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Markteinführung

Zwei Neulinge im Handel

23.11.2015
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Von Sven Siebenand / Im Laufe des Novembers sind in Deutschland zwei neue Wirkstoffe auf den Markt gekommen. Alirocumab ist ein Antikörper zur Senkung des LDL-Cholesterols, Isavuconazol ein neues Antimykotikum.

Bei der Senkung des LDL-Cholesterols spielt ein bestimmtes Protein eine wichtige Rolle, das Proproteinkonvertase Subtilisin/Kexin Typ 9 (PCSK9). Wenn PCSK9 an LDL-Rezeptoren bindet, führt das zu deren Abbau. In der Folge sind auf der Oberfläche der Leberzellen weniger LDL-Rezeptoren verfügbar, die LDL-Cholesterol aus dem Blut entfernen können. Durch Hemmung von PCSK9 bleibt die Zahl der LDL-Rezeptoren auf der Leberzelloberfläche erhalten und so wird der LDL-Cholesterol-Spiegel gesenkt. Alirocumab (Praluent® 75-/150 mg Injektionslösung in einem Fertigpen, Sanofi-Aventis) ist bereits der zweite verfügbare Antikörper gegen PCSK9, im September kam Evolocumab (Repatha®) auf den Markt.

Alirocumab ist zugelassen entweder als Monotherapie oder in Kombination mit anderen Lipidsenkern als Zusatz zu diätetischen Maßnahmen bei Patienten mit primärer Hypercholesterolämie oder gemischter Dyslipidämie, bei denen Statine kontraindiziert sind oder die kein Statin vertragen. Ärzte dürfen den neuen PCSK9-Hemmer ferner – allein oder in Kombination mit anderen Lipidsenkern – mit einem Statin kombinieren, wenn trotz maximal tolerierter Statin-Dosis das LDL-Cholesterol nicht stark genug gesenkt werden kann.

Der neue Antikörper steht als vorgefüllter Einzeldosis-Pen in zwei Dosierungen zur Verfügung und muss subkutan in Oberschenkel, Bauch oder Oberarm injiziert werden. Die empfohlene Anfangsdosis beträgt einmal alle zwei Wochen75 mg. Patienten, bei denen das LDL-Cholesterol stärker gesenkt werden soll, können mit einer subkutanen Injektion von 150 mg alle zwei Wochen beginnen. Dabei wird den Patienten geraten, die Einstichstelle bei jeder Injektion zu wechseln und Alirocumab nicht in Bereiche zu spritzen, die verletzt oder entzündet sind, zum Beispiel bei Sonnenbrand oder Hautausschlägen. Zudem darf der Patient den Antikörper nicht in dieselbe Stelle spritzen, die er gleichzeitig für andere injizier­bare Arzneimittel gewählt hat. PTA und Apotheker sollten die Patienten ferner darauf hinweisen, dass Alirocumab bei 2 bis 8 °C zu lagern ist. Sie sollten den Pen aber rechtzeitig vor der Injektion aus dem Kühlschrank nehmen, damit die Lösung zum Injektionszeitpunkt Raumtemperatur erreicht hat.

Ärzte sollen Patienten mit schwerer Nieren- oder Leberfunktionsstörung Alirocumab mit Vorsicht verordnen. Bei Schwangeren wird der Einsatz des Antikörpers nicht empfohlen, es sei denn der klinische Zustand der Mutter erfordert die Behandlung. Da unbekannt ist, ob und wie sich Alirocumab auf ein gestilltes Kind auswirkt, muss der Arzt entscheiden, ob die Mutter abstillt oder die Antikörper-Behandlung unterbricht.

Häufige Nebenwirkungen von Alirocumab waren in Studien lokale Reaktionen an der Injektionsstelle wie Rötung und Schwellung, Symptome einer gewöhnlichen Erkältung oder Grippe sowie Juckreiz. Treten nach Injektion Anzeichen schwerwiegender allergischer Reaktionen auf, muss der Patient den PCSK9-Hemmer absetzen und ein Arzt die Symptome direkt behandeln.

