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Husten

Abwarten ist die falsche Strategie

23.11.2015
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Von Gudrun Heyn / Manchmal ist Husten das Symptom einer schweren Krankheit. In den meisten Fällen wird er jedoch von den typischen Erkältungsviren verursacht. Gegen seine unangenehmen Attacken helfen zahlreiche OTC-Präparate. Suchen Menschen in der Apotheke Rat und Hilfe gegen ihren lästigen Husten, gilt es stets zu prüfen, ob eine Selbstmedikation möglich ist.

Das Abhusten von Sekret gehört zu den wichtigsten Schutzreflexen des Körpers, um die Atemwege von Fremdkörpern oder Schleim zu befreien. Wenn es den feinen Flimmerhärchen der Schleimhäute nicht gelingt, mit rhythmischen Bewegungen Keime, Fremdpartikel oder Schleim aus den Atemwegen zu befördern, lösen spezielle Rezeptoren den Hustenreflex aus und sorgen damit für den Abtransport. Die Rezeptoren reagieren ebenfalls auf Zigarettenrauch, Luftmangel in der Lunge (Atelektase) oder auf chemische Reize. Sie befinden sich in den oberen und unteren Atemwegen, am Zwerchfell und selbst im Magen. Besonders dicht sind sie allerdings im Bereich des Kehlkopfes, des Rachens und der großen Bronchien verteilt. Über Nervenbahnen werden die Reize an das Hustenzentrum des Gehirns weitergeleitet und dort verarbeitet. Daher lässt sich ein Hustenreiz auch bewusst unterdrücken.

Schweregrad klären

Am meisten husten Menschen während der jährlich wiederkehrenden Erkältungswellen. So gehörte der Erkältungshusten im ersten Halbjahr 2015 zu den häufigsten Gründen für eine Krankschreibung, berichtet die Deutsche Angestellten Krankenkasse DAK. Um den Schweregrad eines Hustens richtig beurteilen zu können, müssen sich PTA oder Apotheker nach dessen Dauer erkundigen. Besteht er weniger als drei Wochen, handelt es sich um akuten Husten. Dauert er länger als acht Wochen, liegt laut Definition chronischer Husten vor.

Der akute Husten als Folge einer Erkältung ist eine harmlose, aber meist unangenehme Begleiterscheinung im Verlauf eines viralen Infekts der oberen Atemwege und/oder einer akuten Bronchitis. In der Regel heilt eine banale Infektion der oberen Atemwege oder der Bronchien bei 60 Prozent der Betroffenen innerhalb von zwei Wochen von alleine ab. Davon zu unterscheiden sind schwere Verläufe und Krankheiten wie Grippe (Influenza), Lungenentzündung (Pneumonie) und Keuchhusten (Pertussis). Die Therapie dieser Fälle gehört selbstverständlich in die Hand eines Arztes. Auch Patienten mit chronischem Husten sollten PTA oder Apotheker dringend einen Arztbesuch nahe legen. Chronischer Husten ist häufig Begleiterscheinung einer chronischen Erkrankung wie chronische Bronchitis, chronisch-obstruktive Lungenkrankheit (COPD) und Asthma. Außerdem rufen manche Medikamente wie ACEHemmer, Lipidsenker, Insuline und Antidepressiva Husten hervor.

Beratung erfordert Zeit

Obwohl die meisten Menschen ihren Husten eher als banale Beschwerde ansehen, sollten sich PTA oder Apotheker für die Beratung Zeit nehmen. Sie sollten den Patienten nicht verunsichern und ihm auch keine Angst machen, doch manchmal verbergen sich ernsthafte Erkrankungen hinter dem Symptom Husten, beispielsweise Tuberkulose. Das Robert Koch-Institut fordert bei einem Husten mit unklarer Ursache, immer einen Arzt aufzusuchen, vor allem wenn der Husten länger als drei Wochen andauert. Für die Beurteilung des Hustens müssen PTA oder Apotheker auch klären, ob der Patient unter produktivem oder trockenem (Reiz-) Husten leidet. Kennzeichen des produktiven Hustens ist die Bildung von mindestens zwei Esslöffeln (30 ml) Atemwegssekret am Tag. Gelb-grünlicher Auswurf weist auf eine bakterielle Infektion hin, bei der in der Regel eine Antibiotika-Therapie erforderlich ist. Die Bundesapothekerkammer (BAK) sieht die Grenzen der Selbstmedikation erreicht, wenn Menschen seit zwei bis drei Wochen ohne nennenswerten Auswurf husten. Die Aufforderung, einen Arzt zu konsultieren, sollte auch immer bei eitrigem oder blutigem Auswurf erfolgen sowie bei Asthmatikern, Allergikern oder Menschen mit Reflux- ösophagitis, einer Erkrankung, bei der Mageninhalt in die Speiseröhre zurückfließt und die Schleimhaut der Speiseröhre bereits geschädigt ist.

