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Vorstandswahlen

Die künftige Doppelspitze

25.11.2016  14:29 Uhr

Von Sigrid Joachimsthaler / Andreas May und Tanja Kratt lenken ab 2017 die Geschicke der Apothekengewerkschaft Adexa. Die neue Doppelspitze wurde bei der Herbstsitzung in Hamburg gewählt. Die bisherige Erste Vorsitzende, Barbara Stücken- Neusetzer, hatte nicht erneut für den Vorstand kandidiert.

Andreas May, PTA und Vorsitzender des Adexa-Landesvorstands Bayern, wird künftiger Erster Vorsitzender der Apothekengewerkschaft. Er löst zum Jahres­beginn 2017 Barbara Stücken-Neusetzer ab, die nach zehn Jahren im Amt nicht wieder kandidiert hatte. Die bisherige Zweite Vorsitzende Tanja Kratt, die in der Doppelspitze unter anderem für Tarife zuständig ist, wurde vom Adexa-Beirat für weitere fünf Jahre im Amt bestätigt.

Andreas May: »Ich danke meinen Landesvorstandskolleginnen im Beirat für das Vertrauen, das sie mir mit der Wahl ausgesprochen haben. Durch das EuGH-Urteil stehen die öffentlichen Apotheken und damit auch die Angestellten wieder einmal vor großen Herausforderungen. Ich werde mich mit aller Kraft dafür einsetzen, dass sich die Arbeitsbedingungen trotzdem weiter verbessern. Bei den verantwortlichen Politikern wird sich Adexa dafür stark machen, dass die flächendeckende Versorgung der Bevölkerung, die gute pharmazeutische Beratung und Betreuung der Patienten, aber auch die Arbeitsplätze gesichert werden.« Dazu haben der amtierende Adexa-Vorstand und der Beirat eine Resolution verabschiedet (siehe Kasten).

Als wichtige interne Herausfor­derung der Apothekengewerkschaft für 2017 nennen May und Kratt die geplante Strukturreform, für die in diesem Jahr mit der Bildung der vier Regionalen Geschäftsstellen bereits ein erster Schritt getan wurde.

May ist seit 2009 Vorstandsmitglied der Landesgruppe Bayern, deren Vorsitz er seit 2015 hat. Er ist außerdem seit 2014 Mitglied der Adexa-Tarifkommission. Daneben engagiert sich May in der AG Strukturreform und in der Fachgruppe PTA zum Thema Ausbildungsnovellierung. Aufgewachsen in Thüringen, hat May seine PTA-Ausbildung in Augsburg absolviert und ist seit 2004 in öffentlichen Apotheken tätig. Der Vater von drei Kindern wohnt mit seiner Familie im bayerischen Gundelfingen an der Donau.

Weitere Wahlergebnisse

Neben dem Vorstand hat der Beirat auch die ehrenamtlichen Mitglieder der Tarifkommission gewählt: Birgit Engel­mann (PI), Gisa Haeger (PKA), ­Michaela Jäger (PTA), Vanessa Meiler (PKA), Kathrin Niekrenz (Apothekerin), Ulla Odendahl (PKA), Susanne Peters (PTA) und Dorit Vogt (PTA).

Tanja Kratt als Zweite Vorsitzende wird wie in den Vorjahren satzungsgemäß den Vorsitz der Tarifkommission übernehmen. Der Kommission gehört ab Januar auch Andreas May in seiner Funktion als Erster Vorsitzender qua Amt an.

Tanja Kratt: »Wir haben als vordringliche Aufgabe Gehaltsverhandlungen mit dem ADA auf der To-do- Liste, die eine tarifliche Honorierung besonderer Qualifikationen wie Fort- und Weiterbildung umfassen soll.«

Außerdem wurden mit Dagmar Carsten und Gisa Haeger die zwei Mitglieder des Finanzausschusses wiedergewählt.

Großer Dank an Barbara Stücken-Neusetzer

Der Beirat bedankte sich bei Barbara Stücken-Neusetzer für ihr langjähriges Engagement bei Adexa und wünscht ihr Glück und alles Gute für ihre weitere Lebensplanung.

Als Stimme und Gesicht der Gewerkschaft hat sich Stücken-Neusetzer in der Berufspolitik, in den Fachmedien und auch im Bundesgesundheitsministerium mit Elan und kommunikativem Geschick um die Interessen der Angestellten und des Berufsnachwuchses verdient gemacht. /

Resolution zur Preisbindung bei Rx-Arzneimitteln

Das EuGH-Urteil zu Rx-Boni (C-148/15) verschafft ausländischen Versandapotheken erhebliche Wettbewerbsvorteile gegenüber deutschen öffent­lichen Apotheken. Denn sie müssen sich künftig nicht mehr an die deutschlandweit geltende Arzneimittelpreisverordnung halten.

Dadurch wird sich der bereits seit 2009 anhaltende Rückgang der Apothekenzahlen weiter beschleunigen und von den 138 000 Arbeitsplätzen der Angestellten in öffent­lichen Apotheken wird ein Teil abgebaut werden müssen. Die flächendeckende Arzneimittelversorgung von PatientInnen durch Präsenzapotheken in Deutschland ist daher bedroht und wird sich mittelfristig deutlich verschlechtern.

Öffentliche Apotheken erfüllen viele Gemeinwohl­auf­gaben wie den Nacht- und Notdienst, die derzeit nicht einmal kostendeckend honoriert werden. Diese Tätigkeiten können und müssen ausländische Versandapotheken, die nach Deutschland liefern, nicht erfüllen.

Die Argumentation des EuGH, Prä­senz­apotheken könnten sich beispielsweise mit Rezepturen oder gar höheren Preisen in ländlichen Gegenden gegenüber der ausländischen Konkurrenz behaupten, ist völlig realitätsfern!

Wir fordern ein generelles Versandverbot für rezeptpflich­tige Arzneimittel, wie es auch in den meisten anderen europäischen Ländern aus Gründen des Gesundheitsschutzes besteht.

Damit wäre auch dem Einstieg großer Logistikkonzerne ohne jegliche pharmazeutische Kompetenzen in den nun offenen und lukrativen deutschen Markt ein Riegel vorgeschoben.

Darüber hinaus sollte der Gesetzgeber die Handlungsspielräume der Präsenz­apotheken stärken und die pharmazeu­tische Kompetenz nutzen. Denn die Erst- und Folgeversorgung von Patienten mit minderschweren Erkrankungen durch OTC-Präparate kann und sollte durch die Apotheken geleistet werden, was die Kosten im Gesundheitsbereich für die Solidargemeinschaft der gesetzlich Versicherten insgesamt senkt. Auch in der Versorgung von chronisch erkrankten und multimorbiden Patienten müssen die Apotheken im Rahmen der Medikationsanalyse stärker eingebunden werden.

Das Know-How in den öffentlichen Apotheken ist vor­handen! Es müssen nur adäquate und existenzsichernde Rahmenbedingungen geschaffen werden.

Wir appellieren an den Gesetzgeber, wirksame Maßnahmen zu ergreifen, um die flächendeckende Versorgung der Bevölkerung weiterhin sicherzustellen und gleichzeitig die Arbeitsplätze in deutschen Apotheken zu schützen!

Der Adexa-Vorstand und die Vorstände der Landesgruppen im November 2016

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