Neues Pilzmittel

Das Antimykotikum Isavuconazol (Cresemba® 100 mg Hartkapseln/ -200 mg Pulver für ein Konzentrat zur Herstellung einer Infusionslösung, Basilea Pharmaceutica International) ist die aktive Wirksubstanz des Prodrugs Isavuconazoniumsulfat. Wie andere Vertreter aus der Klasse der Azole hemmt auch der neue Wirkstoff die Synthese von Ergosterol und stört so den Zellwandaufbau der Pilze. Zugelassen ist Isavuconazol zur Behandlung von erwachsenen Patienten mit invasiver Aspergillose sowie für erwachsene Patienten mit Mukormykose, für die der Wirkstoff Amphotericin B ungeeignet ist. Bei beiden Erkrankungen handelt es sich um lebensbedrohliche Pilzinfektionen, die überwiegend bei Krebspatienten und anderen Patienten mit geschwächtem Immunsystem auftreten.

Das neue Orphan Drug ist als Pulver zur Herstellung einer Infusionslösung und in Form von Hartkapseln erhältlich. Infusionen und Kapseln werden gleich dosiert: 48 Stunden lang alle acht Stunden sechs Dosen mit je 200 mg, gefolgt von einer 200-mg-Erhaltungsdosis einmal täglich. Falls erforderlich, ist es möglich, die Applikationsform zu wechseln, also von der Infusion zu Kapseln und umgekehrt. Die Dauer der Therapie hängt davon ab, wie der Pa tient auf die Behandlung anspricht. Ab einer Dauer von mehr als sechs Monaten sollte der Arzt das Nutzen-Risiko-Verhältnis sorgfältig abwägen. Patienten mit schwerer Leberfunktions­störung sollten das neue Medikament nicht erhalten, es sei denn, der Arzt schätzt den potenziellen Nutzen höher ein als die Risiken.

In der Fachinformation informiert der Hersteller darüber, dass Isavucon-azol ein Substrat der Enzyme CYP3A4 und CYP3A5 ist. Daher ist Cresemba kontraindiziert bei Pa­tienten, die Ketoconazol, hochdosiertes Ritonavir oder starke beziehungsweise mäßig starke CYP3A4/5-Induktoren einnehmen. Erhält ein Patient gleichzeitig Arzneimittel, die CYP3A4 und/oder CYP3A5 hemmen, kann das die Plasmakonzentrationen von Isavuconazol erhöhen. Die gleichzeitige Einnahme von Arzneimitteln, die CYP3A4- und/oder CYP3A5-Induktoren sind, kann dagegen die Plasmakonzentrationen von Isavuconazol verringern.

Eine weitere Kontraindikation des neuen Pilzmittels besteht bei Patienten mit familiärem Kurzem-QT-Syndrom, einer Erkrankung mit gestörtem Herzrhythmus. Zudem ist Vorsicht geboten, wenn Patienten Arzneimittel einnehmen, die bekanntermaßen das QT-Intervall verkürzen, zum Beispiel das Antiepileptikum Rufinamid.

Da Isavuconazol ebenfalls ein CYP2B6-Induktor ist, sollen Ärzte das neue Pilzmittel nur mit Vorsicht verordnen, wenn der Patient CYP2B6-Substrate einnimmt, insbesondere solche mit geringer therapeutischer Breite. Ebenso müssen sie unter Umständen bei Substraten des Transporters P-Glykoprotein die Dosis des neuen Arzneistoffs anpassen, wenn sie diese mit Cresemba kombinieren möchten. Das gilt vor allem für Arzneistoffe mit geringer therapeutischer Breite.

Die häufigsten unerwünschten Nebenwirkungen des neuen Antimykotikums waren in Studien Übelkeit, Erbrechen, Durchfall, Kopfschmerzen, erhöhte Leberenzymwerte, Kaliummangel, Verstopfung, Atemnot, Husten, periphere Ödeme und Rückenschmerzen.

Schwangere dürfen das Antimykotikum nicht erhalten, es sei denn, sie sind an einer schweren oder möglicherweise lebensbedrohlichen Pilzinfektion erkrankt. In diesem Fall kann der Arzt Isavuconazol verordnen, wenn er den erwarteten Nutzen höher einschätzt als die möglichen Risiken für den Fetus. Frauen im gebärfähigen Alter, die nicht zuverlässig verhüten, sollen kein Cresemba erhalten. Zudem sollten Frauen während der Behandlung das Stillen unterbrechen. /

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