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Mangroven produzieren Antibiotika

14.12.2015
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Von Elke Wolf / Mangrovenpflanzen produzieren antimikrobiell wirksame Substanzen, die starke Ähnlichkeit mit synthetisch hergestellten Sulfonamiden haben. Das entdeckten jetzt Ling Ding und Martin Baunach vom Leibniz-Institut für Naturstoff-Forschung und Infektionsbiologie – Hans-Knöll-Institut (HKI). Die Bakterien aus Mangrovenpflanzen sind ­aktiv gegen antibiotikaresistente Keime, ohne menschliche Zellen zu schädigen.

Gänzlich unbekannt sind die neu entdeckten Verbindungen nicht. Bereits vor über 100 Jahren wurden ähnliche Wirkstoffe, die Sulfonamide, synthetisch hergestellt. 1935 entdeckte der spätere Nobelpreisträger Paul Domagk die Wirksamkeit der Sulfonamide gegen bakterielle Erkrankungen. Sulfonamide wurden im Gegensatz zu den meisten anderen Antibiotika in der Natur nie gefunden. Sie entstanden immer im Reagenzglas.

Umso überraschter waren die HKI-Wissenschaftler, als sie ähnliche Verbindungen in Bakterien entdeckten, die natürlicherweise in Mangrovenpflanzen leben. »Teile der Wirkstoffe, die wir gefunden haben, haben frappierende Ähnlichkeit mit den alten Verbindungen aus dem beginnenden 20. Jahrhundert«, erklärt Baunach. »Doch bei genauerer Betrachtung stellt man fest, dass sie sich in einem für die Wirkung wichtigen Abschnitt unterscheiden. Demnach scheint die Natur nicht dieselben Mechanismen zu nutzen, die die synthetischen Stoffe zu solch wirksamen Antibiotika macht. Vielmehr handelt es sich sehr wahrscheinlich um einen neuartigen Wirkmechanismus.«

Die Unterschiede zu den synthetisch hergestellten »klassischen« Sulfonamiden könnten sich nun als Vorteil für die neuen Naturstoffe erweisen: Vor allem im Einsatz gegen multiresistente Krankheitserreger sind Wirkstoffe mit abweichendem chemischen Aufbau von Bedeutung. /

Quelle: Leibniz-Institut für Naturstoff-Forschung und Infektionsbiologie – Hans-Knöll-Institut