Zudem ist der Arztbesuch ratsam, wenn dem Patienten das Atmen bei Belastung schwer fällt oder ihm sogar Schmerzen bereitet. Auch Fieber über 39°C und ein schlechtes Allgemeinbefinden schließen eine Selbstmedikation aus.

Erkältungshusten ist leicht an den charakteristischen Symptomen eines grippalen Infekts zu erkennen: Anfangs leiden die Erkrankten unter wässrigem Schnupfen, der nach etwa zwei bis drei Tagen seine Konsistenz ändert und zähflüssiger, manchmal eitrig wird. Zudem lassen die ersten Beschwerden wie allgemeine Abgeschlagenheit, Kopf- und Gliederschmerzen in aller Regel nach zwei bis drei Tagen nach. Die Erreger des lästigen aber harmlosen Infekts, meist Rhino-, Corona- und Parainfluenzaviren, heften sich an die Schleimhaut der Atemwege und rufen Entzündungen in Nase (Rhinitis), Nasennebenhöhlen (Sinusitis), Rachen (Pharyngits) und Hals (Laryngitis) hervor. Die Infektion endet oft mit Husten. In diesem Stadium sind die feinen Flimmerhärchen der Atemwege meist nicht mehr in der Lage, die strapazierten und entzündeten Schleimhäute zu reinigen. Dann versucht der Körper mit heftigen Hustenstößen, die Erkältungserreger aus den Atemwegen zu befördern. Schnupfen, Hals- und Kopfschmerzen sind in der Regel nach sieben bis zehn Tagen verschwunden, nur der Husten begleitet die Betroffenen oft noch länger.

Die Hustenphase beginnt in aller Regel mit einem trockenen, krampfartigen Reizhusten. Meist ist er mit Schmerzen verbunden und lässt die Betroffenen auch in der Nacht nicht zur Ruhe kommen. Erst in einer zweiten Phase wird der Husten produktiv. Dann bilden die Bronchien genügend Schleim, der die Erreger bindet.

Sonderfall Bronchitis

An akuter Bronchitis erkranken in den Wintermonaten pro Woche rund 160 Patienten pro 100.000 Einwohner, meldet das Internetportal der deutschen Lungenärzte. Eine akute Bronchitis dauert normalerweise vier Wochen, bis der Husten spontan abklingt. Bei 90 Prozent aller Kranken sind Erkältungsviren die Ursache. Und sehr häufig ist Bronchitis die Folge eines akuten viralen Infekts der oberen Atemwege. Doch auch Masernviren, Bakterien, Pilze oder chemische Reize können die Entzündung der Bronchien hervorrufen.

In der Therapie des Erkältungshustens haben Phytopharmaka einen hohen Stellenwert. Sie können die Hustenattacken lindern und zu einer Verkürzung der Leidenszeit beitragen. So weisen auch die Autoren der aktuellen Husten-Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Allgemein- und Familienmedizin (DEGAM) auf die Wirksamkeit ein zelner pflanzlicher Präparate hin. Eine Therapie mit chemisch definierten Expektoranzien halten sie dagegen nicht für notwendig. Die Behandlung mit chemisch definierten Antitussiva empfehlen sie nur in Ausnahmefällen, wenn quälender, festsitzender Reizhusten den Nachtschlaf stark stört.

Gegen den Hustenreiz

Antitussiva – auch Hustenstiller genannt – reduzieren den Hustenreiz. Die meisten Arzneistoffe dieser Gruppe beeinflussen das Hustenzentrum im Gehirn, beispielsweise Dextromethorphan oder das verschreibungspflichtige Codein oder Hydrocodein. Zu den Ausnahmen gehören Wirkstoffe wie Benproperin (zum Beispiel in Tussafug® überzogene Tabletten) und Dropropizin (zum Beispiel in Larylin® Husten-Stiller Saft). Es wird vermutet, dass diese Substanzen die Weiterleitung des Hustenreizes an das Gehirn unterdrücken. Zur Beruhigung eines trockenen Reizhustens eignen sich auch Phytopharmaka. Sie zeichnen sich durch ein günstiges Nebenwirkungsprofil aus. Angewendet werden meist Fertigarzneimittel mit Extrakten: beispielsweise Fluidextrakt aus Spitzwegerichblättern wie in Broncho-Sern® Sirup, Trockenextrakt aus Eibischwurzel wie in Phytohustil® Hustenstiller, wässriger Auszug aus Isländisch Moos wie in Isla-Moos® oder Presssaft aus Spitzwegerichkraut wie in Schoenenberger® Naturreiner Heilpflanzensaft Spitzwegerich.

