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Mit Bluttest Gehirnerschütterung erkennen

23.11.2015
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Von Annette Immel-Sehr / Bislang fehlt es an einfachen Methoden, um eine Gehirnerschütterung zu erkennen. Lediglich die Computertomografie gibt sicher Auskunft. Doch sie wird – vor allem aus Kostengründen – bei kleineren Unfällen nur selten angewandt. Meist diagnostizieren Ärzte leichte Schädel-Hirn-Traumata gerade bei Kindern anhand der Symptome, beispielsweise Kopfschmerzen, Übelkeit, Erbrechen oder Gleichgewichtsstörungen.

Wissenschaftler aus Florida haben nun einen Bluttest entwickelt, der eine Gehirnerschütterung fast so zuverlässig diagnostiziert wie moderne bild­gebende Verfahren. Dabei weist der Test das sogenannte saure Gliafaserprotein im Blut nach. Diese Substanz kommt normalerweise nur im Zytoplasma von Gliazellen im Gehirn vor. 

Bei Verletzungen des Gehirns wird sie jedoch freigesetzt und gelangt in die Blutbahn, da sie die Blut-Hirn-Schranke passieren kann. Um die Aussagekraft des Bluttests zu überprüfen, untersuchten die Forscher Blutproben von 152 Kindern mit Kopfverletzungen, die sie im Laufe der ersten sechs Stunden nach dem Unfall gewonnen hatten. Ihr Ergebnis: In 94 Prozent der Fälle, bei denen mittels Computer-Tomografie eine Gehirn­erschütterung nachgewiesen worden war, fand der Test saures Gliafaserprotein im Blut. Dabei nahm die Konzentration des Biomarkers mit der Schwere der Verletzung zu und lieferte den Ärzten somit einen ersten Eindruck, wie ernsthaft das Schädel-Hirn-Trauma des Patienten war. Die Forscher hoffen nun, ein handliches Gerät entwickeln zu können, mit dem sich eine Gehirn­erschütterung schnell und einfach nachweisen lässt – mit einem Tropfen Blut aus der Fingerbeere wie beim Blutzuckertest für Diabetiker. /

Quelle: www.spektrum.de