse ab und bewahrt die Haut vor Austrocknung. Machen ihm allerdings Kälte, Wind und Heizungsluft zu schaffen, braucht er winterfeste Pflege.

Eiseskälte draußen und Heizungsluft innen bedeuten das reinste Wechselbad für die Haut. Sie legen diese förmlich aufs Trockene, indem sie die Permeabilitätsbarriere, den Hydrolipidmantel und die Wasserbindungskapazität der Hornschicht stören. So kann mehr Wasser aus tiefer gelegenen Hautschichten entweichen, und der transepidermale Wasserverlust nimmt zu. Die Verdunstungsrate erhöht sich in den Wintermonaten sogar noch, denn kalte Schneeluft enthält bedeutend weniger Feuchtigkeit als warme Luft.

Außerdem drosseln die Talgdrüsen bei niedrigen Temperaturen ihre Aktivität; unter 8 °C stellen sie ihre Arbeit komplett ein und die Talgproduktion versiegt vollends. Demzufolge wird der hauteigene Hydrolipidmantel angegriffen, er wird immer löchriger. Woll- und Rollkragenpullover tun ihr Übriges und trocknen die Haut zusätzlich aus. Da Wasser und Fett für die Geschmeidigkeit und Elastizität der Hautoberfläche von entscheidender Bedeutung sind, tritt bald ein unangenehmes Spannungsgefühl auf, begleitet von Juckreiz und Schuppenbildung.

Die Witterungsverhältnisse machen selbst der normalen bis Mischhaut ­Beschwerden, empfindliche oder eher trockene Haut kann gänzlich kapitulieren. Die Tatsache, dass in den Wintermonaten die Zellregeneration ohnehin reduziert ist, facht den Prozess zusätzlich an. Abgestorbene Hautschuppen werden nicht mehr ohne Weiteres abgestoßen, die Haut erscheint fahl und grau. Alterungsprozesse werden leichter sichtbar. Patienten mit Hautkrankheiten wie Ekzemen oder Neuroder­mitis klagen im Winter über zunehmende Beschwerden.

Frostschutz-Fahrplan

Eines der wichtigsten Anliegen der Pflegekosmetik im Winter besteht deshalb in der Stabilisierung des Hydro­lipidfilms, damit ihm die wechselhaften Witterungsverhältnisse nicht allzu sehr zusetzen und die Haut geschmeidig und elastisch bleibt.

So sind in den Wintermonaten austrocknende Präparate wie alkoholhaltige Gesichtswässer, gewöhnliche Seife oder raue Peelings nicht zu empfehlen. Sie holen zu viel Talg und Fett von der Haut und reißen somit Löcher in den Schutzfilm. Alkalifreie, rückfettende Spezialseifen oder Reinigungsmilch (wie Weleda Mandel Wohltuende Reinigungsmilch) befreien das Gesicht schonend von Schmutzpartikeln. Zum Tonisieren eignet sich ein alkoholfreies Gesichtswasser mit beruhigenden Zusätzen oder Thermalwasser (zum Beispiel Avène mildes Gesichtswasser, Thermalwasser von Vichy oder La Roche-Posay). Für Hände und Körper sind Waschsyndets ideal, also milde Seifen mit hautähnlichem pH-Wert.

Im Winter sollten Pflegecremes einen höheren Lipidanteil enthalten. Es empfehlen sich zum Beispiel Wasser-in-Öl-Emulsionen, denen etwa Jojoba-, Weizenkeim-, Nachtkerzen-, Traubenkern- oder Borretschöl, Sheabutter, Phospholipide oder Ceramide zugesetzt sind (wie La Roche-Posay Nu­tritic Intense). Wichtig ist auch, dass das entsprechende Präparat über einen NMF, also einen Natural Moisturizing Factor, verfügt (wie Eucerin® Hyal-Urea, Eucerin® Hautglättende Gesichtscreme 5 % Urea). Dahinter verbergen sich Feuchthaltefaktoren wie Harnstoff, Hyaluronsäure, Kollagen, Glycerol oder Milchsäure. Sie binden Wasser in der Haut und wirken der Verdunstung entgegen.

Extra-Tipps für die kalte Jahres­zeit: Die Nachtcreme schützt auch gut am Tag, da sie ein Plus an Fetten enthält. Das Augengel des Sommers sollten Anwender durch eine Augencreme ersetzen. Noch mehr Fett und Feuchtigkeit bringen entsprechende Gesichtsmasken in die Haut, wenn sie zweimal wöchentlich angewendet werden (wie Derma Sel Revitalisierende Rosenmaske, Dr. Hauschka Revitalmaske). Auch die Lippen dürfen im Frostschutz-Fahrplan nicht fehlen, zumal sie nicht von einer Hornhaut geschützt werden. Mit einem Pflegestift oder Balsam mit natürlichen Wachsen oder Ölen sind sie gut geschützt (wie Dr. Hauschka Lippenpflegestift).

Der Lippen-Schutz ist besonders in den Bergen Pflicht. Durch die Höhe ist die Sonneneinstrahlung inten­siver: Je 1000 Höhenmeter nimmt die Intensität der UV-B-Strahlung um rund 15 Prozent zu, außerdem multipliziert sich die Strahlenwirkung durch Reflexion an der Schneeoberfläche.

Pflegeplus in den Bergen

Neben dem UV-Filter-Komplex brauchen Skifahrer, Langläufer und andere Wintersportler ohnehin eine besondere Pflege, da sie ihre Haut oft stundenlang Frost und Fahrtwind aussetzen. Eine zu stark wasserhaltige Pflege kann Erfrierungen verursachen. Ein spezieller Kälteschutzbalsam, weitgehend wasserfrei und besonders fettreich, kann verhindern, dass Wasser an der Hautoberfläche festfriert (zum Beispiel Excipial® Mandelölsalbe, Weleda Calendula Wind- und Wetterbalsam). Nicht vergessen: Beim Aufenthalt in warmen Räumen ist die Kältecreme wieder zu entfernen, damit es keinen Wärmestau gibt.

Nicht nur die Gesichtshaut leidet unter dem Winter. Versteckt unter Schals, Rollkragen und langen Hosen führen Hals, Dekolleté sowie die Haut an den Beinen ein Schattendasein. Gerade bei trockener Haut macht sich ein tägliches Pflegeprogramm bezahlt. Für die Körperreinigung eignen sich medizinische rückfettende Ölbäder, die kein Parfüm oder austrocknende Komponenten enthalten, dafür aber reich an Soja-, Mandel- oder Erdnussöl sind (wie Ölbad Cordes®, Dermasence Pflegebad mit Mandelöl, Balneum-Hermal®, Avène Cold Cream Rückfettendes Duschgel). Diese überziehen die Haut mit einem dünnen Film. Übrigens: Ölbäder eignen sich auch zum Duschen. Nach dem Bad oder der Dusche die Haut nur vorsichtig abtupfen, damit möglichst viel Öl darauf zurückbleibt. Danach mit rückfettenden Pflegepräparaten auf Wasser-in-Öl-Basis einmassieren. /