Die Wirkstoffe aus den Schleimdrogen Spitzwegerich, Eibisch und Isländisch Moos lindern Hustenreiz lokal, indem sie einen schützenden Film auf den Schleimhäuten bilden und somit Reize von den Hustenrezeptoren fern halten. Spitzwegerich wirkt zudem entzündungshemmend, antibakteriell und spasmolytisch, je nach Zubereitung auch schleimlösend.

Gegen zähen Schleim

Expektoranzien erleichtern den Abtransport und das Abhusten von zähem Schleim, indem sie dessen Zähigkeit verringern (Mukolytika), die Schlag - frequenz der Flimmerhärchen erhöhen (Sekretomotorika) oder die Sekretion von dünnflüssigem Schleim fördern (Sekretolytika). Beispiele für chemisch definierte Wirkstoffe aus dieser Gruppe sind Ambroxol (zum Beispiel in Mucosolvan®) und Acetylcystein (zum Beispiel in Tussamag® NAC akut Brausetabletten). Zu den pflanzlichen Expektoranzien zählt die Rote Liste vor allem Thymian, Efeu und Myrtol sowie Eukalyptusöl und seinen Hauptbestandteil Cineol. Ebenso gehören Zubereitungen aus Anisfrüchten und Primelwurzel zu den Therapieoptionen, um hartnäckigen, zähen Schleim zu lösen und den Auswurf zu fördern.

Extrakte aus Thymiankraut (zum Beispiel in Bronchicum® Lutschpastillen) und Efeublättern (zum Beispiel in Prospan® Hustentropfen) sowie Eukalyptusöl (zum Beispiel in Aspecton® Eukaps Weichkapseln) und Cineol (zum Beispiel in Soledum® Kapseln) erleichtern nicht nur das Abhusten, sie wirken auch (schwach) entkrampfend und lindern so zugleich den Hustenreiz. Zubereitungen aus Myrtol, einem standardisierten Destillat aus Eukalyptus-, Süßorangen-, Myrten- und Zitronenöl (zum Beispiel in GeloMyrtol® forte) wirken nicht nur mukolytisch und sekretolytisch, sondern auch entzündungshemmend und tragen so zusätzlich zur Abschwellung der gereizten Schleimhaut bei. Für Myrtol, Thymian, Eukalyptus und Cineol wurde zudem eine antimikrobielle Wirkung nachgewiesen. Arzneipflanzen-Kombinationen beispielsweise aus Thymian und Primel (zum Beispiel in Bronchicum® Elexir) nutzen den sekretolytischen und sekretomotorischen Effekt des ätherischen Öls im Thymiankraut und den Schleimfluss anregenden Effekt der Saponine aus der Primelwurzel.

Auch wenn pflanzliche Hustenmittel meist gut vertragen werden, sind manche für Säuglinge und Kleinkinder tabu. Bei Präparaten mit Eukalyptusöl ist Vorsicht geboten, denn eine zu hohe Dosierung oder eine falsche Anwendung kann bei den Kleinen Verkrampfungen des Kehlkopfs und Atemnot auslösen.

Externa zum Inhalieren

Wer den Aufwand nicht scheut, kann seinen Erkältungshusten zusätzlich mit Inhalationen lindern. Dazu geeignet sind zahlreiche ätherische Öle. Zur Verfügung stehen beispielsweise Zubereitungen mit Eukalyptus- und Kiefernnadelöl und Menthol wie in Pinimenthol® Erkältungssalbe oder mit Menthol, Campher, Eukalyptus- und Terpentinöl wie in Wick® VapoRub Erkältungssalbe. Die Salben eignen sich sowohl zum Einreiben als auch in Wasser gelöst zum Inhalieren. Der warme Dampf hat gleich mehrere Effekte: Die Schleimhäute werden befeuchtet, der festsitzende Schleim gelöst und die Flimmerhärchen können sich wieder besser bewegen. Zudem profitieren die Kranken von den antimikrobiellen Eigenschaften der ätherischen Öle. Sie erschweren es den Erregern, sich in den Atemwegen festzusetzen. Regelmäßige Inhalationen sind daher eine wertvolle Ergänzung zur peroralen Therapie.

Für Kinder unter zwei Jahren sollten PTA und Apotheker zum Einatmen stets campher- und mentholfreie Prä- parate empfehlen. Denn auch Campher und Menthol können in dieser Altersgruppe eine starke Schwellung der Kehlkopfschleimhaut (Glottis- ödem) mit Atemnot hervorrufen. Für Kinder gibt es im Handel milde Zubereitungen etwa mit Eukalyptus- und Fichtennadelöl (zum Beispiel in Babix®- Inhalat N oder Eucabal Balsam S). Diese Präparate tragen die Eltern am besten nur auf die Kleidung der Kleinen oder auf die Bettwäsche auf.

Wichtig für alle Erkälteten ist zudem der Hinweis auf ausreichende Flüssigkeitszufuhr. Empfehlenswert ist hier vor allem heißer Kräutertee. /